Amazon und die Streiks
Die eiserne Lady des Versandhandels

Seit Monaten bestreikt die Gewerkschaft Verdi Amazon. Doch der US-Versandhändler reagiert darauf nicht: Der Konzern liefert seine Pakete einfach weiter aus. Es ist nur ein Beispiel für die eiserne Macht des Unternehmens.
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DüsseldorfSie streiken und streiken und streiken: Seit Monaten ruft die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Mitarbeiter von Amazon zu Arbeitsniederlegungen auf – jetzt selbst kurz vor Weihnachten. Die Forderung: ein Tarifvertrag nach Einzelhandelsbedingungen. Doch während die Streiks bei Lokführern oder Piloten gleich ganz Deutschland lahm legen, merken die Amazon-Kunden von den Streiks wenig bis gar nichts.

Auch, weil der US-Konzern die fehlende Arbeitskraft leicht kompensieren kann: Allein für die Vorweihnachtszeit hat Amazon 10.000 zusätzliche Saisonarbeiter eingestellt – damit beschäftigt das Unternehmen derzeit sogar mehr Befristete als Festangestellte.

Doch die Ignoranz Amazons gegenüber den Streiks ist mehr als nur ein Aussitzen. Es ist Methode; eine Machtdemonstration, die längst nicht mehr nur die Mitarbeiter, sondern auch Zulieferer und Hersteller zu spüren bekommen. Amazon, die eiserne Lady des E-Commerce.

Am Beispiel der Streiks wird die Macht Amazons besonders deutlich. Seit mehr als einem Jahr legen deutsche Mitarbeiter immer wieder ihre Arbeit nieder, derzeit befinden sich fünf Standorte (Bad Hersfeld, Leipzig, Werne, Rheinberg, Graben) im Ausstand. In Graben soll das Logistikzentrum sogar bis zum 24. Dezember bestreikt werden. Verdi-Streikleiter Thomas Schneider sprach am Donnerstagmorgen von 2500 Mitarbeitern, die deutschlandweit die Arbeit niederlegten.

Die Reaktion Amazons? Gelassen. „Die Ausfälle sind nicht groß. Deshalb gilt auch weiterhin: Wir liefern pünktlich“, sagte Deutschland-Chef Ralf Kleber vor kurzem. Amazon verfügt in Europa über 28 Standorte. Man könne jederzeit auf die Streiks reagieren, hieß es weiter. Zudem arbeite die Mehrheit der Mitarbeiter ohnehin normal weiter.

Amazon kommt in diesem Zusammenhang auch zugute, dass zur Weihnachtszeit ohnehin 10.000 zusätzliche Zeitarbeiter aushelfen – als Stütze für die 9000 Festangestellten. Sprich: Selbst, wenn sich alle Vollzeitmitarbeiter im Streik befänden, könnte Amazon das normale Geschäft wohl überwiegend aufrechterhalten.

Es ist diese Macht, die Amazon auch in anderen Bereichen demonstriert. Im August stellten sich mehr als 900 US-Schriftsteller und mehr als 1000 deutschsprachige Autoren gegen das Amazon-Diktat und schrieben einen offenen Brief an Amazon-Chef Jeff Bezos. In dem Schreiben kritisierten sie, dass das Unternehmen die Schriftsteller „als Geiseln“ nehme. Der Versandhändler habe Empfehlungslisten manipuliert und längere Lieferzeiten angegeben, als tatsächlich vorhanden, um Verlage und Autoren bei Verhandlungen unter Druck zu setzen.

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Entsetzen über das, was Amazon sich leisten kann

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  • ich habe heute selbst zwei Pakete aus Graben bekommen. Eins davon hatte auf der Innenvepackung einen Aufkleber: Amazon fullfilment Poland. Vielen Dank, Amazon, und weiter so. Wer einen Einzelhandelstarif will, kann sich ja bei Karstadt oder Schlecker bewerben. Ich überlege mir gerade, mich bei A. zu bewerben. Dort sind anscheinend Profis beschäftigt, keine Leute vom Ponyhof.

  • ..erst der Hype wie toll doch Amazon sei..hofiert von der Politik..siehe Versandzentrum Leipzig und jetzt..oops der blanke Kapitalismus..Das ist ja´n Ding..Gibt es einen amerikanischen Konzern mit sozialistischen Zügen ? Ich kenn keinen..

  • Es ist eine Frechheit das Außenstehende, (in diesem Falle die Gewerkschaft)die selber, geschweige persönlich ein Risiko eingehen müssen bestimmen wollen wie ein Betrieb geführt werden muß, solange es mit dem geltenden Arbeitsgesetzen entspricht.

    Den Gewerkschaften geht es einzig und allein um höhere Einnahmen für ihren Verein.
    Höhere Löhne = höhere Beiträge in die Kassen und für die kruden „Forderungen“ und Erpressungen werden dritte in Geiselhaft genommen.

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