Allen Rosenshine
Ein Titan geht in Rente

Wer an langfristige Karriereplanung glaubt, sollte nicht mit Allen Rosenshine sprechen. Sein Weg war immer ungewöhnlich. In der Werbebranche wurde er ein Titan, einer der „100 einflussreichsten Werbe-Persönlichkeiten des Jahrhunderts“. Nun beendet der BBDO-Chairman seine 44-jährige Karriere.

DÜSSELDORF. „Ich habe nur bei einer Werbeagentur angefangen, weil das einzige andere Jobangebot von einem Verlag kam – für weniger als 25 Dollar die Woche“, schreibt Allen Rosenshine in seinem jüngst erschienenen Buch „Funny Business“. Und eigentlich wollte er ohnehin Chemieingenieur werden.

Doch in der Branche, in der er nur wegen ein paar Dollar mehr anfing, wurde er zum Titanen, zu einem der „100 einflussreichsten Werbe-Persönlichkeiten des Jahrhunderts“, laut der Liste der Branchen-Bibel „Advertising Age“. Nach 44 Jahren im Job wird der Chairman der Großagentur BBDO am Ende des Jahres in Rente gehen, wie sein Haus am Mittwoch ankündigte.

Vor seine Regie-Rolle beim „Big Bang der Werbebranche“, wie es das Nachrichtenmagazin „Time“ umschrieb, bleibt in Erinnerung: 1986 lenkt Rosenshine als BBDO-Chef den Zusammenschluss seines Hauses mit Doyle Dane Bernbach und Needham Harper zur ersten Mega-Agentur namens Omnicom. Rosenshine selbst wird erster Vorstandsvorsitzender der Gemeinschaftsagentur.

Später überraschte er die Branche, als er Bruce Crawford zu seinem Nachfolger machte, den er einst bei BBDO ersetzt hatte. Rosenshine selbst kehrte zu BBDO, nun eine Tochter von Omnicom, zurück. Begründung: Einen börsennotierten Konzern zu leiten bereite ihm keine Freude.

Sein Weg war immer ungewöhnlich. Schließlich kam er von der kreativen Seite – und Kreative schaffen es selten bei Agenturen bis ganz nach oben. 1965 beginnt der gebürtige New Yorker nach dem Ingenieurstudium auf dem Columbia College als Texter bei J. B. Rundle Advertising, wechselt dann zu BBDO. 1975 steigt er auf zum Kreativdirektor der New Yorker Filiale, 1985 wird er Vorstandsvorsitzender von BBDO Worldwide.

Unter seiner Führung wuchs die Agentur von 2,5 Milliarden Dollar Umsatz auf 16,2 Milliarden im Jahr 2001. Vergangenes Jahr übergab er den CEO-Posten dann an Andrew Robertson und wechselte auf den Chairman-Sessel.

Das BBDO-Erfolgsgeheimnis, verriet er kürzlich in einem Interview mit dem „Boston Globe“, sei es, sich nur um Kunden zu bemühen, bei denen man sicher sei, zum Zug zu kommen. Wenn man Zweifel habe zu siegen, sollte man lieber die Finger von einer Bewerbung lassen – „wer nicht glaubt, dass er gewinnt, präsentiert nicht mit Schwung“, behauptet Rosenshine.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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