Amazon-Streik

„Wir sind hier nicht in Texas“

Das größte deutsche Versandlager des Online-Shoppingriesen Amazon wird bestreikt, tausend Mitarbeiter sollen die Arbeit niedergelegt haben. Das amerikanische Unternehmen verweigert ihnen einen Tarifvertrag.
Update: 17.06.2013 - 18:51 Uhr 5 Kommentare
Bad Hersfeld wurde bereits am 9. April bestreikt (Foto). Quelle: dpa

Bad Hersfeld wurde bereits am 9. April bestreikt (Foto).

(Foto: dpa)

Bad HersfeldMit dem ersten mehrtägigen Streik in den Amazon-Versandlagern in Leipzig und Bad Hersfeld erhöht die Gewerkschaft Verdi den Druck im Tarifstreit mit dem US-Versandriesen. Am Montag legten nach Gewerkschaftsangaben insgesamt mehr als 1000 Mitarbeiter an den beiden Standorten die Arbeit nieder. Amazon sprach dagegen von „weniger als 750 Mitarbeitern“, die nicht wie eingeplant zur Schicht erschienen seien. Die Mehrheit habe regulär gearbeitet. Am Dienstag soll weiter gestreikt werden.

„Die Stimmung ist gut. Die Kollegen wollen es jetzt wissen - und das ist auch richtig so“, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske in Leipzig. „Es muss Schluss sein damit, dass sie wie Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt werden.“ Für die Amazon-Mitarbeiter stehe ein Tarifvertrag wie im Einzel- und Versandhandel an. Bsirske: „Was nicht ansteht, ist Wild West wie in Texas. Wir sind hier nicht in Texas!“

Verdi ist nach Angaben von Gewerkschaftssekretär Thomas Schneider auf eine lange Auseinandersetzung eingestellt. „Was wir momentan hören, ist, dass Amazon sehr hart ist und sehr sturköpfig. Einen Langzeitstreik wollen wir nicht unbedingt, aber wenn es sich nicht vermeiden lässt, sind wir auch dazu bereit“, sagte Schneider in Leipzig. Verdi fordert für die Beschäftigten einen Tarifvertrag nach den Konditionen des Einzel- und Versandhandels mit höheren Löhnen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Nachtzuschlägen bereits ab 20.00 Uhr.

Das US-Unternehmen lehnt diese Forderungen ab und orientiert sich nach eigener Darstellung an der Bezahlung in der Logistikbranche. „Amazons Versandzentren sind Logistikunternehmen, die Kundenbestellungen ausführen. Es handelt sich hierbei um typische Aufgaben aus dem Logistikbereich, wie Lagerung, Verpackung und Versand von Artikeln“, teilte Amazon mit. Der Streik am Montag habe „keinerlei Auswirkungen auf den Versand an Kunden“ gehabt.

Am Standort Leipzig sind nach Angaben der Gewerkschaft rund 450 Mitarbeiter der Früh- und Spätschicht vor den Werkstoren geblieben. In Bad Hersfeld beteiligten sich laut Verdi bis zum Nachmittag rund 600 Kollegen an dem Streik. „Wir sind sehr zufrieden. Man muss bedenken, dass auch schon Urlaubszeit ist“, sagte Verdi-Sprecherin Mechthild Middeke. In Bad Hersfeld hat Amazon mehr als 3000 Mitarbeiter, in Leipzig sind es etwa 2000.

Amazon ist der weltgrößte Online-Versandhändler. Er hat in Deutschland acht Versandlager und rund 9000 Mitarbeiter. Ein neuntes Logistikzentrum soll 2013 im brandenburgischen Brieselang entstehen. Dort sollen langfristig 1000 Arbeitsplätze entstehen, kündigte das Unternehmen am Montag an.

  • dpa
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5 Kommentare zu "Amazon-Streik: „Wir sind hier nicht in Texas“"

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  • Recht haben Sie...denn selbst wenn 5000 Amazon Arbeiter nach Einzelhandelstarif bezahlt werden, bleiben noch mehrere Millionen Arbeitnehmer in Deutschland übrig welche weniger verdienen als bei Amazon aktuell.Wo bleibt da das Engagement der Gewerkschaften?
    Die Amazon Schelte durch Verdi ist gesteuert durch Mitbewerber und berührt nur einen Promillebereich des Arbeitsmarktes.Dazu trifft die Kritik noch nicht einmal den richtigen.

  • Wacht auf, liebe betroffene Arbeitnehmer und wehrt Euch endlich !

    Armselige LOBBYpolitik und menschenverachtende, kriminelle Machenschaften aus der Wirtschaft und Finanzen !

    Andererseits, wo ist das Rückrat der betroffenen Arbeitnehmer ?

    > Die Welt wird nicht bedroht von Menschen, die BÖSE sind, sondern von MENSCHEN, die das BÖSE zulassen <

  • Aber gerade Karstadt ist ein Beispiel - wie so oft - wie die Gier der Eigner den Konzern ruiniert, und keineswegs die Belegschaft. entsprechend muß da auch angesetzt werden.
    War es nicht Karstadt, dessen Immobilien dubius ausgegründet und zum Zwecke des eigenen Gewinnes zum Schaden des Konzernes vermietet wurde?

  • ...die nimmersatten Einpeitscher von Gewerkschafter wollen sicherlich den gleichen Weg wie bei Karstadt gehen, nämlich bis zum Ende, bzw. bis zur Pleite, dann haben die Dummköpfe auch keinen Arbeitsplatz mehr-bis auf die Gewerkschaftsfunktionäre.

  • Wenn wir bald die Freihandelszone mit den USA haben - gibts vielleicht gar keine Tarifverträge mehr! Das freut dann die Konzerneigner, die Reichen dieser Welt!

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