AMC geht für 200 Millionen Euro ans Management
Tui baut Billigflugangebot aus

Der Aufsichtsrat des weltgrößten Reisekonzerns Tui hat bei seiner Sitzung im sonnigen Palma de Mallorca den Ausbau des Engagements im Billigflugbereich beschlossen und dazu noch den Verkauf der britischen Handelstochter AMC für rund 200 Millionen Euro an deren Management abgesegnet. Derweil schwelen weiter die Gerüchte um eine mögliche Übernahme durch Ex-Tchibo-Aktionär Günter Herz.

HB HANNOVER. Zum Sommer 2004 sollen zwei zusätzliche Maschinen angeschafft werden, die unter dem Dach der Britannia nach dem klassischen Billigflug-Modell arbeiten sollen, sagte eine Tui-Sprecherin am Montagabend in Hannover. Die Flotte wird damit auf 34 Maschinen ausgebaut. Das gesamte Geschäftsmodell von Britannia werde sich künftig stark an den Low-Cost-Strukturen der Billigfluggesellschaften orientieren und diese mit dem klassischen Charterfluggeschäft der Reiseveranstalter verbinden. Künftig werde Tui in Großbritannien bei Städteverbindungen mit anderen Billigfluglinien konkurrieren.

Unter welchen Markennamen der britische Billigflieger an den Start gehen wird, ließ die Tui zunächst offen. Tui ist bereits auf dem deutschen Markt mit dem Billigflieger Hapag-Lloyd Express (hlx) aktiv. Die vor rund einem Jahr gestartete Tochter hatte die Tui- Erwartungen übertroffen und war schneller als geplant gewachsen. Sie wird allerdings voraussichtlich frühestens Ende 2004 schwarze Zahlen schreiben.

Laut Unternehmenskreisen verhandelt Tui zudem mit der skandinavischen Billigfluglinie Sterling um eine mögliche Übernahme. Diese Verhandlungen seien aber noch nicht entscheidungsreif, hieß es.

Zudem beschloss der Tui-Aufsichtsrat, noch in diesem Jahr die britische Handelstochter AMC für rund 200 Mill. € an deren Management zu verkaufen. 2002 hatte AMC einen Umsatz von 2,4 Mrd. € erzielt. Der operative Gewinn lag 2002 bei 26 Mill. €, 25 % weniger als im Vorjahr. Das Unternehmen werde künftig von 50 bis 60 leitenden Managern unter Führung des bisherigen Chefs Harold Sher weitergeführt. Der Erlös soll nach früheren Tui-Angaben wie bereits frühere Verkäufe von Industrietöchtern zum Abbau der im Zuge des Umbaus zum Touristikkonzern entstandenen Schulden genutzt werden. Die Finanzverbindlichkeiten des Konzerns betragen derzeit rund 3,5 Mrd. €.

Die Aktien des europäischen Touristikmarktführers setzten am Montag ihre zuletzt von Übernahmespekulationen angefachten Kursgewinne fort. Händler erklärten dies mit weiter virulenten Übernahmefantasien. Schließlich stehe der Tui-Anteil der WestLB weiter zum Verkauf, hieß es. Außerdem hofften einige Anleger, es könnte im Zusammenhang mit der Aufsichtsratssitzung des Konzerns am Montag neue, positive Nachrichten zum Geschäftsverlauf des Reisekonzerns geben. Am Mittwoch hält Europas größter Reiseveranstalter eine Analystenkonferenz ab.

Die Tui-Papiere verteuerten sich am Montag bei starken Umsätzen um 1,8 %, seit Mitte August haben die Papiere fast 30 % an Wert gewonnen.

„Es gibt eine Reihe von Dingen, die bei Tui diskutiert werden“, sagte ein Händler. So setzten einige auf Abwehrmaßnahmen des Unternehmens gegen eine viel diskutierte feindliche Übernahme. Vorige Woche war spekuliert worden, der Ex-Tchibo-Aktionär Günter Herz könnten der WestLB den zum Verkauf anstehenden 31-Prozent-Anteil an Tui abkaufen und die ganze Firma übernehmen. Am Freitag hatte Herz ein Interesse dementiert. „Offenbar spielen einige Anleger immer noch die Übernahmegeschichte, trotz des Dementis“, sagte ein Frankfurter Händler.

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