Am Donnerstag werden Quartalszahlen vorgelegt
Disney startet Handelsoffensive

Pünktlich zum 75. Geburtstag der Mickey Maus startet der US-Medienkonzern Disney erstmals als Anbieter für Unterhaltungselektronik im deutschen Markt. Nach dem Verkauf von Plüschtieren, Schlüsselanhängern und T-Shirts mehr schlecht als recht läuft, startet der zweitgrößte Medienkonzern der Welt mit bunten CD-Players, Discman, Digital-Radioweckern im Mickey-Maus-Design in Deutschland.

HAMBURG. „Da gibt es noch sehr viel Potenzial“, sagte Andrew Mooney, Präsident der Konzernsparte Consumer Products, dem Handelsblatt. „Wir werden hier schneller als der Rest des Konzerns wachsen“, verspricht er. Für Frühjahr 2004 sind weitere Produkte wie ein Fernseher oder ein DVD-Player für Kinder ab 5 Jahren geplant. Die Geräte werden von der Essener Medion AG hergestellt, die vor allem durch Verkaufsaktionen bei Aldi bekannt geworden ist.

Deutschland spielt in der Strategie, die Handelssparte von Disney als Wachstumsmotor umzubauen, eine zentrale Rolle. „Die Unterhaltungselektronik in Europa ist für Disney ein Markt mit Zukunft. Deshalb haben wir Deutschland, dem größten Einzelmarkt, eine Menge Energie verwendet“, sagt Mooney. Die wichtigsten Partner seien hier die beiden Handelskonzerne Metro und Karstadt Quelle und der Textilhändler C+A. Auch mitTschibo hat Disney vor wenigen Tagen Gespräche geführt. Vom Wechsel zu eigenen Produktlinien statt der Vergabe von Lizenzen verspricht sich Disney auch eine höhere Umsatzrendite.

Die Handelsoffensive ist Teil eines Umbaus des Konzerns. Neben den Freizeitparks gilt Konsumproduktesparte mit einem Umsatz von 2,4 Mrd. $ als Sorgenkind. Mickey Maus und seine Freunde sind in die Jahre gekommen. Im letzten Quartal sank der operative Gewinn auf 39 Mill. Euro. Für das enttäuschende Ergebnis war nicht zuletzt das schwache Geschäft der konzerneigenen Ladenkette verantwortlich. Das will Mooney, den Konzernchef Michael Eisner vom Sportartikelhersteller Nike abwarb, ändern. Seit der gebürtige Schotte im Mai auch die Verantwortung über die Ladenkette übernahm, treibt er deren Verkauf voran. In den USA besitzt Disney noch 414 und in Europa 100 Läden. „Wir werden statt auf eigene Läden in Zukunft auf die Partnerschaft mit großen Einzelhändlern setzen“, sagt der Vorstand. Derzeit verhandelt Disney mit Interessenten, darunter auch Private-Equity-Unternehmen, über einen Verkauf. „Der Rückzug aus dem Geschäft mit eigenen Läden in Europa und den USA ist auf gutem Wege“, sagt Mooney.

Am kommenden Donnerstag legt Disney seine neue Quartalszahlen vor. Zuletzt hatten Analysten der Deutschen Bank als von Goldman & Sachs empfehlen die Disney-Aktie zu kaufen.

Am Montag hatte der Freizeitpark Disneyland Paris die Märkte negativ überrascht. Der Freizeitpark zählte nicht nur 5,3 % weniger Besucher, sondern vergrößerte seinen Nettoverlust um fast 70% auf 33,1 Mill. Euro in den ersten neun Monaten. Disney erwirtschaftete 2002 einen Umsatz von 25,3 Mrd. $. Der operative Gewinn belief sich auf 1,2 Mrd. $. Consumer Products ist von den vier Konzernsparten mit einem Umsatz von 2,4 Mrd. Euro die kleinste. Wichtigster Umsatzträger sind bei Disney die Fernseh- und Kabelkanäle. Die „Media Networks“ erwirtschaften mehr als 9,7 Mrd. $.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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