Amazon überarbeitet Bewertungssystem
Fünf Sterne reloaded

Der Online-Händler Amazon überarbeitet sein Bewertungssystem. Die Meinung der Kunden wird in Zukunft nach mehreren Kriterien gewichtet. Nicht jede Fünf-Sterne-Bewertung ist künftig noch fünf Sterne wert.
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DüsseldorfFünf Sterne, 200 Bewertungen: Es gibt keinen Grund, an dieser Digitalkamera zu zweifeln. Mit einem Klick landet sie im Amazon-Warenkorb – und wird bestellt. Wer die Kamera bewertet und ob derjenige sie wirklich gekauft und getestet hat, war bisher unklar. Die böse Überraschung mit dem Produkt war also auch bei fünf Sternen bei weitem nicht ausgeschlossen. Das will der Online-Händler nun ändern.

Das Bewertungssystem war bisher anfällig für Manipulationen. Auch Menschen, die das entsprechende Produkt gar nicht gekauft hatten, konnten eine Bewertung abgeben. Erst im April verklagte Amazon einen Website-Betreiber aus Kalifornien, der Händlern, die über Amazon verkaufen, gute Produktbewertungen gegen Geld angeboten haben soll. Gefälschte Bewertungen sind wohl eher die Regel als die ganz große Ausnahme.

Amazon will Abhilfe schaffen – und hat in den USA ein neues Bewertungssystem gestartet. Das berichtet die US-Technologie-Webseite „cnet“. Bisher hatte der Konzern schon Bewertungen von anderen Kunden auf ihre „Nützlichkeit“ hin einschätzen lassen. Die Bewertungen von Kunden, die das Produkt nachweislich über Amazon gekauft hatten, erhielten außerdem das Prädikat „Verifizierter Kauf“.

Doch nun hat sich der E-Commerce-Riese zu einem größeren Schritt entschlossen – und schafft die Gewichtung der Bewertungen nach dem Durchschnitt ab. Die Basis für das neue System bilden zwar weiterhin die Urteile der Kunden. Doch in Zukunft bewertet Amazon die Bewertungen selbst. Nicht jede Fünf-Sterne-Bewertung ist damit auch fünf Sterne wert. Neue Bewertungen, Bewertungen zu „verifizierten Käufen“ sowie als „nützlich“ eingeschätzte Bewertungen werden schwerer gewichtet und den Kunden auch weiter oben angezeigt.

Dabei setzt der Online-Händler auf künstliche Intelligenz: Das System soll lernen, welche Bewertungen für die Kunden besonders nützlich sind. Je länger es im Einsatz ist, desto besser soll es werden. Wann das System auch im deutschen Angebot von Amazon startet, ist noch unklar.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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