Amazon gegen DHL und Hermes: Wenn der Onlinehändler zweimal klingelt

Amazon gegen DHL und Hermes
Wenn der Onlinehändler zweimal klingelt

Das Online-Kaufhaus Amazon will in Deutschland einen Zustellservice aufbauen, um unabhängiger von Paketdiensten wie DHL und Hermes zu werden. Denen schmeckt der Vorstoß des US-Warenhändlers überhaupt nicht.

DüsseldorfWovor die Paketdienste DHL/Deutsche Post und Hermes seit Monaten zittern, dürfte für sie nun zur Gewissheit werden. Das Online-Kaufhaus Amazon, in Deutschland für den Versand fast jedes siebten Pakets verantwortlich, will nach eigenen Angaben hierzulande einen eigenen Zustelldienst aufbauen. Die bisherigen Marktführer verlieren damit Umsätze ihres Großkunden.

Nach dem Vorbild bereits bestehender Auslieferungstöchter in den USA und Großbritannien war Amazon am 19. Oktober auch in Deutschland gestartet. Seither schickt der Internethändler im Münchener Raum rund 200 Fahrer auf Auslieferungstour. Beschäftigt sind sie bei sechs lokalen und regionalen Kurierdiensten. Eine 12.000 Quadratmeter große Halle bei Olching dient als Warenverteilzentrum.

Dabei soll es nicht bleiben, wie Bernd Schwenger, Director Amazon Logistics, der Fachzeitung DVZ anvertraute. „Zunächst werden wir andere Metropolen angehen und in Stadtnähe Verteilzentren aufbauen“, kündigte er an. Zudem will Amazon nicht allein auf externe Dienstleister vertrauen wie bisher. Es sei wichtig, sagte Schwenger, eigene Kapazitäten aufzubauen, bevor Engpässe entstünden. Im Sommer war der US-Konzern in die Klemme geraten, weil Fahrer der Deutschen Post wochenlang streikten. Das allerdings sei nicht der entscheidende Grund für den beabsichtigten Aufbau eines firmeneigenen Auslieferungsdienstes gewesen, sagte Schwenger im Interview. Es gehe dem Internetkaufhaus vor allem um die nötige Flexibilität.

Noch allerdings sei die Standortsuche schwierig. Amazon halte Ausschau nach passenden Logistikimmobilien im Umland der Großstädte. Werden die Amerikaner fündig, könnte dies den deutschen Zustellmarkt, in dem zuletzt schätzungsweise 2,8 Milliarden Endkundenpakete pro Jahr ausgeliefert wurden, heftig durcheinanderwirbeln.

Doch damit nicht genug. Gleichzeitig setzt Amazon seit dem Start des Weihnachtsgeschäfts auf sogenanntes Sameday-Delivery. Wer am Morgen bestellt, so lautet das Versprechen, soll das gewünschte Produkt noch am selben Tag erhalten – zwischen 18 und 21 Uhr, und das bislang in 14 Metropolregionen. Unterstützt werden die Amerikaner dabei – noch – von der Hamburger Otto-Tochter Hermes, die sich vergangenes Jahr bei einem darauf spezialisierten Kurierdienst eingekauft hat. Dass bei den jüngsten Kundenbefragungen nur 1,6 Prozent der Verbraucher Interesse an einer taggleichen Zustellung zeigten, stört in der Branche wenige. Mit Eifer arbeiten nahezu alle Versender und Paketdienste daran, sich von der Konkurrenz mit Hilfe ausgeklügelter Zusatzleistungen abzusetzen.

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