Amazon: Unterstützung vom Arbeitsamt

Amazon
Billig um jeden Preis

Unterstützung vom Arbeitsamt

Hire and fire in Deutschland? In der Tat: Wenn ein Arbeitnehmer als vorübergehende Aushilfe für maximal drei Monate eingestellt wird, kann er auch hierzulande von heute auf morgen entlassen werden. Darf der Arbeitnehmer länger bleiben und schließt sich dann noch eine sechsmonatige Probezeit an, verlängert sich die Kündigungsfrist zwar auf 14 Tage. Für den Konzern aber bedeutet diese Konstruktion, dass er neun Monate lang seine Mitarbeiter ohne Angabe von Gründen ganz leicht wieder loswerden kann.

Die Arbeitsagenturen muss ein solches Gebaren nicht interessieren. Sie sind froh um jeden, der aus ihrer Statistik verschwindet. So auch in Nordrhein-Westfalen, wo Amazon zwei Warenlager betreibt. Die Vermittler kamen dem Unternehmen sogar mit einer speziellen Förderung entgegen: den sogenannten Maßnahmen beim Arbeitgeber, im Amtsdeutsch kurz MAGs genannt.

Eine solche MAG dauert in der Regel zwei Wochen und hat für den Arbeitgeber den Vorteil, dass er in dieser Zeit die Personalkosten spart. Die vom Amt geschickten Arbeitslosen erhalten ihre Leistungen weiterhin von der Behörde. Das Unternehmen kann dann am Ende entscheiden, ob es den Bewerber einstellt - oder auch nicht. Amazon konnte davon im vergangenen Jahr in fast 3000 Fällen profitieren. Das geht aus einer Unterrichtung der Bundesagentur für Arbeit an den Ausschuss für Arbeit und Soziales des Deutschen Bundestages hervor.

70 bis 90 Prozent der Probearbeiter seien in NRW übernommen worden, heißt es bei der Arbeitsagentur. Viele aber nur befristet und manchmal nur für wenige Wochen. Für viele war spätestens Ende Januar Schluss, als das Weihnachtsgeschäft verebbt war. Zwei Drittel aller Beschäftigten sollen bei Amazon nur befristet beschäftigt sein. Genaue Zahlen darüber gibt das Unternehmen nicht preis.

Die arbeitgeberfreundliche Praxis der Behörde erregte viel Kritik. Auch Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider war empört. So vermochte er nicht einzusehen, dass hier eine „öffentliche Förderung stattfindet, die in vielen Fällen keinen nachhaltigen Erfolg aufweist“. Er warnt vor allem vor den Mitnahmeeffekten, also davor, dass besonders dreiste Arbeitgeber dieses Instrument womöglich missbrauchen. Damit trifft er ins Schwarze. In der Tat zeigen sich auch die Chefs anderer Unternehmen irritiert. Zwar will sich niemand dazu öffentlich äußern. Aber alle beklagen den unfairen Wettbewerb. Dadurch seien langfristig gesicherte Arbeitsplätze für gute und qualifizierte Leute bedroht.

Kommentare zu " Amazon: Billig um jeden Preis"

Alle Kommentare
  • Hallo @ geht mir auch so,

    Mit Textilien waren wir immer schon heikel. Mein Mann hat den Niedergang der Textilindustrie noch hautnah als Betriebsrat mit erlebt.

    Leider kommt man auch als kritischer Kunde diesem Globalisierungswahn nicht mehr so einfach aus. Mir scheint, vermehrt fehlt sogar jedes „made in“-Etikett an Textilien? Außerdem wird das „made in“ eh mehr als großzügig ausgelegt. Was der Kunde nicht weiß / wissen darf, kann er schwer meiden.

    Das höchste, was mir bisher unterkam: „designed in Germany, made in Bangladesh“. Erste Worte groß und deutlich, „made in“ dafür winzig klein, weit darunter. Markenlabel, und kein billiges. Auch ein höherer Preis sichert absolut keine besseren Qualitäten mehr.

    Ich vertrage (und mag) keine Kunstfasern in den Klamotten. Egal wie die sich nennen, egal wie viel davon. Baumwolle muss gerade relativ teuer sein, daher z. Zt. vermehrt Kunstfaser überall? Erschwert mir den Einkauf, verzichte ich darauf. Behalte lieber meine alten Klamotten. Die haben noch haltbare Nähte, richtige Knöpfe, solide eingekettelte Knopflöcher, waschbares Garn, ohne sich aufzulösen. Keinen Stoff-knausernden, daher oft leicht schrägen Zuschnitt, kein Elasthan damit man nicht so exakt auf Größe arbeiten muss? Oder dehnt sich das Zeug mit uns, damit wir uns das Fast-Food unbemerkter reinziehen können? Um dann den JoJo-Effekt mit der nächsten, teuren Diät an zu kurbeln?

    Als Kunde droht doch inzwischen ein regelrechter Hindernislauf beim Einkauf: Ohren-schädigende Werbebeschallung, schreiende Plakatierung (SALE wenn ich schon lese, brr..), evtl. (so es sie noch gibt) aufdringliche Verkäufer (die mit Umsatzbeteiligung ihr eher dürftiges Gehalt aufstocken müssen). Ob ich heute trotzdem einmal über die Strecke komme, ohne mich manipuliert oder übelst über den Tisch gezogen fühlen zu müssen?

    Haben heuer 5 x entspannende Theater- und Konzertkarten im Weihnachts-Programm :-)

  • @ holyowly,

    das mit den Ladengeschäften kommt erst langsam wieder. Jedenfalls bei uns in der ländlichen Gegend. In den Städten treten sich demnächst die Marken-Artikler gegenseitig auf die Füße, so viele neue Einkaufszentren, die dort entstehen sollen :-). Bei den Gewerbemieten dort zocken die Immobilien-Bereicherer mehr als reichlich ab. Inhaber geführte Läden können sich diese Mieten in den Städten inzwischen meistens gar nicht mehr leisten.

    Insofern finde sich, sind eigene Web-Shops eine gute Alternative. Wenn da diese per Gesetz zugelassenen / geduldeten Abmahn-Risiken nicht lauerten.

    Ich jedenfalls habe eBay nach 10 nur positiven Jahren als Käufer, nach der neu geplanten Zahlungsabwicklung (noch 2 zusätzliche Mitverdiener an EINEM Geschäft), nachhaltig Tschüß gesagt. Die Bewertungen dort sind noch halbwegs verwertbar, wenn man sich einen Verkäufer außerhalb von eBay sucht. 5 alte Lieferanten, 3 neue habe ich inzwischen so im eigenen Shop wiedergefunden. Die neuen: sehr nette, kundenfreundliche Kontakte, prompte Lieferung, nix zu mäkeln. Shops sind inzwischen auch außerhalb von eBay bewertbar, oft genug sogar für den Endkunden nachvollziehbarer als auf eBay (Auftrags-gebunden). Wenn diese Händler klug sind, läuft der Shop ohne eBay-Gebühren, die dort an den Endkunden weitergegeben wurden / aufgrund der Höhe werden mussten. eBay wird nur noch für Großhändler taugen, so wie ich deren erklärten Willen verstehe. Das Risiko der Vorauskasse trug ich auf eBay auch, weil ich partout nicht auch noch PayPal mit durchfüttern wollte.

    Das ehrenwerte Amazon hat mir einmal am Versandtag abgebucht, ehe die Ware im Hause sein konnte. Darunter verstehe ich dann Vorauskasse, nicht Lastschriftverfahren. Vorauskasse wird von vielen Online-Händlern mit hübschem Skonto für den Kunden verzinst. Und Kunden, die einige Male pünktlich bezahlen, werden meist auch mit Lieferung auf Rechnung belohnt. Finde ich fair, mache ich (bis zu einer bestimmten Summe) auch mit.

  • @Sylvia: geht mir auch so!
    Irgendwie verliert man die Lust am Konsum. Wenn ich C&A sehe, dann sehe ich irgendwelche erschöpften Näherinnen vor meinem geistigen Auge. H&M, Amazon etc. irgendwie beginnt sich immer mehr ein Widerstand zu bilden, der sich direkt auf den Konsum niederschlägt.
    Geht vielen Leuten, die ich kenne, auch so. Wenn ich gefragt werde, was willst du, dann bevorzuge ich ein Konzert oder eine Aktivität, mit Freunden oder Familie.

    Das Konsumverhalten vieler Leute beginnt sich deutlich zu ändern, weil es einfach zuviele dieser Ausbeuterbetriebe gibt. Alternativen dazu sind deutlich der Trend der Zukunft. Wie zB die Schneiderin/Modedesignerin, die hier 300 m weg wohnt und individuelle Stücke macht zu einem etwas teureren Preis, aber dafür ist es geschmackvoll individuell und nicht in jeder europäischen Kleinstadt zu kaufen.

  • @ Hermann.Bohle,

    "Deren Erzeugnis meide ich seitdem und bis heute."

    Beim ehemals ins Gerede gekommenem Kalbfleisch halte ich den Streik seit gut 30 Jahren durch. Das war noch einfach, schmeckte mir eh weniger. Andere Produkte folgten. Aber ... langsam wird das Einkaufen doch recht anstrengend, so als nur relativ gut informierte, etwas kritischere Einkäuferin. Die NICHT den billigsten Lieferanten, das billigste Produkt immer für das Beste hält.

    In letzter Zeit fällt mir zusätzlich auf, dass ich zunehmend "Marken", speziell Global-Player-Produkte, als preislich völlig überzogen und abgehoben empfinde. Von Einkaufsfreude meinerseits kann da inzwischen tatsächlich immer weniger die Rede sein. Wenn ich wenigstens erwarten könnte, dass ich für mehr Geld auch bessere Ware bekäme. Njet, nix mehr, eher steigen die Dividenden mit den Verkaufspreisen.

    Außerdem schlägt mir vermehrt auf's Gemüt, wie viele Stationen sich inzwischen an EINEM Stück Ware ihr möglichst leistungsloses Einkommen zu sichern belieben. Mit meinem, dem EINEM, von mir ganz real zu erarbeitendem Endverkaufs-Preis! Der wirkliche Hersteller, der letztendliche Dienstleister (an den eine Delegation der Delegation delegiert wird) erhält a) immer weniger vom Kuchen und ist b) an tunlichst allen Reklamationen schuld. Wenn man nicht umgehend gleich von der Unfähigkeit der Kunden spricht, ein ach so solides Produkt entsprechend einem rohen Ei zu handeln.

    Das wäre bei mir jetzt ein lukratives Feld für das zunehmend aggressiver werdende "Marketing". Allerdings, auch dagegen soll ein, - inzwischen zum nackten Konsumenten degradierter KUNDE, - der jegliches Vertrauen verloren hat, noch nachhaltige Resistenzen entwickeln können ;-) ...

    Aus meiner Sicht: ich sehe tiefschwarz für so manches sich immer größer fressendes, visionäres, innen hohles "Geschäftsmodell". Weil es dabei den noch zahlen sollenden KUNDEN völlig aus den Augen verliert.

  • Wenn Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen würden, dann dürfte in den Wirtscaftsmedien auch die Fachkräftelüge nicht weiter verbreitet werden. Denn es gibt Fachkräfte zu einem angemessenem Preis. Alles andere ist Gejammere und hat hier nichts zu suchen!

  • ....und immer schön auf dem Rücken der Schwächsten, den Preiskampf ausfechten, so wie bei anderen Unternehmen auch.

    Aber es gibt immer zwei die daran beteiligt sind, einer der es macht und ein andere der es mit sich machen lässt.

    So lange keiner seine Verantwortung übernimmt wird es wohl ewig so weiter gehen, da hilft auch kein Jammern.

  • Jeder kriegt was er verdient.
    Naivität ablegen und mit Amazon "hart" verhandeln.
    Amazon ist auf Leute angewiesen. Ohne geht es nicht... das ist ein Ansatzpunkt.
    Angst ablegen und sich zusammentun.
    Eigene Gewohnheiten hinterfragen: Wann habe ich mich ehrenamtlich für etwas größeres eingesetzt und wann saß ich bequem in meiner Komfortzone.
    Der Schwachpunt sovieler Deutscher ist doch, dass sie mutlos sind. Und die eigene Bequemlichkeit wird damit erkauft, dass man sich andernorts versklaven lässt.
    Druck vom Arbeitsamt... Arbeitsämter braucht man nicht. Weder deren monetäre Leistungen noch deren Auflagen.
    Warum stiftet einer der rausfliegt nicht andere an etwas zu ändern? Warum hängt man lieber vor der Glotze oder kümmert sich um den nächsten Konsumwunsch?
    Industrien und deren Zweck hinterfragen... Thoreau lesen...etwas wagen. Revolution fängt im kleinen an.

    Tröstlich ist: Ist der Leidendruck endlich groß genug... wird etwas passieren. Glaubt mir. Gewohnheiten kann man in drei Wochen ändern.

    Kaleu (verzichtet gerade den 5. Tag auf Schokolade und fühlt sich seit drei brutalen Tagen...nun schon sehr viel freier und voller Energie...!)

  • @ Weihnachten,

    "Dann zahle ich halt ein bisschen mehr"

    Solange Sie sich das leisten können. Wer mit Geld seit mindestens 10 Jahren immer knapper gehalten wird, KANN oft nur noch billig(st) kaufen. So er überhaupt noch Bock auf Kaufen hat bzw. haben wird demnächst ...

    Wobei teurer kaufen heutzutage ja nicht einmal mehr sagt, dass man da etwa bessere Qualität dafür bekäme.

    Klar, nun tut sich für den Binnenmarkt ein ganz, ganz tiefer Graben auf. Wer Personal vorhält für echten Service (der in unserer Finanz-AG eh schon im tiefsten Koma liegt) KANN diesen allseits staats-gepäppelten Giganten schwerlich Paroli bieten, gar dafür unter seinen Realkosten verkaufen (müssen). Das geht idR. nicht lange gut, dann droht Realwirtschaftlern die ganz reale, ehrlich verdiente Pleite.

    Die Konsumenten, die noch Geld verdienen (dürfen!), wären m. M. gut beraten, als zahlende Kunden JETZT endlich angemessen zu reagieren. Ehe sich die Geiz-ist-geil-Misere bei den Löhnen, - mit reger Unterstützung von Staat, Gemeinden und Gewerkschaften, - auch zu ihren eigenen, evtl. noch relativ gut dotierten Arbeitsplätzen durch zu fressen beginnt.

    Ich verzichte auch seit Monaten auf die "vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit Amazon und eBay. Das geht. Ware, die ich heute bestelle, brauche ich ja nicht gestern im Haus. So viel Planung traue ich mir glatt noch zu. Jedenfalls halte ich das so, solange ich mir diesen "Luxus" einer freien Wahl noch leisten kann. Wer per Rechnung bezahlt, geht damit ja auch kein Risiko ein. Alternativ Abbuchung zuverlässig NACH Wareneingang.

    Ansonsten verärgert mich die Lage inzwischen so, dass ich auf Konsum immer mehr verzichte. Etwas schenken, das tu' ich halt noch zu gerne. Aus verärgertem, vertieftem Trotz ist aber auch das abstellbar, keine Frage.

    Volkswirtschaftlich betrachtet ist mir diese derzeitige Art des "Wirtschaftens", - mit all den negativen Folgen für uns laufend zwangsverhaftete Staatsbürgen, - viel zu teuer geworden. => Abschreiben, basta!

  • Es ist der Konsument, der so etwas zulässt. Hier wird über das böse Amazon geschimpft, aber auch dort kann man bei kleinen Händlern kaufen, die auch selbst versenden. Jeder von uns hat die Möglichkeit die Monopolisten zu meiden und den Einzelhandel zu stärken. Das trifft auch auch Einkäufe bei eBay zu. Dort verkaufen im Normalfall kleinere Händler, die evtl. auch vor Ort einen Laden haben. DIESE Leute sollten unterstützt werden, aber neee - das wird nicht gemacht.

    Lediglich Lippenbekenntnisse sind die Beschwerden hier. Wenn ich zur Post gehe, dann sehe ich was ich davon zu halten habe: Berge von Rücksendungspaketen zu Amazon und Zalando, aber...wo kommen die denn her, wenn da gar keiner kauft???

  • Ich habe soeben mein AMAZON-Konto anulliert. Bei "Sowas" kauft man nicht. Vor Jahrzehnten ging die Information durch die Presse, ein deutscher Hersteller von Kaffeemschinen-Filtern behandle die Mitarbeiter schlecht. Deren Erzeugnis meide ich seitdem und bis heute. Wenn im AMAZON-Fall möglichst viele es mir nachmachten, wäre das wunderbar. Auch für APPLE-Ware, eventuell produziert in Chinas Gefängnissen, zahle ich keinen Cent. Die Menge der Beispiele lässt sich mühelos verlängern, etwa nach dem entsetzlichen Brand in der Textilfabrik in Bangladesch. Käufer im Kapitalismus, vereinigt Euch - ruft NEIN, STORNIERT und sortiert! Es gibt auch Firmen, die es verdienen, dass wir ihre Kunden sind oder werden. Denn nicht der Kapitalismus ist schlecht - nur der Missbrauch, seine Profiteure gehören endlich an die Kandare des Staates und an die Pranger der Welt. Die Sozialmarktwirtschaftler der Freiburger Schule wissen das seit eh und je. EUCKEN gehört auf jeden Weihnachtsgabentisch. Bitte in Kurzfassung. Um Missverständnisse zu vermeiden. Ich bin kein später Bolschewik, sondern CDU-Mitglied seit Jahrzehnten. Trotzdem sei daran erinnert: LENIN schrieb 1917 (sinngemäss, gekürzt zitiert): Das beste Ruhekissen für alle Missbrauchsünder des Kapitalismus sei das demokratische System. Wie die 800 Mio. € für den deutschen Insolvenzverwalter der Lehman-Tochter (HB v. heute) zeigen, stimmt das immer noch. Die Leninlektüre sei den Damen und Herren des Deutschen Bundestags empfohlen, sofern sie noch die Soziale Marktwirtschaft wollen. Wenn es so weiter geht werden wir die auch noch los, und das wäre bedauerlich. "Die Leute" fangen an, es "satt" zu sein.

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