Am Markt für Zubehör interessiert
Quelle will weiter Auto-Rabatte bieten

Trotz der Quelle-Ankündigung von weiteren Auto-Rabatt-Aktionen rechnen die deutschen Autohersteller nicht mit einer Rabattschlacht wie in den USA. Durch die Liberalisierung des europäischen Autohandels kämen jedoch häufiger Rabatte.

HB HAMBURG. Wie aus einer Umfrage unter Experten am Dienstag hervorgeht, dürften künftig Autos verstärkt über Lebensmittelketten, Baumärkte oder Versandhäuser verkauft werden. Das Quelle-Angebot eines zehnprozentigen Rabatts auf den neuen Golf werde dann kein Einzelfall bleiben. Allerdings gehen die Experten nur von zeitlich befristete Werbeaktionen aus. Eine auch an großen Stückzahlen messbare Konkurrenz zu den von den Herstellern kontrollierten Händlernetzen wird nicht erwartet. So plant Quelle nach eigenen Angaben für 2004 den Verkauf von 1 000 Autos verschiedener Hersteller. Verglichen mit den 600 000 Golf, die Europas größter Autokonzern Volkswagen im nächsten Jahr verkaufen will, ist das eine verschwindend kleine Zahl. Ins Autogeschäft steigt Quelle nach eigener Aussage vor allem wegen des Geschäfts mit Autozubehör ein.

Opel: GVO wird den Markt bewegen

Allerdings nimmt bei Händlern wie Herstellern wegen des Quelle-Vorstoßes die Unsicherheit zu. Der Rüsselsheimer Autobauer Opel äußert sich zwar gelassen, kann aber auch nicht ausschließen, dass sein für nächstes Frühjahr angekündigtes neues Astra-Modell über solche Kanäle vertrieben wird. „Wir befinden uns noch ein Stück weg von der Markteinführung und haben daher mit solch naheliegenden Problemen nichts zu tun“, sagte Opel-Sprecher Ulrich Weber. Zugleich wies er darauf hin, dass die Anfang Oktober in Kraft tretenden neuen EU-Regeln zur Liberalisierung des Autohandels den Markt in Bewegung bringen dürften. „Es ist nicht auszuschließen, dass es dann neue Anbieter geben wird“, sagte Weber.

Mit der neuen EU-Regeln zur Liberalisierung des Autohandels (GVO) sollen die Autobauer dazu bewegt werden, ihre Händlernetze für andere Hersteller zu öffnen. Händler sollen nicht mehr wie bisher dazu gezwungen sein, nur eine Automarke in ihren Häusern zu vertreiben. Zugleich soll der grenzüberschreitende Autohandel erleichtert werden. Autohändler können sich dann zum Beispiel auch zu Internet-Plattformen zusammenschließen und ihre Autos durch eine gemeinsame Firma vermitteln lassen.

Selbst BMW , dessen Autos der gehobenen Klasse bislang nicht durch Rabatt-Aktionen von Vermittlern auffällig geworden sind, hält es für möglich, dass seine Modelle künftig auch von Versandhäusern ins Angebot aufgenommen werden. Sprecher Uwe Mahla sagte: „Im Einzelfall ist das nicht auszuschließen. Es wird aber nicht den Großteil des Geschäfts ausmachen.“ Mahla verwies darauf, dass BMW den Händlern seine Fahrzeuge zu fest vereinbarten Preisen liefere. Der Mindererlös durch Rabatte spiele sich dann „außerhalb der Reichweite“ von BMW ab.

Deutsche Autobauer meiden Rabatte

Die deutschen Hersteller betonen, dass sie auf dem Heimatmarkt gegenwärtig keine Rabattschlachten wie in den USA befürchten, wo Preisabschläge von mehreren tausend Dollar auf Neuwagen die Regel sind. Rabattaktionen könnten imageschädigend sein, vor allem dann, wenn wie im Fall von VW das gerade erst auf den Markt kommende Hauptmodell von Zwischenhändlern bereits mit hohen Abschlägen angepriesen wird. VW prüft deshalb rechtliche Schritte gegen den Vertrieb über Quelle.

Michael Funk vom Lehrstuhl für Wirtschaftsrecht an der Universität Kaiserslautern, der Händler und Werkstätten von mehreren Herstellern berät, geht davon aus, dass das Quelle-Angebot rechtlich einwandfrei ist und das Modell Nachahmer finden werde. „Prinzipiell ist die Vermittlungstätigkeit erlaubt“, sagte Funk. „Natürlich kann es in Zukunft vermehrt zu solchen Aktionen kommen.“

Aldi & Co dürften nur als Vermittler auftreten

Es dürfte sich aber zunächst um befristete Werbeaktionen handeln, bei denen wie bisher schon beispielsweise über große Lebensmittelketten wie Edeka Autos angeboten werden. „Dabei dürften Aldi, Lidl & Co nur als Vermittler auftreten, selbst verkaufen dürfen sie die Autos nicht“, sagte Funk. Nach dieser Methode funktioniert auch das Angebot von Quelle. Neu daran ist lediglich, dass vier Wochen vor dem geplanten Markteintritt ein neues Modell angepriesen wird. Als Vermittler tritt dabei die Bayreuther Firma Carplus auf, die nach eigener Aussage die Aufträge bündeln und bei Händlern so einen Mengenrabatt herausschlagen und an die Käufer weiter reichen kann.

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