Amazon
Der Onlineriese kämpft mit allen Tricks

Mit einer heimlichen Änderung in den Geschäftsbedingungen erschleicht sich der Onlinegigant Amazon Waren, die ihnen der Hersteller nie liefern wollte. Und treibt damit den Fachhändler unwissentlich in den Rechtsbruch.
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DüsseldorfAuf den ersten Blick sieht es wie ein gutes Angebot aus. Amazon will Händlern, die über die Plattform verkaufen und ihre Waren bei Amazon lagern, Produkte einfach selber abkaufen. Und zwar zu dem Preis, den der Händler auch von privaten Käufern verlangt hätte. Der einzige Unterschied, so Amazon, sei die Berechnung der Umsatzsteuer. Der Einzelhändler wird ja jetzt zum Großhändler, weil Amazon die Ware natürlich weiterverkauft.

Doch Händler, die auf diesen Deal eingehen, können in größte Schwierigkeiten geraten. Denn in den meisten Fällen hat ihnen der Hersteller den Weiterverkauf an andere Händler in den Vertriebsbedingungen untersagt. Somit verstoßen sie gegen Vertriebsvereinbarungen, riskieren empfindliche Vertragsstrafen und im härtesten Fall verlieren sie ihre Vertriebsrechte.

Und das Schlimmste: Zahlreiche Händler klagen, dass sie über diese weitreichende Änderung in den Geschäftsbedingungen nicht informiert worden sind. Amazon habe die neue Regelung in Kraft gesetzt, ohne die Partner überhaupt zu fragen. Amazon selber teilt auf Nachfrage mit, das Unternehmen habe dazu eine Meldung im Verkäuferportal Seller Central eingestellt.

Zumindest einige Händler seien gezielt per Mail angeschrieben worden, so Amazon. Aber nur die, mit denen Amazon ein Pilotprogramm aufsetzen will. Dabei will der Plattformbetreiber Waren der Händler aufkaufen und über die französische Plattform amazon.fr verkaufen.

„Das sind Wild-West-Methoden“, schimpft ein Fachhändler, der nicht genannt werden will, weil er sonst Probleme mit Amazon befürchtet. „Da macht Amazon das Lager seiner Partner für sich selbst zum Selbstbedienungsgroßhandel“.

Denn die neue Funktion „Kauf meines Lagerbestandes durch Amazon genehmigen“ ist automatisch aktiviert worden. Händler müssen nun aktiv widersprechen, um wieder Rechtssicherheit zu haben. Doch viele wissen noch nicht einmal, dass sie in Gefahr sind.

Amazon bestimme als Marktplatzbetreiber grundsätzlich die Regeln und Marketplace-Händler akzeptierten die Nutzungsbedingungen mit Eröffnung eines Verkäuferkontos, erklärt Annegret Meyer, Leiterin der Rechtsabteilung bei Händlerbund, der rund 50.000 Onlinehändler vertritt. „Sie begeben sich, mit allen Vorteilen, die die Verkaufsplattform bietet, in eine Abhängigkeit vom Giganten Amazon und haben sich regelmäßig mit Amazons bitteren Pillen zu arrangieren“, warnt sie.

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  • Ergänzung zum letzten Satz:

    ..... und bezahlt auch direkt beim Anbieter.

  • Auch persönliche Beleidigungen (ich spare mir die Zitate) können nichts daran ändern: Amazon und Paypal sind durch und durch unseriöse Unternehmen. Jeder, der dort kauft oder verkauft, hat folglich mit dem Schlimmsten zu rechnen! Der Kluge macht einen Bogen darum und kauft direkt beim Anbieter.

  • Was hier berichtet wird, ist doch alles Quatsch. Ein Messer-Hersteller, der nur über den überteuerten Fachhandel liefern will, ist doch langfristig aus dem Geschäft.
    Das Geschäftsmodell von Amazon ist so perfekt und so kundenorientiert, dass alle Einzelhändler, die nicht den gleichen Service bieten wollen, irgendwann einfach verschwinden.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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