Altenpflege
Die Pflegebranche kennt keine Krise

In Deutschland wächst die Zahl der Alten in den kommenden Jahren stark an. Damit steigt auch der Bedarf an institutionellen Pflegeeinrichtungen. Derzeit wächst der Markt jährlich um 2,1 Prozent. Doch die Einrichtungen hängen oft noch am Tropf der gesetzlichen Pflegeversicherung.

FRANKFURT. Nur wenige Märkte haben derzeit solch gute Wachstumsaussichten wie die Pflegebranche. Die Menschen altern, viele werden pflegebedürftig und der Bedarf an institutionellen Pflegeeinrichtungen wird in den nächsten Jahren deutlich wachsen. Allein in Deutschland werden bis zum Jahr 2020 rund 200 000 neue Plätze in Seniorenheimen benötigt werden, rund ein Viertel mehr als heute, schätzt der Europäische Pflegeverband ECHO. "Der Pflegemarkt wächst innerhalb des Gesundheitswesen am stärksten", meinen auch die Experten vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung aus Essen (RWI) in ihrem letzten Pflegeheim-Rating-Report. Ginge man von konstanten Pflegequoten aus, stiege der Bedarf an stationärer Pflege jährlich um mindestens 2,1 Prozent.

Doch trotz aller positiver Aussichten, der 19 Mrd. Euro schwere Markt hat seine eigenen Probleme und Herausforderungen. Da ist zum einen das Thema Pflegeversicherung, an deren Tropf der Markt hängt. 18,3 Mrd. Euro hat die Pflegeversicherung 2007 ausgeben, für die Pflege durch Angehörige, ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen. Trotz Erhöhung des Pflegesatzes im vergangenen Jahr wird das Volumen nach Ansicht verschiedener Experten künftig nicht ausreichen, um den Status Quo zu halten. "Die Pflegebedürftigen werden sich in den nächsten Jahren zunehmend zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft entwickeln, meint Carsten Brinkmann, Aufsichtsratsvorsitzender der auf den Bereich Sozialimmobilien spezialisierten Beratungsgesellschaft Terranus. "Die einen werden es sich leisten können, bis zu 2 000 Euro pro Monat als Eigenanteil für einen Pflegeplatz auszugeben, bei den anderen wird neben der Pflegeversicherung die Sozialhilfe stärker zahlen", so Brinkmann.

Entsprechend wird sich das Pflegeangebot künftig nach oben und unten ausdifferenzieren, erwartet Boris Augurzky vom RWI. Oder, wie es Axel Hölzer, Chef des Privaten Pflegeheimbetreibers Marseille-Kliniken AG in Anlehnung an die Hotel-Klassifizierung ausdrückt: "Die 4-Sterne-Häuser mit ausschließlich Einzelzimmern und die 2-Sterne-Häuser mit überwiegend Doppelzimmern legen zu."

Der börsennotierte Anbieter Marseille reagiert auf die zweigleisige Entwicklung, indem er zurzeit vor allem den günstigen 2-Sterne-Bereich ausbaut. Und das nicht nur bei der stationären Pflege, sondern auch im Bereich des Betreuten Wohnens. Hier bietet das Unternehmen den Senioren Einraumwohnungen an, die Pflege wird ambulant erbracht. Aktuell bietet Marseille 880 Betten im Bereich Betreutes Wohnen an und will diese Zahl bis 2012 auf 3 000 ausbauen. Konkurrenten wie der zur Dussmann-Gruppe gehörende Seniorenheim-Betreiber Kursana, oder auch die börsennotierte Curanum-Gruppe setzten dagegen eher auf den Trend zum gehobenen Segment und bauen Heim- und Betreuungsplätze stärker in diese Richtung aus.

Im absoluten Hochpreis-Segment, das nach Schätzungen von Branchenexperten rund vier Prozent ausmacht, läuft das Geschäft trotz zahlungskräftiger Klientel aber auch nicht immer rund, wie die Erfahrungen des 2002 in Deutschland gestarteten amerikanischen Anbieters Sunrise zeigen. Der musste Ende Januar zwei seiner insgesamt neun Einrichtungen wegen Unterauslastung schließen. Nach Meinung verschiedener Branchenvertreter ist Sunrise zu spät in ein Segment eingestiegen, das schon erfolgreich von freigemeinnützigen Einrichtungen wie Augustinum und Rosenhof bedient wird.

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