Angeblich aber noch keine Verhandlungen
US-Firma zeigt Interesse an Karstadt-Quelle

Die milliardenschwere US-Investmentgesellschaft Blackstone und die Düsseldorfer Corpus Immobiliengruppe haben Interesse an einer Übernahme von Teilen der KarstadtQuelle-Immobilien signalisiert.

HB FRANKFURT/ESSEN. Die im MDax gelistete Aktie des Konzerns reagierte am Dienstag auf erste Meldungen über ein Interesse von Blackstone mit einem Kurssprung und schloss rund 23 Prozent höher. Unterdessen deutete die Gewerkschaft Verdi erste Zugeständnisse bei der Sanierung des Unternehmens an, die dem Konzern jedoch nicht weit genug gehen.

Ein Sprecher der US-Investmentgesellschaft Blackstone sagte am Dienstagabend, das Unternehmen würde bei Anfrage den Kauf von Teilen von KarstadtQuelle erwägen. Derzeit stehe Blackstone aber nicht in Verhandlungen mit Karstadt-Quelle. Der Blackstone-Chef Deutschland, Hanns Ostmeier, schränkte aber ein, die Investmentgesellschaft bereite kein Übernahmeangebot für den ganzen Konzern vor, noch ziehe sie es in Betracht. Wenn Immobilien von Karstadt angeboten würden, würde sich Blackstone dieses Angebot anschauen. „Wären wir dann an einem Kauf interessiert? Ich weiß es nicht“, sagte Ostmeier. Zuvor hatte ein Blackstone-Manager in Deutschland im Gespräch mit einer Agentur Interesse an Karstadt-Quelle bekundet, das angeblich bis zu einer kompletten Übernahme reichen könne.

Karstadt-Quelle-Konzernchef Christoph Achenbach sagte am Abend in Düsseldorf: „Mir ist die Firma bekannt. Wir verhandeln derzeit aber nicht mit dieser Firma.“ Der Chef der Investor-Relations-Abteilung des Konzerns, Detlef Neveling, sagte, Blackstone sei als Bieter für das Immobilienpaket des Konzerns willkommen. „Wir verhandeln derzeit weltweit mit interessanten Gesprächspartnern. Ein solcher Gesprächspartner könnte Blackstone sein.“

Auch die deutsche Corpus-Gruppe zeigte grundsätzlich Interesse an den Karstadt-Immobilien. „Wir sind eine Immobiliengruppe, die immer Ausschau hält nach größeren Immobilienportfolios. Deshalb interessieren wir uns auch grundsätzlich für die Karstadt-Immobilien“, sagte eine Sprecherin der Düsseldorfer Immobiliengruppe. Gespräche mit dem Unternehmen darüber habe es aber noch nicht gegeben. Das bilanzierte Immobilien- Portfolio hat nach früheren Konzernangaben einen Buchwert von 2,8 Milliarden Euro. Der Marktwert liegt aber darüber.

Im Konflikt mit den Arbeitnehmern um das Sanierungskonzept des Handelskonzerns drängte Achenbach nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, seinem NRW-Kollegen Harald Schartau und Bürgermeistern in Düsseldorf auf eine Lösung bis Mitte Oktober. „Die Gespräche müssen bis Mitte des Monats abgeschlossen sein.“ Bislang war von einem Zeitraum von drei bis vier Wochen die Rede gewesen. „Problematisch ist die enge Zeitschiene, die wir haben“, räumte er ein.

In der neuen Mitarbeiterzeitung wies Achenbach zudem darauf hin, dass der Konzern für die Ermächtigung der geplanten Kapitalerhöhung in Höhe von 500 Millionen Euro noch in diesem Jahr eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen müsse.

Achenbach nahm in Düsseldorf auch Stellung zu Aussagen des Gesamtbetriebsrates vom Vortag, der Konzern könne auf die Insolvenz zusteuern, falls nicht eine schnelle Sanierung gelinge. „Weder sind wir insolvent, noch werden wir insolvent werden“, betonte er.

Die Gewerkschaft Verdi hatte zuvor kurz vor dem Beginn von Verhandlungen mit der Unternehmensführung signalisiert, dass sie zwar zu Zugeständnissen bei übertariflichen Leistungen bereit sei, Arbeitszeitverlängerungen aber strikt ablehne. Ein Konzernsprecher bezeichnete dies jedoch als nicht ausreichend. Es gebe keine Alternative zu dem vorgelegten Sanierungsprogramm.

Achenbach sagte am Abend, diese ersten Gespräche seien „ganz gut“ verlaufen. Warenhauschef Helmut Merkel fügte hinzu, die Verhandlungen würden von beiden Seiten „mit größter Ernsthaftigkeit“ geführt. Näher äußerten sich beide nicht. Bundeswirtschaftsminister Clement (SPD) warnte, ohne einen Kompromiss und eine Einigung werde die Lage für Karstadt-Quelle „außerordentlich schwierig.“ Finanzielle Hilfen vom Staat werde es nicht geben.

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