Amazon
„Ich sorge mich über sein offenes Klagen“

Bei Amazon brodelt es, seit Reporter berichten, wie Vorgesetzte dort Mitarbeiter unter Druck setzen. Konzerngründer Jeff Bezos ist irritiert. Ein anderer Manager spricht von „Halbwahrheiten“. Was ist die Wahrheit?
  • 1

HamburgHeftige Wortschlachten in Konferenzen an Feiertagen, ein Software-gestütztes Spitzelsystem, feste Quoten für Entlassungen: Die US-Tech-Szene diskutiert leidenschaftlich einen Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Amazon. Diesmal geht es nicht um die Versandzentren, sondern um die Büros, um Büroarbeiter und Manager.

Zwei erfahrene Redakteure der „New York Times“ haben für ihren Artikel nach eigenen Angaben über hundert Meinungen von derzeitigen und ehemaligen Angestellten von Amazon eingeholt. Sie beschreiben eine harte Firmenkultur – und Unterschiede zu anderen Tech-Firmen wie Google und Facebook. An der Oberfläche fehlt Amazon demnach der Wohlfühl-Faktor, um den sich die beiden Silicon-Valley-Riesen so demonstrativ bemühen: Kostenlose Restaurants auf dem Firmencampus und organisierte Freizeitangebote stünden bei Amazon nicht im Mittelpunkt. Stattdessen gebe es stundenlange Telefonkonferenzen an Feiertagen wie Ostern. Vor allem aber sei der Arbeitsalltag bei Amazon extrem wettbewerbsintensiv. Die Reporter beschreiben eine regelrechte Ellenbogenmentalität – gezielt gefördert durch die Grundsätze von Firmenchef Jeff Bezos.

Der reagierte in einer internen Nachricht, den die Website „Geekwire“ veröffentlichte, harsch auf den Artikel. „Ich glaube wirklich, dass jeder verrückt wäre, in einem Unternehmen zu bleiben, dass so ist wie die Ney York Times es beschreibt. Ich weiß, dass ich so ein Unternehmen verlassen würde.“

Dabei ist der lange Artikel nicht völlig vernichtend. Viele ehemalige Mitarbeiter werden zitiert, die bei Amazon wichtige Dinge für ihre Karriere gelernt haben. Andere betonen, dass sie die kompetitive Kultur viel mehr verinnerlicht hätten als gedacht – und sie durchaus positiv bewerten.

Die Kritik der Times lässt sich auf einen Nenner bringen: Amazon habe, so schreiben die Journalisten, feste Quoten von Mitarbeitern, die jedes Jahr gehen müssen, um frischen Talenten Platz zu machen. Dazu müssen diejenigen, die gefeuert werden, identifiziert werden. Amazon macht das in regelmäßigen Runden, in denen Führungskräfte mit ihren Vorgesetzen über die Untergebenen diskutieren.

Nach und nach verlassen dabei die unteren Chargen den Raum – wissend, dass nun über ihre Zukunft entschieden wird. Andere Konzerne wie IBM und Microsoft hätten ähnliche Systeme inzwischen aufgegeben, schreibt die New York Times.

Seite 1:

„Ich sorge mich über sein offenes Klagen“

Seite 2:

Weibliche Führungskräfte sind selten

Kommentare zu " Amazon: „Ich sorge mich über sein offenes Klagen“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Als langjähriger Amazon-Prime-Kunde freue ich mich über die Effizienz dieser tollen Firma.
    Unsere Wegduck-Versand-Amateure in Deutschland werdern voraussichtlich niemals den Service-Standard von Amazon erreichen, vor allem dann, wenn unsere mächtigen Gewerkschaften im Spiel sind.
    Trotz des gesteuerten Amazon-Bashings bleibt festzustellen, dass Amazon sehr anständige Löhne bezahlt und deswegen auch anständige Leistungen verlangen kann.
    Wenn man sich die nachlassenden Leistungen der Arbeitnehmer im deutschen Handel anschaut, versteht man als Amazon-Kunde nicht, wie sich solche Unternehmen langfristig im Markt halten können.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%