Angeblich gemeinsame Holding geplant
Traualtar für KLM und Air France bereits in Sicht

Die niederländische Fluggesellschaft KLM und Air France haben sich anscheinend auf eine Konstruktion für ihre zukünftige Zusammenarbeit geeinigt. Die Gespräche über eine engere Zusammenarbeit könnten demnach bald zum Abschluss kommen.

HB DEAUVILLE. „Die Dinge könnten wirklich schnell gehen“, sagte Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta zu Journalisten am Freitag in der nordfranzösischen Küstenstadt Deauville. Stellenstreichungen seien im Falle eines eventuellen Zusammenschlusses nicht vorgesehen. Spekulationen über eine bevorstehene Einigung bereits Anfang nächster Woche waren von Zeitungsberichten und Analystenkommentaren am Freitag angeheizt worden. Gleichwohl dementierte das niederländische Transportministerium Berichte, wonach die Regierung bereits entschieden habe, einer Vereinbarung zuzustimmen.

Mit einem Zusammengehen der beiden Fluggesellschaften entstünde Europas größte Fluglinie noch vor British Airways. Zudem würde durch den Zusammenschluss die Luftfahrtallienz Sky-Team gestärkt, zu der bald auch die US-Partner von KLM, Northwest und Continental beitreten könnten. Die deutsche Lufthansa wollte die neu entflammten Spekulationen nicht kommentieren.

Die niederländische Regierung hält eine „goldene Aktie“ bei der KLM. Sie kann Schlüsselentscheidungen mit einem Veto blockieren. Experten gehen davon aus, dass sie bei der Sicherung internationaler Landerechte für die KLM ein gewichtiges Wort mitsprechen wird. Regierungschef Jan Peter Balkenende hatte auf die Notwendigkeit für die KLM hingewiesen, am Konsolidierungsprozess der krisengeplagten Luftfahrtindustrie teilzunehmen. Er hatte jedoch Befürchtungen angemeldet, wonach der Pariser Flughafen Charles de Gaulle Passagiere vom Flughafen Schiphol - dem internationalen Drehkreuz des Landes - abziehen könnte. Für diesen Freitag war eine turnusmäßige Kabinettssitzung der niederländischen Regierung angesetzt.

Die seit Jahren anhaltende Luftfahrtkrise sowie der verstärkte Wettbewerbsdruck durch Billigflieger zwingen die Fluggesellschaften zunehmend zu Kooperationen, um ihre Marktposition zu verbessern und Kosten zu sparen.

Regierung weist Zeitungsbericht zurück

Unterdessen wies die niederländische Regierung am Freitag einen Zeitungsbericht zurück, wonach sie einer Kooperation der KLM mit Air France bereits zugestimmt haben soll. „Es gibt keine Zustimmung. Die Verhandlungen kommen voran, aber es gibt noch keine Vereinbarung. Diese Quellen sind falsch informiert“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Reaktion auf einen Bericht der Zeitung „De Volkskrant“. Diese hatte unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, die Regierung habe der Kooperation bereits grünes Licht erteilt.

Viele Analysten waren davon ausgegangen, dass beide Fluggesellschaften zunächst kleinere Beteiligungen eingehen würden. Bei der niederländischen Fortis-Bank wird jedoch unter Berufung auf Insider von der Errichtung einer Holding ausgegangen. Fortis-Bank-Analyst Maarten Bakker erklärte unter Berufung auf die Kreise, beide Unternehmen planten eine Holdinggesellschaft, an der die kleinere KLM einen Anteil von 15 bis 20 % halten werde. Die KLM-Aktie werde vom Börsenzettel verschwinden. Durch ihre goldene Aktie werde der niederländische Staat dabei die Kontrolle über die Landerechte behalten. Am Dienstag würden KLM und Air France Einzelheiten über ihr geplantes Bündnis veröffentlichen.

Auch die „Börsen-Zeitung“ hatte am Freitag unter Berufung auf KLM-nahe Kreise und Angaben aus der niederländischen Politik berichtet, beide Fluggesellschaften wollten eine Dachholding gründen. Die niederländische „NRC Handelsblad“ berichtete ähnliche Vorhaben in der Abendausgabe vom Vorabend.

Die Lufthansa hielt sich am Freitag mit einem Kommentar zu einer möglichen Allianz zwischen KLM und Air France zurück. „Momentan sind viele Spekulationen im Raum, die wir nicht kommentieren wollen“, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Luftfahrtexperten sehen keine großen Auswirkungen auf die Lufthansa durch ein Bündnis KLM/Air France. „Die Auswirkungen auf die Lufthansa dürften begrenzt sein“, sagte ein Luftfahrt-Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. Ein Zusammengehen von KLM und Air France müsse zudem erst einmal funktionieren. Das Luftfahrtbündnis Star Alliance um die Lufthansa habe eine dominierende Stellung in Europa.

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