Angeblich Neueinführung zu höherem Preis
Comeback für die alte Bahncard

Nach der heftigen Kritik am neuen Preissystem der Deutschen Bahn soll nach Angaben aus Unternehmenskreisen die alte Bahncard wieder eingeführt werden.

Reuters BERLIN. Möglichst noch im Sommer werde die Bahncard mit einem Preisnachlass von 50 % auf alle Fernstrecken wieder angeboten, hieß es am Montag in den Kreisen. Sie solle aber deutlich teurer werden. In der zweiten Klasse werde sie künftig rund 200 € kosten, und für die erste Klasse seien Preise von bis zu 400 € im Gespräch. Früher kostete die alte Bahncard 140 und 180 €. Allerdings hatte die Bahn die Normalpreise auf Fernstrecken bereits gesenkt. Umsatz und Betriebsverlust der Bahn fielen nach Angaben aus den Kreisen bis Mai im Fernverkehr erneut schlechter aus als geplant. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) und die Eisenbahnergewerkschaft Transnet begrüßten eine Wiedereinführung der alten Bahncard. Beide bezeichneten auch einen höheren Preis als gerechtfertigt.

Die Bahn lehnte einen Kommentar ab und verwies auf die Pressekonferenz nach der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. Dort werde Bahnchef Hartmut Mehdorn auch zu Änderungen am Preissystem Stellung nehmen. Das neue Preissystem war unter anderem von Fahrgastverbänden heftig kritisiert worden, da es zu unübersichtlich sei und vor allem für spontan Reisende und Vielfahrer teurer sei als das bisherige.

Gewerkschafts-Chef Norbert Hansen verlangte weitere Verbesserungen beim Service. In Reisezentren und Zügen sollten daher 2000 Stellen geschaffen werden. Mit diesem Konzept könne mittelfristig rund eine Million neuer Kunden gewonnen werden.

Die im Dezember eingeführte Bahncard mit 25 % Preisnachlass solle zunächst weiter parallel gültig bleiben, hieß es in den Kreisen. Sie ist erheblich billiger und kann mit den zusätzlichen Frühbucher-Rabatten kombiniert werden. Dies werde bei der Bahncard mit 50 % Preisnachlass dann nicht möglich sein, hieß es. Die Änderungen solle der Aufsichtsrat der Bahn am Mittwoch beschließen.

Transnet-Chef Hansen, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef des Unternehmens ist, forderte, die Bahncard mit zusätzlichen Angeboten zu versehen. „Das kann von einer Tasse Kaffee bis zu Bonuspunkten für andere Reisen gehen“, sagte er. „Änderungen des Preissystems allein reichen aber nicht aus.“ Hansen forderte erneut eine Wiederbelebung der Interregios. Außerdem sollten so genannte Mobilitätshelfer den Kunden etwa bei der Bedienung von Fahrkartenautomaten helfen. Bei den Reisezentren insgesamt dürfe kein Personal abgebaut werden. Hansen verwies zudem darauf, dass die Pünktlichkeit bei der Bahn weiter bei nur 80 % liege und deutlich gesteigert werden müsse. Schuld daran seien auch zu eng konzipierte Fahrpläne.

In den Kreisen hieß es, dass die Bahn weiter hinter ihren Planzahlen im Fernverkehr hinterherfahre. So liege der Umsatz im Fernverkehr mit 1,02 Mrd. € rund 260 Mill. € unter Plan und 165 Mill. € unter dem Vorjahr. Der Betriebsverlust weitete sich nach dem ersten Quartal aus und betrug demnach in diesem Jahr bis Ende Mai 231 Mill. €. Geplant waren für das zweite Quartal 28 Millionen. Auch bei der Verkehrsleistung verfehle man die Planungen deutlich.

Wie weiter aus den Kreisen bekannt wurde, wird der ehemalige Bahn-Vorstand Hemjö Klein künftig als Bevollmächtigter für den Personenverkehr wieder eingestellt. Er war vor kurzem erst als Berater engagiert worden, nachdem Personalvorstand Christoph Franz das Unternehmen wegen Differenzen über das Preissystem verlassen musste. Verlängert wird danach nach Angaben aus den Kreisen der Vertrag mit dem neuen Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch. Er soll wie Bahnchef Hartmut Mehdorn bis 2008 im Unternehmen bleiben. Rausch hatte zuvor die Technik-Sparte im Unternehmen geführt.

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