Amazons Goldesel Werner Vogels
Dieser Mann bringt Jeff Bezos die Milliarden

Werner Vogels ist Doktor der Informatik und ehemaliger Forscher. Als Technikchef des Onlinehändlers Amazon hat er Cloud Computing mit erfunden. Für Konzernchef Jeff Bezos ist er der wichtigste Profitbringer.

Ein kalter, verregneter Samstagabend im Herbst. Nicht gerade das Wetter zum Ausgehen. Also lieber ein gemütlicher Fernsehabend daheim und die letzten Folgen des Washingtoner Politikdramas „House of Cards“ schauen. Wenn sich Zehntausende Zuschauer auf einmal für die Netflix-Serie entscheiden, bedeutet das für die Server, auf denen die Folgen liegen, eine enorme Belastung. Nichts wäre ärgerlicher, als wenn Schauspieler Kevin Spacey in seiner Rolle als intriganter Politiker Frank Underwood ins Stottern geriete, weil nicht genügend Rechner schnell genug die Daten zum Kunden schicken.

Bisher hat das Videoportal auch unter dem größten Andrang nicht geschwächelt. Verantwortlich dafür ist Werner Vogels – der gar kein Netflix-Manager ist, sondern der Cheftechniker (CTO) von Amazon. Auf dessen Server stehen all die Spielfilme, Serien und Dokumentationen für die Zuschauer bereit. Unbemerkt von vielen ist der Onlinehändler zum wichtigsten Anbieter von Cloud Computing geworden, dem Bereitstellen von Rechenkapazität und Anwendungen via Internet. „Amazons Marktanteil ist größer als die der nächsten Wettbewerber Microsoft, Google und IBM zusammen“, sagt John Dinsdale, Chefanalyst der US-Marktforschung Synergy Research Group.

Zu den Kunden der Amazon Web Services (AWS) zählen Marken wie Shell, Coca-Cola, BMW, Pfizer, Unilever und selbst Banken wie Capital One mit ihren sensiblen Daten. Auch viele Internetfirmen wie der Musikdienst Spotify, das soziale Netzwerk Pinterest und der Bettenvermittler Airbnb lassen sich von Amazons Datenwolke das Betreiben von Serverparks abnehmen. „AWS ist die Wachstumsstory des Jahrzehnts“, meint Deutsche-Bank-Analyst Karl Keirstead.

Herr der weltweit 84 Rechenzentren mit mehr als fünf Millionen Servern ist der gebürtige Niederländer Vogels. Der Doktor der Informatik und ehemalige Forscher ist das technische Hirn von AWS. Und längst der weltweit gefragteste Experte für den Boommarkt Cloud Computing.

Vor allem aber ist er gemeinsam mit Andy Jassy, der die AWS-Sparte offiziell führt und sich um das Kaufmännische kümmert, zur Geldmaschine für Jeff Bezos geworden, Chef und Gründer der Internetikone Amazon. 52 Prozent der 521 Millionen Dollar Betriebsergebnis im vergangenen Quartal erwirtschaftete ganz allein AWS. Obwohl der Bereich nur für acht Prozent des Gesamtumsatzes von rund 26 Milliarden Dollar stand.

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