Anfang Oktober droht Lizenentzug
Berlusconi sieht Alitalia „kurz vor dem Aus“

Die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia steht nach Angaben von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi kurz vor dem Aus. Für den Regierungschef wäre das eine empfindliche Schlappe: Er hatte die Rettung im Frühjahr zu einem zentralen Versprechen seine Wahlkampfs gemacht.

HB ROM. Die großen ausländischen Airlines seien an einer Rettung nicht interessiert, sagte Berlusconi am Wochenende in einem Fernsehinterview. Daher drohe Alitalia nun der Bankrott. Medienberichten zufolge hat Insolvenzverwalter Augusto Fantozzi bereits den Verkauf von Unternehmensteilen vorbereitet. Am Wochenende flogen die Maschinen aber noch.

Für das Scheitern der bisherigen Rettungsbemühungen machte Berlusconi die Gewerkschaften der Alitalia-Piloten und -Flugbegleiter verantwortlich. Diese würden bald erkennen, dass es keine Alternative gebe. „Die Bürger Italiens werden meiner Meinung nach in der Lage sein zu entscheiden, wer schuld ist, wenn wir nicht sofort die Lösung finden, auf die ich noch immer hoffe.“ Am Donnerstag war der dritte Rettungsversuch binnen Tagen am Widerstand der Gewerkschaften gescheitert. Damit droht nun rund 20 000 Alitalia-Mitarbeitern der Verlust ihrer Arbeitsplätze.

Eine Pleite der Fluggesellschaft wäre auch für Ministerpräsident Silvio Berlusconi eine empfindliche Niederlage: Er hatte ihre Rettung im Frühjahr zu einem zentralen Versprechen seine Wahlkampfs gemacht.

Die Flugaufsicht (Enac) will der seit Ende August unter Gläubigerschutz stehenden Alitalia spätestens bis Anfang Oktober die Lizenz entziehen, sollte es bis dahin keinen konkreten neuen Rettungsplan geben. Am Montag wollte sich der Insolvenzverwalter Augusto Fantozzi aber erneut um eine Verlängerung der Lizenz bemühen. Von seinem Gespräch bei der Enac wollte es Fantozzi laut Sonntagsausgabe der Tageszeitung „Il Messagero“ abhänig machen, ob er Alitalia-Teile öffentlich zum Verkauf ausschreibt. Bislang habe er zwar noch kein Angebot für die Flugaktivitäten des Unternehmens erhalten, Interessenten gebe es aber für ihre Sparten Instandhaltung, Fracht, Abfertigung und Catering sowie die Alitalia-Call-Center.

Die Einstellung des Flugbetriebs könnte dem italienischen Flaggschiff jedoch schon in den kommenden Tagen drohen. Nach Fantozzis Angaben geht Alitalia allmählich das Geld für Kerosin aus. Er hoffe aber, dass das Unternehmen das Monatsende noch erreichen werde. Die Fluggesellschaft schreibt seit 1999 Verluste und hat derzeit rund 1,2 Mrd. Euro Schulden.

Eine Verstaatlichung des Unternehmens, das zu 49,9 Prozent vom Staat gehalten wird, kommt für die Regierung Kreisen zufolge nicht in Betracht. Die EU-Kommission prüft derzeit, ob es sich bei einem 300 Mill. Euro schweren Notkredit der Regierung um eine illegale Staatshilfe handelt. Selbst potenzielle Interessenten wie Air France-KLM und die Deutsche Lufthansa machten vergangene Woche einen Rückzieher, obwohl der italienische Markt für beide durchaus interessant wäre Auch ein erneuter Versuch hat daran nichts ändern können. „Keiner hat sich bewegt“, sagte Fantozzi.

Die Lufthansa setzt indes auf eigenes Wachstum am norditalienischen Flughafen Mailand-Malpensa. Dort wollen die Deutschen von Februar an sechs Airbus A319 stationieren.

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