Analyse des Schlecker-Urteils
Warum die Kinder härter bestraft wurden

Das Urteil hatte viele Beobachter überrascht: Haft für die Schlecker-Kinder, Bewährung für den Firmenpatriarchen. Welcher Vorwurf den Kindern zum Verhängnis wurde – und wo die Revision ansetzen könnte. Eine Analyse.
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StuttgartViele haben sich beim Schlecker-Urteil erst einmal die Augen gerieben. Der Patriarch Anton Schlecker, der in seinem Drogeriereich immer das letzte Wort hatte, kommt mit zwei Jahren auf Bewährung plus 54.000 Euro Strafe davon. Seine Kinder Lars und Meike erhalten dagegen Haftstrafen von zwei Jahren neun Monaten sowie zwei Jahren und acht Monaten. Hinter dem Urteil verbergen sich höhere Strafbemessungsmathematik, gewisse Ermessensspielräume und bei den Kindern vor allem der Untreue-Vorwurf. Diesen besonders schwerwiegenden Verurteilungsgrund gibt es nur bei den Kindern, nicht bei Anton Schlecker.

Anton Schlecker

Der Richter sah bei Anton Schlecker nicht das Motiv „Gewinnsucht“, das bei vorsätzlichem Bankrott für den „besonders schweren Fall“ gegeben sein muss. Dadurch verringerte sich das maximale Strafmaß von zehn auf fünf Jahre für einfachen Bankrott.

In einem zweiten Schritt rechnete der Richter die Wiedergutmachungsbemühungen an. Die Familie hatte 2013 an den Insolvenzverwalter 10,1 Millionen gezahlt und kurz vor Prozessende noch einmal vier Millionen Euro. Der Richter muss das in seinem Urteil berücksichtigen. Er tat dies, indem er die Maximalstrafe um ein Fünftel auf 3,9 Jahre verringerte. Wegen der Rechtsform „eingetragener Kaufmann“ haftet Anton Schlecker mit seinem gesamten Privatvermögen.

Wiederum entscheidend für das Strafmaß ist der strafrechtlich relevante Schaden. Um diesen zu bemessen, musste der Zeitpunkt bestimmt werden, ab dem die Angeklagten wussten, dass die Zahlungsunfähigkeit droht. Ab diesem Zeitpunkt sind Vermögensübertragungen nicht mehr zulässig, da sie den Gläubigern zustehen.

Das Gericht entschied sich hier für den 1. Februar 2011, nach Eingang einer Betriebsauswertung für das Jahr 2010,  also ein Jahr vor der Insolvenz. Einige Taten entfielen damit. 

Dennoch schaffte der Angeklagte Anton Schlecker nach Überzeugung der Kammer Vermögenswerte in Höhe von insgesamt rund 3,6 Millionen Euro beiseite, um diese dem Zugriff der Gläubiger zu entziehen und seiner Familie zukommen zu lassen.

Als Beispiele nannte der Richter etwa Zahlungen überhöhter Stundensätze an die faktisch von seinen Kindern geführte Logistikfirma LDG oder Geldgeschenke an seine Enkelkinder.

Beim tatsächlichen Strafmaß ist die größte Einzeltat entscheidend. Das waren Logistikverträge mit der LDG zu einem überhöhten Stundensatz von 28,50  Euro. Hier war der Einzelschaden ab dem 1. Februar 2011 über 1,2 Millionen Euro.

Bei einer Einzeltat mit einem Schaden von über einer Million wäre eigentlich keine Bewährungsstrafe möglich gewesen. Doch der Richter berücksichtigte die geringe Überschreitung der Millionenschwelle und das Alter des Angeklagten. Strafmildernd wirkte auch, dass Schlecker keine Steuern hinterzogen und auch kein Vermögen ins Ausland geschafft hatte – unterm Strich zwei Jahre.

Darüber hinaus gab es noch 20 weitere Einzeltaten, die aber jeweils unter sechs Monaten zur Folge gehabt hätten. Hier nutzte der Richter seinen Ermessensspielraum und verhängte eine Geldstrafe. Der Richter war also bei der Strafbemessung eher milde, weshalb bislang nicht absehbar ist, dass Anton Schlecker in Revision geht.

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Ein verhängnisvoller Vorwurf

Kommentare zu " Analyse des Schlecker-Urteils: Warum die Kinder härter bestraft wurden"

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  • Wer hier wohl der bestimmende Gesellschafter war ? Vielleicht ist das kurze Absitzen des Fehlurteiles für die Unschuldigen das Beste.

  • Mich überzeugt das nicht. Dass ein Gericht die beiden Kinder als "faktische Gechäftsführer" der LDG bezeichnet, obwohl sie nur deren Geselllschafter waren, ist sehr zweifelhaft, wenn man bedenkt, dass ihr einziger Kunde das Unternehmen ihres Vaters war. Sollte da nicht vielmehr der Vater "faktischer Geschäftsführer" gewesen sein?

    Zur Ausarbeitung einer Strategie für die Revision steht Herr Caruso gerne der Verteidigung zur Verfügung!

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