Amazon Fresh und die Folgen
Das große Fressen im Onlinehandel

Seit Montag liefert auch die Edeka-Tochter Bringmeister in Berlin noch am Tag der Bestellung aus. Nach dem Vorstoß von Amazon Fresh wird damit die Konkurrenz immer härter – denn der Markt hat enormes Potenzial.
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DüsseldorfErst im Juni ist Amazon in den Markt der Lebensmittellieferdienste in Deutschland eingestiegen. Mit Amazon Fresh bringt der US-Riese seitdem in Berlin Wurst, Käse, Obst und vieles mehr an den Kunden. Nur zwei Monate hat es nun gedauert, bis die heimische Konkurrenz mit einer Service-Offensive reagiert: Die Edeka-Tochter Bringmeister hat in dieser Woche angekündigt, in der Hauptstadt frische Lebensmittel bei einer Bestellung bis 14 Uhr noch am selben Tag auszuliefern.

Außerdem soll das Ganze in einem vorher vom Kunden gewählten Zeitfenster von nur einer Stunde angeliefert werden. Mit den Neuerungen will man sich bei Edeka auf dem wachsenden Markt der Online-Lieferungen von Lebensmitteln in eine gute Ausgangsposition bringen. Denn dort steckt eine Menge Potenzial.

Zahlen belegen das: 2016 haben laut Eurostat rund 18 Millionen Deutsche Lebensmittel im Internet bestellt. Die Meinungsforscher von Yougov haben errechnet, dass das Marktvolumen im Online-Lebensmitteleinzelhandel aktuell rund drei Milliarden Euro ausmacht. Insgesamt entspricht das zwar nur einem Prozent des gesamten Lebensmittel-Einzelhandels. Doch Unternehmensberatungen wie Ernst & Young rechnen mit einer Steigerung des Anteils auf zehn Prozent – und das bis 2020.

Händler wie Rewe, Kaufland, Edeka und Bünting haben dementsprechend ihr Angebot mittlerweile längst von analog auf digital erweitert. Dazu kommen reine Online-Supermärkte wie die DHL-Tochter Allyouneed Fresh. Zuletzt ist Amazon eingestiegen. „Im Moment ist der Markt noch im Aufbau. Da ist es eher so, dass jeder weitere Händler, der in diesen Markt eintritt, mehr Öffentlichkeit und Akzeptanz mit sich bringt“, sagt Jens Drubel, Gründer und Geschäftsführer von Allyouneed Fresh, über die zunehmende Konkurrenz.

Den Anbietern kommt das Marktwachstum zugute: Denn wenn der Kuchen also insgesamt größer wird, legen auch die einzelnen Stücke zu. Und der Kuchen kann, um einmal im Bild zu bleiben, ziemlich groß werden: Bei einem Lebensmittel-Gesamtmarkt von 176 Milliarden Euro wären die von Ernst & Young prognostizierten zehn Prozent stolze 17,6 Milliarden Euro.

„Wir gehen davon aus, dass in absehbarer Zukunft auch in Deutschland nennenswerte Umsatzanteile des Online-Geschäftes am Gesamtmarkt mit Lebensmitteln erreicht werden“, sagt Jean-Jacques van Oosten, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rewe Digital. Beim Konkurrenten Kaufland habe eine Befragung der Kunden in Ballungszentren ergeben, dass gut die Hälfte der Kunden den Einkauf über einen Online-Shop zumindest einmal ausprobieren möchte, heißt es von Unternehmensseite. Vor allen Dingen ein „vollwertiges Angebot an Frischeprodukten“ sei Wunsch der Kunden, um den Wocheneinkauf ersetzen zu können. Andere Anbieter setzen eher auf lange haltbare Vorratsprodukte.

Dass der Online-Handel trotz des reichhaltigen Angebots dem stationären Geschäft ernsthaft gefährlich werden kann, glaubt die Branche aber nicht – unter anderem auch, weil ein großer Teil der Deutschen gerne in Supermärkten und Drogerien kauft und nicht darauf verzichten will. Yougov beziffert den Anteil bei 60 Prozent. Andere Anbieter setzen auf die Koexistenz von analogem und digitalem Handel. „Im Idealfall werden Online- und stationäre Modelle parallel und vernetzt funktionieren und gleichsam von den Kunden genutzt werden“, sagt Frank Harder, Geschäftsführer der Bünting-Tochter mytime.de.

Auch bei Edeka spricht man von einer „sinnvollen Ergänzung“ durch das neue digitale Angebot. Man wolle auf beide Vertriebskanäle setzen, sagt ein Unternehmenssprecher. Drubel allerdings sieht auch Vorteile in dem Modell des reinen digitalen Handels. „Es zeigt sich heute schon, dass es verschiedene Konzepte gibt, um an das Thema heranzugehen. Als reiner Online-Supermarkt können wir uns schnell und vor allem effizient den neuen Möglichkeiten durch Technologie und gesellschaftliche Entwicklung anpassen“, erklärt der Allyouneed-Fresh-Geschäftsführer.

Welche Strategie sich letztlich durchsetzen wird, hängt sicherlich von der Marktperformance der Teilnehmer ab. Zwar wollte keiner der Anbieter konkrete Zahlen preisgeben, doch wegen zusätzlicher Kosten durch Lieferung und Verpackung dürfte die Gewinnmarge der Anbieter schrumpfen. „Noch muss der Beweis erbracht werden, dass der Online-Handel mit frischen Lebensmitteln in Deutschland profitabel möglich ist“, heißt es von Edeka demensprechend.

Nur Drubel von Allyouneed Fresh stellt die These auf, dass der Lebensmittel-Onlinehandel insgesamt günstiger sei als der konventionelle Handel mit komplexen Lieferstrukturen und Filialbetrieben. Andere Anbieter halten sich in puncto Kosten eher bedeckt und verweisen zum Teil darauf, immerhin durch die Minimierung von Verpackung an Kosten zu sparen.

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Kosten sind für Kunden noch eine Hürde

Kommentare zu " Amazon Fresh und die Folgen: Das große Fressen im Onlinehandel"

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  • Also bei frischen Sachen ist das bei mit auch noch so - die kaufe ich vor Ort.

    Alles andere kommt seit fast zwei Jahren per Post von Vekoop.de und zum Teil auch von Mytime.de - (noch) nicht vom Amazon und Rewe liefert bei uns (noch) nicht. Wenn man sich einmal an die Onlinebestellung von Lebensmitteln gewöhnt hat, möchte man auch das nicht mehr missen.

    Ist wie bei Zalando oder Aboutyou vor 5 Jahren. Zuerst kann man sich das schwer vorstellen und kommen gute Preise und eine immer mehr wachsende Auswahl dazu und dann...

  • " Mit Amazon Fresh bringt der US-Riese seitdem in Berlin Wurst, Käse, Obst und vieles mehr an den Kunden."

    Wer sich diese Dinge per Post nach Hause bringen läßt, bekommt Ware, die entweder alt, verdorben oder sonstwie schleche Qualität ist.

    Ich will VOR dem Kauf sehen und selbst beurteilen, was bei mir ins Essen komm.t

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