Analyse zum neuen Millionen-Verlust
Air Berlin wird zum Kunstflieger

Wieder weniger Umsatz und ein noch größeres Minus: Air Berlin legt ein Katastrophen-Quartal hin. Der neue Chef Stefan Pichler hält die Airline dennoch in der Luft. Dabei ist kaum noch Geld in der Kasse. Eine Analyse.
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DüsseldorfStefan Pichler, seit Februar Chef von Air Berlin, macht den angeschlagenen Lufthansa-Verfolger zum Kunstflieger. Der 57-jährige Airline-Spitzenmanager hält Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft in der Luft, obwohl diese inzwischen mit einem Drittel ihrer Bilanzsumme überschuldet ist.

Auch die katastrophalen Quartalsergebnisse, die Pichler am Mittwochabend vorlegte, lassen ihn nicht an einer Weiterführungs-Perspektive für Air Berlin zweifeln. „Ich bin überzeugt, dass Air Berlin mit den eingeleiteten Maßnahmen zur Effizienzsteigerung gut aufgestellt ist“, erklärte er. Das Risiko, sich später einmal wegen Insolvenzverschleppung vor Gericht verantworten zu müssen, sieht er nicht.

Dabei ist eine Besserung bei der Airline, die in den vergangenen sieben Jahren nur einmal einen Gewinn ausweisen konnte, bislang kaum absehbar. Der Umsatz sackte im jüngsten Quartal um sieben Prozent ab auf 1,07 Milliarden Euro, der Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) verdoppelte sich auf 16 Millionen Euro. Nicht einmal die gefallenen Kerosinkosten konnten das Ergebnis aufhellen.

Die Aktie setzte den vor vier Jahren eingeleiteten Tiefflug deshalb fort und verlor zeitweise mehr als vier Prozent.

„Wir werden mit der Restrukturierung in der zweiten Jahreshälfte beginnen“, versprach Pichler jetzt. Dann werde er noch einmal das Netz überarbeiten und entscheiden, welche Flugrouten gestrichen werden. Zudem will er sich von Piloten trennen, die nach dem Verkauf mehrerer Flugzeuge nun unterbeschäftigt sind. Sie hätten die Option, zum Großaktionär Etihad zu wechseln, sagte er. Etihad besitzt seit 2011 knapp 30 Prozent an Air Berlin und sichert der Gesellschaft seit Jahren mit Finanzspritzen den Flugbetrieb.

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