Am Montag endet Angebotsfrist
Frankreich verkauft Anteile an Autobahnen

Für Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin liegt das Geld sprichwörtlich auf der Straße. Um die Staatsverschuldung zu senken, will die Regierung ihre verbleibenden Anteile an den französischen Autobahnbetreibern Autoroutes du Sud de la France (ASF), Autoroutes Paris-Rhin-Rhone (APRR) und Société des Autoroutes du Nord et de l’Est (Sanef) verkaufen.

PARIS. Erhoffte Einnahmen: elf Milliarden Euro. Die erste Angebotsfrist läuft am 22. August ab. Als Favoriten für die Übernahme gelten die französischen Baukonzerne Vinci und Eiffage. Aber auch ausländische Adressen wie der spanische Autobahnbetreiber Abertis zeigen Interesse.

Der französische Mischkonzern Bouygues, der neben dem Stammgeschäft Bauen auch im Mobilfunk (Bouygues Telecom) und im Fernsehen (TF1) mitmischt, tritt bei dem Bieterwettbewerb gar nicht erst an. Er begründete dies damit, dass der Staat mit der Ausschreibung nur finanzielle Ziele verfolge.

„Der Zukauf eines Autobahnbetreibers hat für einen Baukonzern durchaus Sinn, denn mit den vorhersehbaren Maut-Einnahmen lässt sich die Zyklik des Baugeschäfts ausgleichen“, sagt ein Pariser Analyst. Ferner könne ein Konzern, der sich sowohl im Baugeschäft als auch beim Betrieb von Autobahnen auskennt, Staaten eine Komplett-Lösung für neue Autobahnen bieten: Konzeption, Finanzierung, Bau und Betrieb.

In Frankreich ist die gemeinschaftliche Finanzierung von Infrastruktur-Vorhaben mit privaten Partnern (Public Private Partnership) seit den 70er Jahren üblich. Der Staat hat keine ausreichenden Mittel, um das Autobahnnetz auf eigene Kosten auszubauen. Also vergibt er Konzessionen für den Bau und Betrieb neuer Autobahnen an private Unternehmen. Die refinanzieren ihre Investitionen mit Maut-Einnahmen.

„Es scheint ziemlich klar zu sein, dass ASF an Vinci gehen wird“, sagt ein Analyst. Vinci hält bereits 23 Prozent an dem Autobahnbetreiber. Für einen anderen Investor würde es daher kaum Sinn machen, bei ASF groß einzusteigen. Außerdem ist Vinci mit Tochter Cofiroute bereits im Autobahngeschäft unterwegs. Der Baukonzern selbst wollte sich zum Thema nicht äußern.

Um bei ASF die Kontrolle zu übernahmen muss Vinci nach Berechnungen des Brokers BNP Exane acht Mrd. Euro hinblättern. Dank der geringen Schulden könne Vinci davon drei bis vier Mrd. Euro über Darlehen finanzieren, ohne sein Kreditrating zu riskieren. Für den Rest bleibt die Möglichkeit, das Kapital zu erhöhen.

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