American Airlines
Insolvenz als letzte Chance

Die drittgrößte US-Fluggesellschaft meldet Gläubigerschutz an. Der Flugbetrieb soll jedoch weitergehen. An der New Yorker Börse wurde der Handel mit der ohnehin stark gefallenen Unternehmensaktie ausgesetzt.
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New YorkDie drittgrößte US-Fluggesellschaft American Airlines hat nach hohen Verlusten Insolvenz angemeldet. Der Mutterkonzern AMR und mehrere Tochterfirmen beantragten am Dienstag Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts. Wie die Gesellschaft erklärte, läuft der Flugbetrieb aber normal weiter. Ziel des Schritts ist es, sich von Schulden zu befreien, um wieder durchstarten zu können.

Die Aktionäre der Fluggesellschaft sind ohnehin bereits arg gebeutelt. Gerüchte um einen Konkurs kursierten seit Monaten, die Aktie fiel um fast 80 Prozent in diesem Jahr. An der New York Stock Exchange wurde der Handel mit dem Papier gestern ausgesetzt.

American Airlines plagt sich seit langem mit hohen Verlusten. Alleine in den ersten neun Monaten diesen Jahres war ein Minus von unterm Strich 884 Millionen Dollar angefallen. Der Fluglinie machen die hohen Spritkosten und die scharfe Konkurrenz zu schaffen. Zudem liegt American Airlines mit den Mitarbeitern über deren Bezahlung im Clinch.

Ein neuer Mann an der Spitze soll nun das Ruder herumreißen: Thomas Horton folgt Gerard Arpey nach, wie American Airlines am Firmensitz in Fort Worth erklärte. „Das ist ein schwieriges Geschäft“, räumte der frisch gekürte Firmenchef ein.

Noch ist unklar, welche langfristigen Auswirkungen die Insolvenz haben wird. American Airlines ist Teil des Luftfahrtbündnisses Oneworld, dem Air Berlin 2012 beitreten will. Die Insolvenz des Partners American Airlines löst bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft aber keine Unruhe aus. „Für die Zusammenarbeit hat die Beantragung des Gläubigerschutzes keine Auswirkungen“, sagte Air-Berlin-Sprecher Uwe Berlinghoff. Passagiere fliegen mit Air Berlin zu den American-Drehkreuzen wie Miami und New York und dann innerhalb Nordamerikas weiter mit der US-Airline. Die drittgrößte amerikanische Fluggesellschaft hatte angekündigt, dass ihre Maschinen normal weiterfliegen.

Anfang Oktober hatte die Aktie der drittgrößten amerikanischen Fluggesellschaft eine Achterbahnfahrt hingelegt. Als die Gerüchte über eine drohende Insolvenz im Markt waren, verloren die Papiere der Muttergesellschaft um ganze 33 Prozent, um einen Tag später wieder um 15 Prozent zuzulegen. Dem Konzern war es damals kurzzeitig gelungen, Gerüchte über eine drohende Insolvenz zu entkräften.

Damals sagte der Konzern, dass ein vom Gericht beaufsichtigtes Restrukturierungsverfahren " sicherlich nicht unser Ziel oder unsere bevorzugte Option" sei. "Wir wissen, dass wir unser Ergebnis verbessern müssen, und wir konzentrieren uns stark darauf, das zu erreichen." Ende September hatte AMR 4,2 Milliarden Dollar Cash-Reserven, weniger als die 5,1 Milliarden Dollar Ende Juni und nur halb so viel wie Branchenführer United Continental.

Schon damals waren Analysten zwar skeptisch, sagten aber, eine Insolvenz stehe nicht unmittelbar bevor. Die Konjunktureintrübung in den USA deutlich hat American Airlines schwer getroffen. Die Fluggesellschaft habe es selbst in einem relativ guten wirtschaftlichen Umfeld nicht geschafft, profitabel zu sein.
AMR ist als Nummer drei der Branche in einer schwierigen Lage. Das Unternehmen hat es schwer, gegen die größeren Konkurrenten United Continental und Delta anzukämpfen. Und von unten bekommt AMR Druck von Billig-Airlines, mit deren Preisen AMR nicht mithalten kann.

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  • Die Meldung bestätigt wieder einmal, dass Luftverkehrsgesellschaften - mit wenigen, bekannten Ausnahmen - selten dauerhaft profitabel sind. Einer der Gründe scheint das Beharren vieler Staaten auf einer eigenen, nationalen Fluglinie zu sein.

    De US Fluglinien nutzen - das kann man ihnen nicht vorwerfen - die Vorteile des US Insolvenzrechts. Die Erfahrung zeigt, dass in Not geratene US Fluglinien ihre günstigeren Kostenstrukturen (nach einer Insolvenz) oder direkten Hilfen (nach den Terroranschlägen) für eine internationale Expansion nutzen - zum wirtschaftlichen Schaden z.B. der europäischen Fluglinien. Damit trägt das US Insolvenzrecht gleich zweifach zur Misere der Industrie bei: Es verhindert Marktbereinigungen in den USA, und es subventioniert einen Preiskampf, der Fluglinien außerhalb der USA in Mitleidenschaft zieht.

    Interessanterweise finden Fluglinien trotz aller bekannter Probleme immer wieder Gläubiger und Aktionäre, die bereit sind, in das Geschäftsmodell zu investieren.


  • Dann schauen Sie mal zu den Rockefellers und den Rothschilds dieser Welt. Desweiteren haben eigentlich alle Schulden bei den Großbanken. Und da die wahrscheinlich nie mehr diese Mange an Schulden zurück bekommen werden, heißt das: Systemcrash. Eigentlich ist es nur noch eine Frage der Zeit.
    Das Hauptproblem in unserem Finanz- und Wirtschaftssystem ist der Zins und Zinseszins. Und solange das System nach diesen Regeln funktioniert, kommt immer unausweichlich einmal der Gau. Man sagt, so ca. alle 100 Jahre.

  • nein.. das geht nur in der USA ;) ..dort ist alles möglich. ..selbst ein Kredit für ein Haus obwohl du Arbeitslos bist und kein Eigenkapital verfügst.

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