Amazon
Billig um jeden Preis

Tägliche Kündigungsfristen, kurze Pausen, Leiharbeit: Der Händler Amazon geht nicht zimperlich mit seinen Mitarbeitern um, vor allem in arbeitsreichen Wochen wie der Weihnachtszeit. Nun bekommt der Konzern Gegenwind.

Die Preise stimmen, die Auswahl ist groß und die Lieferzeit kurz. Alles läuft wie am Schnürchen. Und wenn Kunden das Smartphone nicht gefällt, der Drucker lahmt oder das Katzenklo klemmt, dann gehen die Sachen eben wieder retour. Das alles lieben die Kunden von Amazon. Es ist das größte Onlinekaufhaus der Welt. Der US-Konzern hat in Deutschland beim Internethandel sogar den großen Hamburger Versender Otto überholt. Der senkt gerade drastisch seine Preise, muss sparen, baut den Betrieb um und Arbeitsplätze ab. Amazon hingegen expandiert. In diesem Herbst eröffnete das Unternehmen zwei weitere Logistikzentren in Deutschland, um dem Ansturm im Weihnachtsgeschäft gewachsen zu sein.

Die Kehrseite des Erfolges: Im Inneren der gigantischen Warenumschlagmaschine herrscht enormer Druck. Die Technik gibt den Takt vor, eine spezielle Software weist den Pickern den Weg durch die riesigen Hallen. Picker sind jene Lagerarbeiter, die die Smartphones, Drucker oder Katzenklos aus den Regalen picken. Sie legen leicht 20 Kilometer und mehr am Tag zurück. Ist jemand nicht schnell genug, wird er zum Gespräch zitiert. Wer sich auch dadurch nicht ausreichend beschleunigen lässt, dem droht eine Abmahnung.

Außer den Pickern gibt es die Packer, die mit der immer gleichen Bewegung die Waren versandfertig machen. Das System teilt ihnen die passenden Kartons zu. Die Arbeitsschritte sind standardisiert und auf Effizienz getrimmt. Wer dem Druck nicht standhält, muss damit rechnen, schneller draußen zu sein, als er reingekommen ist.

Jeff Bezos, der geniale Gründer von Amazon, gilt als Perfektionist. Menschen und Maschinen müssen funktionieren, damit seine Strategie aufgeht: Bezos will billiger und besser sein als seine Konkurrenten. Das aber gelingt nur, wenn Amazon so flexibel wie möglich agieren kann, vor allem im Umgang mit den Beschäftigten. Auch Bürgermeister und Wirtschaftsminister bekommen die Dominanz des Konzerns zu spüren, wenn dessen Manager - wie derzeit wieder - auf der Suche nach einem neuen Standort sind.

Franziska Schmiedt (Name geändert) freut sich sehr, endlich wieder Arbeit gefunden zu haben. Zwar nur befristet, aber immerhin. Allerdings staunte sie nicht schlecht, als sie ihren Arbeitsvertrag bekam: Darin ist geregelt, dass die Kündigungsfrist lediglich einen Tag beträgt.

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