Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer: „Fokus auf die richtigen Dinge ist unglaublich wichtig“

Amorelie-Gründerin Lea-Sophie Cramer
„Fokus auf die richtigen Dinge ist unglaublich wichtig“

Der Erotikversandhändler Amorelie legt beim Umsatz stetig zu. Lea-Sophie Cramer, Gründerin des Start-ups, über Beweggründe, Strategien, Marktchancen und inwieweit bei Groupon gesammelte Erfahrungen helfen.
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Lea-Sophie Cramer hat mit nicht einmal 30 Jahren als Unternehmerin schon einiges erreicht. Mit 23 steigt sie nach BWL-Studium und Station bei der Boston Consulting Group in Japan zur Co-Chefin der Gutscheinplattform Groupon auf. Ende 2012 gründet sie mit Sebastian Pollok den Erotikversand Amorelie. Und gilt in der Gründerszene als Vorbild, nicht nur für Gründerinnen.

Frau Cramer, fanden sich Erotik-Stores vorwiegend in Bahnhofsnähe, heute laufen die Werbespots für Ihren Erotikversand im Nachmittagsprogramm. Ist das ein Wandel raus der „Schmuddelecke“ oder ist Amorelie schon vom Konzept anders positioniert?
Amorelie ist aufgrund des Konzepts schon anders positioniert. Viele Menschen wollen nicht in die klassischen Erotikshops gehen. Sie fühlen sich dort beobachtet, unwohl und mögen die Produktauswahl nicht. Die Zielgruppe der traditionellen Händler gehört einer männerdominierten Nische an. Wir sprechen den modernen Mainstream an. Mein Mitgründer Sebastian Pollok und ich kommen sozusagen aus unserer Zielgruppe heraus und haben uns überlegt was uns bisher gefehlt hat. So sprechen wir Kunden an, die sich vorher vielleicht nicht mit dem Thema Lovetoys und Co. beschäftigt haben. Daher haben wir bei der Konzeption unseres Onlineshops sehr auf das Design geachtet: von natürlich wirkenden Models bis hin zu einer farben- und lebensfrohen Grafik, die eher an einen Mode und Lifestyle-Shop erinnert. Zudem versuchen wir unseren Neulingen den Einstieg zu erleichtern, indem wir durch unsere Produktbeschreibungen, die Produktvideos, den Toyfinder, die Top 10 Listen und unsere Kundenhotline Hilfestellung bieten.

Früher gab es Tupper-Partys, heute Informationsabende für Spielzeuge. Ist der Boom der Branche mit einem gesellschaftlichen Wandel verbunden? Ist die Lust endgültig enttabuisiert?
Ich glaube man kann noch nicht von der „enttabuisierten Lust“ sprechen, aber wir sind auf einem guten Weg dorthin. Und gerade so Serien wie „Sex and the City“ oder Bücher wie „Fifty Shades of Grey“ haben dazu beigetragen, dass das Thema Sex offener diskutiert wird und sich Partner über ihre Wünsche und Bedürfnisse austauschen.

Welche Markenbotschaft will Amorelie, auch mit der aktuellen Kampagne, vermitteln?
Erotik ist ein Thema, das sich auf unendlich viele unterschiedliche Weisen erzählen lässt. Und wir haben uns für eine Haltung entschieden, die leidenschaftlich, sinnlich und verspielt ist. Wir wollen die Phantasie des Betrachters inspirieren. Das hat den Vorteil, dass wir damit Kunden erreichen, die sich von den bisherigen Klischees der Erotikindustrie nicht angesprochen fühlen. Und ein positiver Nebeneffekt ist, dass wir z.B. unsere Spots problemlos auf allen Sendeplätzen zeigen können. Die Kampagne hat zudem auch ein klares Aktivierungsziel. Viele potenzielle Kunden haben unbewusst Skrupel, ob es okay ist, solche Produkte zu kaufen. Wir zeigen ihnen, dass es völlig in Ordnung ist, auch einmal etwas Neues zu probieren und erotisches Spielzeug zu kaufen.

Wie kommt man letztlich auf die Idee, einen Erotikversand zu gründen? Ist das eine Bauchentscheidung oder rationale Analyse?
Es waren einige Faktoren, die zusammengespielt haben. Wir haben den Shades of Grey-Boom mit Erstaunen verfolgt und fanden aber, dass es keinen passenden „Ort“ gab, um sich über die passende Produkte zu informieren und diese zu kaufen. Außerdem wusste ich aus meiner Zeit bei Groupon, dass sich Designvibratoren sehr gut verkaufen. Dasselbe haben wir bei anderen Plattformen, wie z.B. Shoppingclubs beobachtet und so kam uns die Idee zu Amorelie. Natürlich haben wir uns dann den Markt angeguckt, analysiert, mit Investoren und Partnern gesprochen und genau überlegt, ob die Idee wirklich umsetzbar ist. Ein Glück standen die Zeichen auf Grün.

Sie haben bei Groupon Erfahrungen im Start-up-Bereich sammeln können. Hilft das in der aktuellen Lage weiter?
Auf jeden Fall. Ich habe viel durch meine Zeit bei Groupon gelernt. Zum einen wie wichtig die operative Umsetzung neben der guten Idee ist. Es ist langfristig vor allem das wie, was über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Starkes Priorisieren gehörte ebenfalls dazu – gerade im Management oder als Gründer hat man 100 Bälle in der Luft, meistens sind es aber nur neun, die wirklich essentiell sind. Der Fokus auf die richtigen Dinge ist unglaublich wichtig. Und schließlich habe ich den ganzen Bereich Verkauf dort auf jeden Fall wesentlich besser schätzen gelernt. Mit einem riesigen Vertriebsapparat muss auch jeder Manager verkaufen können, also selbst Sales und Deals machen.

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