Allianz der Zeitungsverlage
Der Post erwächst ein würdiger Gegner

Ende 2007 fällt das Monopol der Post bei Briefen. Die Konkurrenz in Form der Zeitungsverlage bringt sich schon heute in Stellung und schmiedet ein großes Bündnis.

HB DÜSSELDORF. Die Verlage Holtzbrinck – zu dem auch das Handelsblatt gehört –, Springer und WAZ bilden gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft Rosalia die Speerspitze der privaten Briefzusteller. Die Vier haben sich Anfang der Woche verbündet, um bundesweit Sendungen in die Briefkästen tragen zu können. Wie das Magazin „Wirtschaftswoche“ am Mittwoch vorab aus seiner neuesten Ausgabe berichtet, sucht das noch namenlose Gemeinschaftsunternehmen nun weitere Mitstreiter. Zu den "geborenen Partnern", so wird ein Eingeweihter zitiert, zähle zum Beispiel die Verlagsgesellschaft Madsack ("Hannoversche Allgemeine"), deren Tochter Citipost seit Jahren in Hannover Briefe zustellt und derzeit ins Hinterland expandiert. Madsack-Geschäftsführer Herbert Flecken bestätigt "erste Vorgespräche". Für eine mögliche Beteiligung sei es jedoch noch zu früh. "Vielleicht sind wir in einem halben Jahr weiter", sagt Flecken.

Als potenzielle Partner haben die verbündeten Verlage nach Informationen der „Wirtschaftswoche“ auch den Süddeutschen Verlag ("Süddeutsche Zeitung") in München sowie den Rheinpfalz-Verlag in Ludwigshafen ausgemacht. Die Zusteller der "Süddeutschen Zeitung" tragen in München bereits Post für den Düsseldorfer Briefverteiler Net-DBS aus, den die WAZ Anfang der Woche zu 25 Prozent übernahm und in das Netzwerk einbringen will.

Die gemeinsame Postgesellschaft der Verlage soll Anfang 2006 offiziell an den Start gehen und sich damit rechtzeitig zur Öffnung des Markts als größter Gegenspieler des Gelben Riesen positionieren. Schon heute befördern die noch eigenständig agierenden Tochterunternehmen der Verlage Briefe für Geschäftskunden, hängen wie die Springer- und Holtzbrinck-Tochter PIN in Berlin auch schon Briefkästen für jedermann auf. Die Verlage können auf Grund ihres dichten eigenen Zustellnetzes auf hohe Synergieeffekte bauen. Sie erschließen sich neben ihrem Kerngeschäft einen 10 Milliarden-Euro-Markt.

Trotz teilweiser Öffnung des Briefmarkts haben sich bislang kaum andere Anbieter etablieren können. Das Briefmonopol gilt für Sendungen bis 100 Gramm, ab 2006 bis 50 Gramm. Die privaten Zusteller können unter bestimmten Auflagen aber auch jetzt schon im Monopolbereich tätig werden. Sie müssen dann eine „höherwertige“ Leistung anbieten, etwa Massensendungen drucken, eintüten und ausliefern in Einem. Obwohl schon Hunderte von kleineren Firmen am Markt sind, liegt der Marktanteil der Post nach Angaben der Bundesnetzagentur insgesamt noch bei knapp 95 Prozent.

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