Alltours-Chef ruft nach Staatsintervention
Billigflieger beunruhigen die Tourismusbranche

Der anhaltend steile Aufschwung der Billigflieger samt ihrer historisch niedrigen Ticketpreise macht Vertretern der deutschen Tourismusbranche zunehmend Sorge. Beim Urlauber werde jedes Gefühl für Leistung zerstört, warnte Alltours-Geschäftsführer Willi Verhuven auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB) in Berlin.

HB BERLIN. Der mit 1,27 Mrd. Euro Umsatz viertgrößte deutsche Reiseveranstalter hat sich am Wochenende als erster Flugreisen-Anbieter für die Einführung einer Kerosinsteuer ausgesprochen und damit erheblichen Wirbel verursacht. In einem Rundumschlag forderte Verhuven zudem „staatlich festgelegte Mindestpreise für Flugtickets“ sowie ein generelles Subventionsverbot für Billigfluglinien. Die Branche reagierte empört auf den Vorstoß des Alltours-Gründers. Es sei aberwitzig, dass sich „ausgerechnet der größte Preisdrücker der vergangenen Jahre“ nun für staatliche Interventionen einsetze, um die Preise wieder nach oben zu bekommen, sagte ein hochrangiger Tourismusmanager dem Handelsblatt. Auch der Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV), Klaus Laepple, zeigte sich irritiert. Die Idee eines Mindestflugpreises sei abwegig.

Zwar klagt die Tourismusindustrie seit Jahren über schwache Margen, die durch den Erfolg der Billigflieger weiter unter Druck geraten. Abgaben auf Flugtickets oder die Einführung einer europaweiten Kerosinsteuer seien jedoch der falsche Weg, argumentiert der Rest der Branche in seltener Einmütigkeit. Die Kerosinsteuer würde einen Wettbewerbsnachteil für europäische Fluggesellschaften bedeuten, da es diese Belastung nirgendwo sonst gebe, sagte Tui-Vorstandschef Michael Frenzel. Der Luftverkehr sei die einzige Industrie, die ihre Wegekosten selbst trage, assistierte der Geschäftsführer von Air Berlin, Joachim Hunold. Auch Politiker diverser Urlaubsländer lehnen die europaweit diskutierte Kerosinsteuer ab: Sollten Flüge innerhalb der EU teurer werden, befürchten Destinationen wie Spanien, Portugal oder Griechenland eine Verlagerung von Urlaubsströmen in Richtung Türkei oder Tunesien. Branchenexperten gehen davon aus, dass es keine Kerosinsteuer geben wird.

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