Amazon-Aktie geht durch die Decke

Kampf der Online-Titanen verschärft sich

Die Wall Street ist nach dem Abheben der Amazon-Aktie sprachlos. Doch Google und Microsoft schießen sich auf Amazons wichtigstes Wachstumsfeld ein. Die Übernahme von „Whole Foods“ könnte da auf einmal zum Problem werden.
Update: 27.10.2017 - 01:55 Uhr 2 Kommentare
Amazon erfreut die Anleger mit guten Quartalszahlen. Quelle: Reuters
Gute Bilanzen

Amazon erfreut die Anleger mit guten Quartalszahlen.

(Foto: Reuters)

San FranciscoEs war der Tag, an dem die Tech-Branche die Weltherrschaft erklärte. Amazon, Microsoft und Google überzeugten am Donnerstag mit Quartalszahlen, die die Analystenerwartungen weit übertrafen. Nachbörslich gab es an der Wall Street kein Halten mehr.

Nachdem Amazon ein Umsatzplus im dritten Quartal um 34 Prozent auf 43 Milliarden Dollar bekanntgegeben hatte, zog die Aktie des Konzerns zeitweilig um rund acht Prozent auf 1050 Dollar an. Das lag auch daran, dass der Nettogewinn leicht zulegte, statt zu sinken, wie von Analysten befürchtet worden war.

Google steigerte seinen Umsatz um 24 Prozent auf 27,77 Milliarden Dollar, die Aktie legte rund drei Prozent zu und lag zwei Dollar über der 1000-Dollar-Marke. Microsoft hatte schon während des Börsenhandels in den USA erstmals seit dem dot.com-Crash im Jahr 2000 einen Börsenwert von 600 Milliarden Dollar überschritten. Nachbörslich schob sich die Aktie weiter bis auf 82,24 Dollar vor, ein Plus von über vier Prozent.

Die Marktverschiebung regiert

Das Triumvirat aus Alphabet (Google), Amazon und Microsoft, regiert die Szene. Obwohl sie alle in unterschiedlichen Branchen gestartet sind, bringt die Konzerne heute eine gewaltige Marktverschiebung zusammen und lässt sie zu erbitterten Gegnern um die Marktführerschaft werden: Cloud-Computing und seit rund zwei Jahren die dramatisch an Bedeutung gewinnende künstliche Intelligenz.

Beides krempelt in den nächsten Jahrzehnten die komplette Weltwirtschaft um. Die Gewinnausweise der Konzerne wurden auch deshalb mit Spannung erwartet, weil sie ein Indiz dafür geben, ob die anhaltende Hausse bei Technologieaktien an der Wall Street noch andauern könnte.

Einkaufen ohne Kassen und Warteschlangen
Die neue Amazon-Idee
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Nie mehr Schlange stehen, sondern mit dem vollen Einkaufswagen einfach aus dem Laden laufen: Das verspricht eine neue Idee des Onlineriesen Amazon – ein Supermarkt in Seattle mit dem Namen „Amazon Go“.

Sensoren erkenne die gewählten Produkte
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In Seattle im US-Bundesstaat Washington präsentierte der Konzern am Montag den Prototyp eines Supermarkts, in dem Kunden alles mitnehmen können, ohne eine Kasse zu passieren. Die in dem rund 170 Quadratmeter großen Laden eingebaute Technologie „erkennt automatisch, wenn Produkte aus den Regalen genommen werden“, erklärte das Unternehmen. Sensoren ermöglichen es dem Kunden also, die gewünschten Produkte auszusuchen und dann mit einer App über ihre Amazon-Konten abzurechnen

Der Kassenzettel wird nachgereicht
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Nur beim Betreten des Ladens muss das Smartphone am Eingang gescannt werden. Beim Verlassen des Geschäfts werde der Einkauf dann über einen virtuellen Warenkorb abgebucht. „Wenn du mit dem Einkaufen fertig bist, kannst du das Geschäft einfach verlassen“, erklärte das Unternehmen. Anschließend werde das Amazon-Konto des Kunden mit dem entsprechenden Betrag belastet und ein Kassenzettel verschickt. Angeboten werden Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch, Fertiggerichte und Kochboxen mit Zutaten für bestimmte Gerichte.

Hier darf nicht jeder rein
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Allerdings darf nicht jeder in den neuen Supermarkt. Vorerst können nur Angestellte des Konzerns, der in Seattle seinen Hauptsitz hat, Amazon Go nutzen.

Ab 2017 für alle Kunden geöffnet
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Anfang 2017 soll der Laden, der auch frische Menüs anbietet, dann für alle anderen Kunden geöffnet werden. Ob weitere Filialen geplant sind, war zunächst unklar.

Amazon erobert die analoge Welt
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Amazon bietet in den USA und London bereits den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh an. Dabei handelt es sich um eine für 15 Dollar pro Monat erhältliche Zusatzoption für Abonnenten des jährlich 99 Dollar kostenden Prime-Service. Zudem betreibt Amazon in Seattle seit dem vergangenen Jahr bereits einen Buchladen; weitere Standorte in anderen Städten sind angekündigt. Laut „Wall Street Journal“ will der Konzern außerdem in den nächsten Wochen testweise zwei Drive-in-Läden eröffnen, ebenfalls in Seattle.

Druck für die traditionellen Kaufhausketten
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Sollte sich der Onlinekonzern dazu entscheiden, im großen Stil ins Supermarktgeschäft einzusteigen, würde dies erheblichen Druck auf traditionelle Lebensmittelhändler und Kaufhausketten wie Wal-Mart ausüben. Bislang kaufen die meisten Verbraucher die Dinge des täglichen Bedarfs bei solchen Anbietern ein.

Amazon ist mit Abstand der größte Kämpfer im Cloud-Computing-Ring, und nicht nur das. Die Tochter AWS, in der dieses Segment gebündelt ist, bestreitet im Grunde alleine den Nettogewinn des Konzerns. Im abgelaufenen Quartal erwirtschaftete AWS einen Betriebsgewinn von 1,17 Milliarden Dollar, während der Rest von Amazon 824 Millionen Dollar Verlust schrieb. Der Umsatz der Cloud-Sparte legte dabei gegenüber dem Vorjahresquartal rund 41 Prozent auf 4,58 Milliarden Dollar zu. Das ist allerdings weniger Zuwachs als im Quartal zuvor. Es setzt eine Ermüdung ein.

Ein Grund dafür könnte die massive Konkurrenz durch Microsoft und Google sein. Microsoft hat die „vor zwei Jahren gesetzte Zielmarke von einer ‚run rate‘ beim kommerziellem Cloud-Umsatz von 20 Milliarden Dollar in diesem Quartal überschritten“, strich Microsoft-Chef Satya Nadella im Gespräch mit Analysten heraus.

Die „run rate“, beschreibt die auf zwölf Monate gerechnete Umsatzentwicklung, ohne dass weiteres Wachstum eingeplant wird. Die Erreichung dieses Ziels war ursprünglich für das Ende des Finanzjahres 2018 geplant, also Ende Juni 2018.

Google ist ähnlich optimistisch, nach zwei vergeblichen Anläufen in der Cloud endlich Fuß fassen und Amazon angreifen zu können: „Kunden erzählen uns, sie wechseln zu Google Cloud wegen unserer Fähigkeiten bei der Datenanalyse und unserem Versprechen, eine offene Plattform zu sein“, sagte Google-CEO Sundar Pichai am Donnerstag. Der Konzern stellte klar heraus, die Cloud habe oberste Priorität.

Google ist allerdings mit Abstand der intransparenteste Spieler in diesem Markt, es gibt keine genauen Zahlen. Marktforscher sehen Google als mit großem Abstand dritter hinter Microsoft, die Amazon schon dicht auf den Fersen seien. Daniel Liu vom Marktforscher Canalys schreibt zum weltweiten Markt für Cloud-Infrastruktur von 14,4 Milliarden Dollar am Donnerstag: „Amazon wächst mit 42 Prozent weiter. Aber Microsoft mit plus 90 Prozent und Google mit plus 76 Prozent holen auf und schließen die Lücke. Selbst IBM gewinnt an Fahrt.“

Konsequenzen für Amazon?
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2 Kommentare zu "Amazon-Aktie geht durch die Decke: Kampf der Online-Titanen verschärft sich"

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  • @ Klaus Samer
    "Die Aktionäre sollten sich schnellstens auf die Suche nach dem nächst größeren Idioten machen der ihnen die Aktie abkauft denn im nächsten Börsencrash wird die luftige Bewertung ausgelöscht."

    Nobelpreisträger Robert Shiller gab einem seiner Bücherden trefflichen Titel "Irrational Exuberance" ("Irrationaler Überschwang").
    Dies gilt in ganz besonderem Maße für die sogenannten "FANG-Stocks": Facebook, Amazon, Netflix und Google.
    Die von ihm entwickelte Shiller PE Ratio (oder CAPE) ist ein hervorragendes Instrument zur Beurteilung von überbewerteten Aktien oder Indices.
    Bei Amazon beträgt diese Ratio akttuell ca. 559. Das ist jenseits von Gut und Böse. Hier finden Sie ein gute Analyse zu dieser "Irrational Exuberance" bei Amazon (und Facebook):
    https://seekingalpha.com/article/4045210-2-clear-instances-irrational-exuberance
    Und für diese beiden Aktien gilt daher auch in ganz besonderem Maße:
    "Investors should follow the well-know adage "Buy when everyone is selling and sell when everyone is buying.""

  • Amazons Aktienkurs entsteht in Absurdistan und wird anscheinend von Menschen aus der Dotcomblase getrieben damals war Umsatz auch wichtiger als Gewinn.
    Amazon ist ein Umsatzriese und Gewinnzwerg.
    Würde Amazon ab morgen keine Waren mehr verkaufen und nur die Cloudsparte offen halten würde es mehr Gewinn erzielen als mit beiden Teilen zusammen das zeigt die ganze Absurdität dieser monströsen Umsatzmaschine.

    Die Aktionäre sollten sich schnellstens auf die Suche nach dem nächst größeren Idioten machen der ihnen die Aktie abkauft denn im nächsten Börsencrash wird die luftige Bewertung ausgelöscht.

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