Angebot für Qantas-Airline
Australier fürchten um „Fliegendes Känguru“

Nach der Kaufofferte von zwei Finanzinvestoren für die australische Airline Qantas fürchten Experten einen Aufschrei der Empörung unter den Australiern. Das Bieterkonsortium besteht unter anderen aus der Investorengruppe Texas Pacific und der Investmentbank Macquarie. Texas Pacific hat bereits Erfahrungen mit Beteiligungen bei Fluggesellschaften.

HB MELBOURNE/SYDNEY. Erstmals wollen internationale Finanzinvestoren eine Fluggesellschaft übernehmen. Die australische Investmentbank Macquarie und die US-Investorengruppe Texas Pacific haben ein Kaufangebot für Australiens größte Fluggesellschaft Qantas Airways abgegeben. Die Sache sei vertraulich und noch nicht entschieden, teilte Qantas am Mittwoch mit und wollte daher keine Details nennen.

Wie die Zeitung „Australian Financial Review“ berichtete, könnte das von Macquarie angeführte Übernahmeangebot mehr als zehn Mrd. australische Dollar (gut sechs Mrd. Euro) wert sein. Qantas will das Angebot prüfen. Die Börse nahm die Nachricht mit Begeisterung auf: Qantas-Aktien legten zeitweise um mehr als 20 Prozent zu. Die Fluggesellschaft ist Mitglied der weltweiten Luftfahrtallianz Oneworld um British Airways, der spanischen Iberia und American Airlines.

Analysten fürchteten einen Aufschrei der Empörung unter Australiern. Die 1995 privatisierte nationale Gesellschaft heißt im Volksmund liebevoll „Fliegendes Känguru“ und gilt als eines der bekanntesten nationalen Symbole. Transportminister Mark Vaile beruhigte die Gemüter schon vorab. Nach den Gesetzen können Ausländer höchstens 49 Prozent an australischen Firmen kaufen, jeder einzelne Investor höchstens 25 Prozent. „Ich glaube, ich kann überzeugt voraussagen, dass das Känguru niemals von den Qantas-Maschinen verschwinden wird“, sagte er unter Bezug auf das Logo der Fluggesellschaft nach Presseberichten. Die Fluggesellschaft wurde 1920 gegründet. Sie wickelt zwei Drittel der inländischen Flüge ab.

Die Aktionäre waren dagegen begeistert. Der Kurs stieg nach der Mitteilung kurzzeitig auf die Rekordhöhe von 5,25 australische Dollar (etwa 3,15 Euro), ehe er später auf rund fünf Dollar nachgab. Damit käme die Airline auf einen Marktwert von rund zehn Mrd. australische Dollar. Im Juli hatte der Kurs bei 2,95 Dollar gelegen.

„Das ist eine absolute Überraschung, da eine Fluggesellschaft nicht der übliche Übernahme-Kandidat für private Investorengruppen ist“, sagte James Holt von Zurich Financial Services am Mittwoch. Der australische Investor Macquarie hat bereits in zahlreichen Branchen investiert und übernahm im Oktober den zum deutschen RWE gehörenden britischen Wasserversorger Thames Water. Ins Blickfeld von Finanzinvestoren stehen inzwischen nahezu alle Branchen. Die US-Investorengruppe Blackstone kündigte am Wochenanfang mit dem Kauf des Büroimmobilienkonzerns Equity Office Properties für 36 Mrd. Dollar die bisher größte Übernahme durch eine Beteiligungsgesellschaft an. Fluggesellschaften und Reisekonzerne hatten Finanzinvestoren dagegen wegen der hohen Krisenanfälligkeit der Branche lange Zeit nicht im Visier.

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