Andrew Jennings
Ein neuer Mr. Karstadt

Andrew Jennings soll nach Informationen aus Branchenkreisen Thomas Fox ablösen, der seit der Insolvenz im letzten Jahr die Sanierung von Karstadt leitet. Mit dem Ex-Woolworths-Direktor übernimmt ein Unbekannter die Leitung des Warenhauses.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. Er spricht kaum Deutsch, ist 62 Jahre alt und hat fast überall gearbeitet – nur nicht in Deutschland: Andrew Jennings, bis Ende 2009 Exekutivdirektor des SB-Warenhausbetreibers Woolworths im südafrikanischen Kapstadt, soll zum Jahreswechsel die Leitung der Essener Warenhauskette Karstadt übernehmen.

Der gebürtige Brite löst nach Handelsblatt-Informationen aus Branchenkreisen zum Jahresbeginn Interims-Geschäftsführer Thomas Fox ab und wird Karstadt-CEO. Ein Sprecher von Karstadt wollte die Personalien indes nicht bestätigen. Wie das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, hat Jennings den Vertrag noch nicht unterschrieben. Zudem muss das Aufsichtsgremium der Bestellung am 16. Dezember noch zustimmen.

Vermutlich wird Fox nun als Chief Operating Officer die Restrukturierung bei Karstadt vorantreiben. Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, verlässt Fox wie geplant das Unternehmen. Mit der Nachfolge von Fox, der seit der Insolvenz im Juni 2009 die Sanierung von Karstadt leitet, wollte sich das Unternehmen ursprünglich bis Herbst nächsten Jahres Zeit lassen. Erst letzte Woche hatte der 53-Jährige zudem verkündet, den Konzern zurück in die schwarzen Zahlen geführt zu haben.

Die bevorstehende Berufung überraschte am Freitag selbst gut informierte Manager von Karstadt. In der Branche hatte man damit gerechnet, dass der seit wenigen Tagen amtierende Aufsichtsratsvorsitzende Alain Caparros die Suche nach dem neuen CEO leiten würde.

In der deutschen Handelsbranche ist Karstadts designierter Chef ein Unbekannter. Nicht einmal Vermittlungsexperten wie der Personalberater Stefano Sorice hörten bislang den Namen Andrew Jennings: „Frisches Blut kann der deutschen Kaufhausszene und Karstadt nicht schaden“, sagte Sorice.

Die Karriere startete der hochgewachsene Manager beim britischen Warenhaus Debenhams in London. Ende der 70er-Jahre wechselte er zum ersten Mal nach Südafrika, und zwar ins Management der Kaufhauskette Greatermans. Später übernahm er leitende Funktionen bei Harrods in London und dem Wettbewerber House of Fraser.

Vor seinem Wechsel zu Woolworths 2006 war Jennings Präsident und Vorstandschef von Saks Fifth Avenue in New York. Die US-Metropole ist auch Firmensitz der Berggruen Holdings, die im September 2010 nach langem Tauziehen Karstadt für 70 Mio. Euro erwarb.

Der reaktivierte Pensionär gilt allerdings im Umgang als schwierig. „Er ist der schwierigste Mann, mit dem ich je gearbeitet habe“, zitiert das „Manager Magazin“ den Woolworths-Vizevorsitzenden Simon Susman, 60.

Der neue Job für den rund drei Mrd. Euro Umsatz schweren Warenhauskonzern dürfte dem Briten einen deutlichen Vergütungssprung bescheren. Bei Woolworths verdiente er zuletzt – aufs Gesamtjahr hochgerechnet – 800 000 Euro. Den Chefs von Karstadt waren zuletzt fast zwei Mio. Euro gezahlt worden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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