Anbieter wie Delta und Continental stecken auch im ersten Quartal tief in den roten Zahlen
Bei den US-Fluggesellschaften bleibt die Wende aus

Die großen amerikanischen Fluggesellschaften fallen hinter der Konkurrenz weiter zurück: Während die Branche weltweit Besserung auf dem Markt spürt, kommen die „Big Six“ der US-Luftfahrt auch im ersten Quartal nicht aus den roten Zahlen. Zu ihnen gehören American Airlines, United Airlines, Delta, Continental, Northwest und US Airways.

DÜSSELDORF. Heute eröffnet Delta, die drittgrößte US-Fluglinie, die Runde der Ergebnisse für das erste Quartal 2004. „So viel ist sicher: Allein weil die Treibstoffpreise auf Rekordniveau liegen, wird der Verlust höher liegen als zunächst erwartet“, prophezeit August Cole, Luftmarkt-Analyst bei CBS Market Watch. Alle Analysten hätten in den vergangenen Wochen ihre Verlustschätzungen kräftig heraufgesetzt.

Bereits im März hatte das Delta- Management seine Verlustschätzung für das erste Quartal von ursprünglich 300 bis 350 Mill. auf 400 Mill. $ deutlich angehoben. Die Dimension dieser Zahlen wird im Vergleich zu 2003 deutlich: Im gesamten vergangenen Jahr lag der Verlust des amerikanischen Unternehmens bei 773 Mill. $.

Finanzexperten betrachten die Entwicklung von Delta skeptisch: Vor einer Woche stufte Fitch das Kreditrating des Unternehmens von B auf CCC+ herunter: „Die Aussicht bleibt negativ“, hieß es. Die Abstrafung unterstreicht den wachsenden Zweifel des Kapitalmarktes an der Fähigkeit des Managements, die hohen Personalkosten bei den Piloten schnell genug senken zu können. Mit der Senkung soll im nächsten Jahr eine Liquiditätskrise vermieden werden.

Die Konkurrenten der Delta stehen nicht besser da. Bei Continental, die 2003 noch einen Mini-Gewinn von 38 Mill. $ erwirtschaftete, erwarten Analysten ebenfalls einen Quartalsverlust. Die Partnergesellschaft der Lufthansa in der Star Alliance dürfte im ersten Quartal mit etwa 700 Mill. $ noch tiefer in die roten Zahlen rutschen.

Konkurrent US Airways, der am 4. Mai der Star Alliance als 17. Mitglied beitreten wird, erhielt jüngst von seinen Gläubigern eine Gnadenfrist, um dem sicheren Bankrott zu entgehen. Der US- und Weltmarktführer American Airlines, US-Partner von British Airways im Serviceverbund Oneworld, erreichte im März zwar eine Rekordauslastung, bleibt aber noch deutlich in den roten Zahlen: Im Jahr 2003 fiel ein Verlust von 1,2 Mrd. $ an, und auch im ersten Quartal 2004 dürfte der Konzern ein Minus verbuchen.

„Amerikas führende Fluggesellschaften haben die Sanierung ihrer Struktur noch nicht bewältigt“, analysiert Ulrich Horstmann, Luftfahrt- Experte bei der Bayerischen Landesbank. „Sie haben ihr ,Sonnen- schein-Geschäftsmodell’ noch nicht den brutalen Bedingungen des US- Binnenmarktes angepasst“, beschreibt er die die Gründe für die Misere. Vor allem beiße sich das Management an den starken Pilotengewerkschaften die Zähne aus.

Im Mutterland der Billigflieger, die sich inzwischen in den USA einen Marktanteil von 30 % gesichert haben, könnten einige der großen Anbieter nur wegen der Chapter-11-Regelung überleben, gibt sich Horstmann überzeugt. United genießt noch diese Spezialität des US-Insolvenzrechts, die den Konzernen Gläubigerschutz garantiert. US Airways wurde erst kürzlich daraus entlassen.

Ohne diesen Schutz des Staates, der die „dringend notwendige Marktbereinigung“ verhindere, könnten „wahrscheinlich nur vier der Big Six überleben“, glaubt Horstmann. Die Manager der stark unterkapitalisierten Fluglinien wollen eine Pleite vermeiden und suchen die Rettung in striktem Kostenabbau. Die Folgen müssten viele Kunden abschrecken: überaltetes Fluggerät und mangelhafter Service.

Mit diesem Leistungsprofil dürfte es den US-Langstreckenanbietern schwer fallen, vom derzeitigen Boom auf der Nordatlantikroute mit zweistelligen Wachstumsraten genauso stark zu profitieren wie ihre europäischen Partner. Zudem dürften die amerikanischen Fluggesellschaften unter dem „diffusen Negative-Image leiden, bevorzugtes Ziel der Terroristen“ zu sein, vermutet ein Unternehmensberater aus der Branche.

Ein finanzstarker Investor, Victor Li aus der Hongkonger Milliardärsfamilie, hat sich aus der nordamerikanischen Luftfahrtbranche wieder verabschiedet. Er hat seine Zusage über 650 Mill. kan. $ an Air Canada – unter Gläubigerschutz stehender Partner der Lufthansa – zurückgezogen. Grund: Frucht vor der Macht der Gewerkschaften.

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