Analysten erwarten für den Essener Warenhaus- und Versandkonzern erstmals Betriebsverlust
Karstadt-Zahlen beunruhigen Aufsichtsrat

Europas größter Warenhaus- und Versandkonzern hat im abgelaufenen Geschäftsjahr wahrscheinlich operativ rote Zahlen geschrieben. Im Aufsichtsrat der Karstadt-Quelle AG rumort es jetzt. „Viele Mitglieder betrachten die aktuelle Entwicklung mit Sorge“, berichtet ein Firmenaufseher. Alles werde diskutiert, sagt er, um das Ruder wieder herumzuwerfen. Radikale Schritte würden aber vor allem von der Arbeitgeberseite blockiert.

DÜSSELDORF. Die Sorge ist nicht unbegründet. Europas größtem Warenhaus- und Versandkonzern droht zum ersten Mal seit seiner Fusion vor fünf Jahren ein operativer Verlust. „Bereinigt rechnen wir für 2003 beim Ertrag vor Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebta) mit einem Minus von 40 Mill. Euro“, schreibt die Frankfurter Commerzbank in einem aktuellen Bericht im Anschluss an die jüngsten Umsatzmeldungen aus Essen. In seinem Jahresabschluss werde der Konzern nur deshalb über der Nulllinie liegen, weil Karstadt mehrere außerordentliche Erträge in Höhe von 225 Mill. Euro hinzurechne, die vor allem aus Immobiliengeschäften stammen. Ein Sprecher von Karstadt-Quelle wollte den drohenden Verlust weder bestätigen noch ausschließen. Zahlen werde man, so hieß es, erst am 23. März vorlegen.

Sollte das Handelshaus in zwei Monaten die negativen Ertragszahlen für 2003 bestätigen, wäre das ein Schock. Im Frühjahr noch hatte der im Börsensegment MDax gelistete Konzern ein Ebta von 250 Mill. Euro versprochen, im November aber eingeräumt, das Ziel wohl bis zum Jahresende nicht mehr zu erreichen.

Auch Börsenexperten verlieren das Vertrauen in das Handelshaus. Vergangene Woche senkte Volker Bosse von der Hypo-Vereinsbank das Kursziel von 20 auf 18 Euro. Christoph Rehbach von HSBC Trinkaus & Burkhardt reduzierte die Gewinnerwartungen drastisch.

Beim Essener Konzern knirscht es an allen Ecken und Enden. Dass der Umsatz im vergangenen Jahr mit 3,5 % deutlich stärker zurückging als im gesamten deutschen Einzelhandel, der vermutlich rund 1 % verloren hat, ist dabei nicht einmal die schlimmste Hiobsbotschaft. „Das Kerngeschäft des Konzerns hat einen enormen Restrukturierungsbedarf“, glaubt Commerzbank-Analyst Markus Bär.

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