Amazon
Billig um jeden Preis

Monatelang kein Lohn

Leiharbeiter kamen bislang nur in Ausnahmefällen zum Einsatz. In diesem Jahr aber ist das anders. Bundesweit und im benachbarten Ausland suchen Zeitarbeitsfirmen mindestens 4000 Mitarbeiter, unter anderem für das Logistikzentrum in Graben bei Augsburg, wo es im vergangenen Jahr noch jede Menge Ärger gab. In ihrer Not wandten sich Amazon-Mitarbeiter sogar an die Kirche. Irgendwann wurde es Erwin Helmer zu bunt. Der Präses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) und Leiter der Betriebsseelsorgen verfasste einen offenen Brief an die örtliche Geschäftsführung von Amazon. Es gebe „beunruhigende Berichte von Arbeitnehmern“, ließ er sie darin wissen. Heute sagt er: „Man kann ja verstehen, dass vor Weihnachten viel los ist, aber es ist schon extrem, was die Menschen berichtet haben.“ Manche hätten sogar monatelang keinen Lohn erhalten.

Offensichtlich war die Personalabteilung angesichts der anschwellenden Zahl von Mitarbeitern schlicht überfordert. Das allerdings passt nicht zum Perfektionismus, den das Management ansonsten an den Tag legt. „Ich erwarte von einem seriösen Kaufmann, dass er weiß, wie viele Ressourcen er in der Personalabteilung braucht“, sagt Thomas Gürlebeck von ver.di. Der Kommentar von Amazon dazu: „Es ist unsere oberste Priorität, unseren Mitarbeitern ihre Gehälter immer rechtzeitig zu zahlen. Sollte es aus irgendeinem Grund zu Verzögerungen bei der Gehaltszahlung kommen, so arbeiten wir unverzüglich und schnell daran, dies zu korrigieren.“

In einem speziellen Internet-Blog von ver.di können die Beschäftigten ihre Sorgen und Nöte austauschen. Initiiert hat ihn Heiner Reimann. "Es zeigte sich, dass die meisten unter enormem Leistungsdruck stehen", sagt der Gewerkschafter. Und vor allem dort, wo es keine Betriebsräte gebe, mangele es nicht selten an Respekt gegenüber den Mitarbeitern. So würden etwa Überstunden oder Sonntagsarbeit oft kurzfristig angeordnet. „Wir haben kein Privatleben mehr“, beschwert sich etwa der Ehemann einer Packerin. Sein Hilferuf: „Wer hat Arbeit für meine Frau, die menschenwürdiger ist?“ Ralf Kleber, Amazons Geschäftsführer in Deutschland, sagt zu den Klagen: „Die direkte Kommunikation mit unseren Mitarbeitern ist uns sehr wichtig - auch wenn etwas mal nicht passt.“ Viele Veränderungen seien in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitervertretungen an allen Standorten entwickelt worden.

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