Alle 77 Standorte
Praktiker übernimmt Max Bahr

Max Bahr verkauft sein gesamtes Geschäft an den Konkurrenten Praktiker. Die erst im vergangenen Jahr an die Börse gegangene ehemalige Metro-Sparte erhält damit auf einen Schlag dutzende neue Filialen und hunderte Millionen Euro Umsatz. Damit will sie sich offenbar für den gnadenlosen Verdrängungswettbewerb unter den deutschen Baumärkten rüsten.

HB KIRKEL. Eine Kauvereinbarung wurde am Mittwoch in Hamburg von der Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte Holding AG und der Max Bahr Holzhandlung GmbH & Co. KG unterzeichnet, teilte Praktiker mit. Die Immobilien von Max Bahr sind allerdings nicht im Paket enthalten. Diese gehen an die Moor Park Holdings Luxembourg. Zum Kaufpreis schwiegen sich die Vertragspartner aus; im Vorfeld der Transaktion wurde über eine Summe zwischen 1 und 1,5 Mrd. Euro spekuliert. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.

Max Bahr hat im vergangenen Geschäftsjahr, das am 28. Februar endete, laut der Mitteilung mit 77 Standorten einen Nettoumsatz von 726 Mill. Euro erzielt. Praktiker kam bei 340 Filialen auf 3 Mrd. Euro Umsatz. Max Bahr soll schon im ersten vollen Geschäftsjahr einen positiven Beitrag zum Ergebnis liefern.

Die Kunden merken rein äußerlich nichts von der Übernahme. Max Bahr bleibt als Marke erhalten und soll das Premium-Segment bedienen, wohingegen Praktiker die Discount-Schiene beackert. Dadurch sollten zusätzliche Kundengruppen erschlossen werden, heißt es in der Mitteilung.

Bieterkampf um Max Bahr

Um die Hamburger Baumarktkette Max Bahr war Mitte des Jahres ein Bieterkampf entbrannt. Wie das Handelsblatt im August aus Kreisen der beteiligten Firmen erfahren hatte, waren insgesamt drei Angebote bei der Investmentbank Lazard eingegangen. Die Frankfurter Übernahme-Experten waren von der Bahr-Eigentümerfamilie Möhrle mit dem Verkauf betraut worden. Den Informationen zufolge hatten sich neben Praktiker auch das Beteiligungsunternehmen Permira und Konkurrent Obi für Max Bahr interessieren. Offiziell wollten sich die drei Firmen dazu damals auf Anfrage nicht äußern.

Max Bahr war 1879 in Hamburg als Wagenrad-Firma gegründet und 1927 in eine Holzhandelsfirma umgewandelt worden. 1963 gründete der Hauptgesellschafter Peter Möhrle in Hamburg die erste Baumarktfiliale. 2004 zog sich die Familie aus dem operativen Geschäft zurück und überließ die Führung einem Manager-Team unter Leitung des Sprechers der Geschäftsführung, Werner Carl. Für Max Bahr arbeiten 4 500 Menschen.

Gnadenloser Verdrängungskampf

Zwar bewerten Experten das Verkaufskonzept von Max Bahr als vorbildlich, doch Praktiker-intern war die Offerte äußerst umstritten. Dass Geld für die Übernahme müsse bei der Expansion nach Osteuropa eingespart werden, kritisierten Mitarbeiter. Die Sorgen scheinen keineswegs unbegründet, denn allein mit dem Verweis auf die lukrativen Aktivitäten in Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und der Türkei hatte Praktiker-Chef Wolfgang Werner den Aktienkurs während des Börsengangs nach oben getrieben.

Praktiker hat sich dennoch für den Kauf entschlossen, wohl um im deutschen Verdrängungswettbewerb mitmischen zu können. Hier erwartet insbesondere die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bis zum Jahr 2015 eine rigorose Marktbereinigung. Aufgrund erheblicher Überkapazitäten und schwindender Flächenproduktivität werde es dann nur noch drei deutsche Baumarktbetreiber geben, kündigen die Branchenexperten an.

Die Baumarktbranche in Deutschland leidet seit Jahren unter einem Flächen-Überangebot und dementsprechend sinkenden Margen. Seit Jahren wird deshalb über eine notwendige Konsolidierung der Branche gesprochen. Branchenführer ist die Tengelmann-Tochter Obi, gefolgt von Praktiker, Bauhaus und Hornbach . Die Edeka-Gruppe will ihre von der AVA-Handelsgruppe geerbten Marktkauf-Baumärkte ebenfalls verkaufen oder ausgliedern. Auch die zur Rewe-Gruppe gehörenden Toom-Baumärkte gelten als potenzielle Übernahmekandidaten bei künftigen Konsolidierungsschritten.

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