Analyse
Finanzspritze hält LTU künstlich am Leben

Die Kerosinrechnung erklimmt immer neue Höhen. Gleichzeitig sind die Ticketpreise ins Bodenlose gefallen. Außerdem greifen die Billigflieger nun auch verstärkt Urlaubsziele am Mittelmeer an. Im Ergebnis heißt das für klassische Ferienflieger wie LTU: Der Winter wird noch härter als sonst.

DÜSSELDORF. Wie vor vier Jahren, als eine 100 Millionen Euro schwere Rettungsbürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen die Pleite verhinderte, kann sich das Unternehmen auch heute wieder auf Hilfe verlassen. Der Kölner Handelskonzern Rewe, der 40 Prozent der LTU-Anteile hält, hat gemeinsam mit der Deutschen Bank eine Refinanzierung beschlossen, die der seit Jahren defizitären Fluglinie wieder Luft verschaffen soll. Spekuliert wird über eine Finanzspritze von 200 Millionen Euro, zu der Rewe ein Fünftel beisteuern soll. Weil aber der LTU kein Flugzeug mehr gehört, wird Rewe der Deutschen Bank entsprechende Sicherheiten bieten müssen.

Mit dem frischen Kapital will das Unternehmen jene Kredite ablösen, die durch die Bürgschaft des Landes abgesichert sind. Hierdurch würde sich die LTU aus den Fängen der EU-Kommission befreien, die das Rettungspaket seinerzeit nur unter strengen Auflagen gewährt hatte.

Das Ja zur erneuten finanziellen Unterstützung dürfte dem neuen Rewe-Chef Achim Egner nicht leicht gefallen sein. Er hat bislang die Frage noch nicht beantwortet, ob die LTU-Beteiligung auch in Zukunft zum Kerngeschäft von Rewe zählen wird. Das spricht Bände – nicht nur über das Desinteresse des seit Jahren einzigen strategischen Investors, sondern auch über die Perspektiven der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft.

Der Fall LTU dient als Lehrstück für den Niedergang einer bekannten Marke. 1955 unter dem Namen „Lufttransport Union“ gegründet, vereint der Ferienpionier längst alle Krankheiten traditionell operierender Carrier, die den Kampf gegen effizient operierende Billigflieger so schwer machen.

So definieren sich die Düsseldorfer in der globalen Flugbranche bis heute als „Home-Carrier“ Nordrhein-Westfalens – mit entsprechend verkrusteten Strukturen. Der Personalaufwand ist trotz diverser Restrukturierungen immer noch zu hoch, die strategische Ausrichtung unklar. Klassische Urlaubsflüge sind im Angebot, aber auch Langstrecken für New-York-Geschäftsreisende sowie neuerdings europäische Städteverbindungen, die preislich bisweilen sogar unter den Sonderangeboten von Air Berlin oder Germanwings liegen.

Der Erfolg der Diversifizierung von „Business“ bis „Billig“ fällt bescheiden aus: Das Ziel, 2004 wieder schwarze Zahlen zu erreichen, wurde klar verfehlt und auf 2006 verschoben. Auch die neuerliche Kapitalspritze ist nur auf den ersten Blick ein Befreiungsschlag. Mit einem erheblichen Teil des Geldes werden die bislang durch das Land besicherten Schulden der LTU schlicht auf die Deutsche Bank umgeschichtet. Die strukturellen Probleme bleiben indes ungelöst.

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