Amerikanisches Kapital schielt auf die traditionelle Leidenschaft aller Chinesen: das Glücksspiel
US-Konzerne planen Las Vegas in China

Der amerikanische Spielkasino-Konzern Las Vegas Sands Corp. entdeckt China als Wachstumsmarkt für Zocker. Zusammen mit den US-Hotelgiganten Intercontinental Hotels Group, Four Seasons Hotels und Marriott International plant Sands für zwölf Mrd. Dollar einen Vergnügungspark im Spielerparadies Macao an Chinas Südküste.

PEKING/DÜSSELDORF. „Was Asien braucht ist ein asiatisches Las Vegas“, sagte Ende vergangener Woche zu Sands-Chairman Sheldon Adelson in Macao. Dort stellte er die erste Phase des Entwicklungsplans vor: Investitionen von 1,8 Mrd. Dollar, darunter sieben Kasino-Hotels. Die ehemalige portugiesische Kolonie Macao wurde Ende 1999 als Sonderverwaltungs-Region (SVR) in die Volksrepublik China eingegliedert. Der Kasinomarkt, ehedem ein Tummelplatz der chinesischen Mafia wurde liberalisiert. Seitdem entwickelt sich Macao zum Las Vegas Asiens. Schon heute strömen täglich zehntausende Chinesen aus der Volksrepublik zum Zocken nach Macao. Die Roten Mandarine haben in ihrem Reich das Glücksspiel verboten.

Auf rund vier Mrd. Dollar schätzen Analysten in Las Vegas den Kasinomarkt in Macao. In Las Vegas lagen die Brutto-Spielumsätze im vergangenen Jahr doppelt so hoch. Der legale Glücksspielmarkt in Asien dürfte bis 2007 auf 24 (2004: 13) Mrd. Dollar wachsen, schätzt Jonathan Galaviz, Spielmarkt-Analyst von der Marktforschungsfirma Galaviz, Ong & Co. in Las Vegas. Dann könnte Macao auch der Wüstenstadt Las Vegas den Rang als globaler Marktführer streitig machen.

Die Marktperspektiven spiegeln Chinas dynamische Wirtschaftsentwicklung wider. Seit Jahren die größte Boom-Ökonomie der Weltwirtschaft, entwickelt sich in der chinesischen Gesellschaft von 1,3 Milliarden Menschen allmählich eine Mittelschicht, die über ein wachsendes freies Einkommen verfügt. Dieses Geld steht für den Tourismus ins Ausland und für das Glücksspiel, eine alte Leidenschaft aller Chinesen, zur Verfügung.

In den expandierenden Glücksspielmarkt in Asien will jetzt auch der autoritär regierte Stadtstaat Singapur einsteigen. Die Singapurer Regierung, die sich selbst gern als Hüter der so genannten „Asiatischen Werte“ sieht, will den Kasinomarkt legalisieren. Schließlich blüht der Wohlstandstourismus gut betuchter Chinesen aus Südostasien nach Macao schon seit Jahrzehnten.

Zum Zentrum des geplanten Hotel- und Kasinoparks in Macao soll der Cotal-Strip, eine Landzunge von der Größe zweier Fußballstadien, die zwei kleine Macao-Inseln verbindet, entwickelt werden. Das Hotel-Konsortium um Sands and Marriott, den größten Hotelkonzern der USA, will dort sieben bis zehn Kasino-Hotels mit rund 60 000 Betten errichten. Die Verweildauer der Touristen aus dem Ausland soll deutlich gesteigert werden. Derzeit bleiben die Besucher im Schnitt lediglich ein bis zwei Tage in Macao.

Allein Sands will eine Nachbildung seines Flaggschiff-Hotels und -Kasinos „Venetian“ in Las Vegas in Macao mit 3 000 Suiten errichten. Im Mai 2004 eröffnete das 240 Mill. Dollar teure Sands Macau, das erste Kasino in ausländischem Eigentum, nachdem die chinesische Enklave vor drei Jahren die Gesetze für ausländische Investoren im Glücksspielmarkt liberalisiert hat.

„Das Marktpotenzial für Macao ist noch lange nicht ausgeschöpft“, glaubt Eric Wong, Regionalanalyst bei UBS Securities Asia in Hongkong, „die Spieler-Touristen müssten nur eine Nacht länger bleiben“. Bis 2007 könnten mehr als zwanzig neue Kasinos den Spielbetrieb aufnehmen, schätzt Manuel Joaquim das Neves, Direktor des Macau Gaming Control Board. Derzeit machen die Steuereinnahmen aus dem Glückspiel schon ein Drittel der Wirtschaftsleistung Macaos aus.

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