Anbieter wie LVMH, Richemont und Armani stehen vor einer neuen Wachstumsphase
Luxuskonzerne blicken wieder optimistischer in die Zukunft

Nach einer Durststrecke von mehr als zwei Jahren blicken die Hersteller von Luxusgütern wieder optimistischer in die Zukunft. In diesem Jahr dürfte die weltweite Nachfrage für Prêt-a-Porter-Mode, edle Taschen, Parfum, Schmuck und Uhren um rund fünf Prozent auf etwa 134 Mrd. Euro zulegen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Beratungsfirma Bain im Auftrag der italienischen Branchenvereinigung Altagamma.

HB MAILAND. Der Analyse zufolge wird das Wachstum in erster Linie von einer robusten Nachfrage in den USA und in Asien getrieben. Die allgemeinen Konjunkturschwäche in Europa führt dazu, das dieser nach wie vor wichtige Luxus-Markt wohl weiter stagnieren wird. Der alte Kontinent bleibt mit einem Anteil von 34 Prozent an den weltweiten Verkäufen vor den USA (31 Prozent) und Japan (16 Prozent) die wichtigste Region für die Glamour-Branche.

„Der Aufschwung ist da. Die Daten zeigen sogar, dass es selbst in den letzten Jahren effektiv keine Krise gab – lediglich eine Verlangsamung des Wachstums“, sagte der Generalsekretär der Altagamma, Armando Branchini. Rechnet man den Effekt des gegenüber Dollar und Yen starken Euros heraus, haben die Modehäuser 2003 ihre Verkaufserlöse um vier Prozent gesteigert – mit den Währungseffekten war der Umsatz um vier Prozent gesunken.

Von 1998 bis 2000 konnten die Luxuskonzerne – von LVMH (u.a. Chanel, Dior) über Armani bis zu Gucci und Zegna – ihre kumulierten Umsätze allerdings noch um den Faktor vier steigern. „Mit diesen Raten ist es mittelfristig vorbei. Die Unternehmen werden sich auf eine Größenordnung von fünf oder sechs Prozent jährlich einstellen müssen“, sagt Claudia D’Arpizio, Partnerin von Bain. Der Markt reife zunehmend, der Konsument werde kritischer, er achte stärker als in der Vergangenheit auf Nutzen und Qualität der Luxusgüter. Infolgedessen müssen die Firmen stärker ihre Kosten unter Kontrolle halten, ohne an der Qualität zu sparen. Die verschwenderischen 90er Jahre sind in jedem Falle vorbei. Als Trend haben die Marktforscher die zunehmende Bedeutung von Marken in jenen Produktgruppen, die bislang noch nicht stark „gebranded“ waren, ausgemacht. Dazu zählen Schmuck, Unterwäsche und Möbel.

Als neue Märkte haben die Experten China und Russland ausgemacht. Zahlreiche Luxuskonzerne haben in den beiden Ländern massiv investiert. So betreibt der Herrenschneider Ermenegildo Zegna 50 Geschäfte im Reich der Mitte, Giorgio Armani hat vor wenigen Monaten eine Großoffensive angekündigt, Louis Vuitton will bis Jahresende über 13 Shops in China haben. D’Arpizio von Bain weist aber auf das noch äußerst niedrige Niveau hin, von dem aus die Geschäfte in China starten: „Im vergangenen Jahr sind dort Waren für vielleicht 400 Mill. Dollar verkauft worden, das ist noch nicht mehr als in der Stadt Mailand.“

Im Vergleich dazu rollt in Russland der Rubel. Moskau spiele mit Jahresumsätzen zwischen zwei und vier Mrd. Dollar für die Branche eine gleich große Rolle wie die Welthauptstadt des Shoppings, New York. Zunehmend geben auch in den europäischen Metropolen russische Reisende viel Geld für Luxus aus. 2003 hat der durchschnittliche russische Tourist in Italien 1 300 Euro für Luxusgüter ausgeben – genauso viel wie der durchschnittliche japanische Tourist. Und der galt bislang als bester Kunde in den teuren Einkaufsstraßen der Metropolen.

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