Angebot von Macquarie Bank
Techem wehrt sich gegen Übernahme

Bei ihrem Übernahmeangebot für Techem stößt die australische Macquarie Bank auf Widerstand. Die Führung des Energiedienstleisters will offenbar, dass das Unternehmen eigenständig bleibt. Die Börse erwartet nun ein hartes Ringen. Entsprechend kletterte der Aktienkurs.

HB FRANKFURT. Macquarie hat nach eigenen Angaben bereits Gespräche mit der Techem-Führung geführt. Das Management habe die Annäherung aber abgewiesen und klar gemacht, eigenständig und börsennotiert bleiben zu wollen, sagte Direktor Martin Stanley am Montag. Daher habe sich Macquarie nun direkt an die Aktionäre von Techem gewandt, damit diese selbst entscheiden können. Die Techem-Führung selbst schweigt weiter zu der Offerte, die Macquarie am Montagmorgen veröffentlich hatte. „Wir prüfen das Übernahmeangebot und werden es dann so schnell wie möglich kommentieren“, sagte ein Techem-Sprecher.

Macquarie hatte mitgeteilt, dass sie Techem für 1,1 Mrd. Euro übernehmen wolle. Den Aktionären wurden 44 Euro je Aktie angeboten, was rund 5 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag liegt. Die Aktionäre hoffen aber auf eine Erhöhung des Angebots: Die im Nebenwerteindex MDax gelistete Aktie legte im frühen Handel bis zu 14 Prozent auf 48,10 Euro zu. „Vor allem die Tatsache, dass das Techem-Management noch nicht mit Macquarie handelseinig ist, hat jetzt Spekulanten auf den Plan gerufen, die vielleicht noch einen Nachschlag erhoffen“, sagte ein Aktienhändler.

Die Australier wollen Techem in ihren Infrastrukturfonds MEIF II aufnehmen, der Gelder vor allem für europäische Pensionsfonds und Institutionen verwaltet. Der Fonds gehört auch zu einem Konsortium, das von RWE den britischen Wasserversorger Thames Water gekauft hat. 17 Prozent der Aktien hat die Bank nach eigenen Angaben schon, Ziel ist eine Mehrheit.

Die Techem-Aktien waren fast komplett in Streubesitz, nachdem die Gründerfamilie im Frühjahr ausgestiegen war. Das hat das Unternehmen anfällig für Übernahmen gemacht. Einziger Großaktionär war die Allianz, die über ihren Fondsanbieter Dit 6,2 Prozent der Anteile gehalten hatte – bis vergangene Woche. Dann hat sie, wie der Versicherer am Montagmorgen mitteilte, ihren Anteil auf 0,4 Prozent reduziert.

Macquarie will behutsam mit Techem umgehen

Techem-Vorstandschef Horst Enzelmüller hatte sich erst vor zwei Wochen strikt gegen einen Einstieg eines Finanzinvestors ausgesprochen. „Ich will nicht gerade sagen, das geht nur über meine Leiche – aber widerstandslos hinnehmen würde ich das nicht“, sagte er. Es habe bereits Gespräche mit möglichen Investoren gegeben, bisher sei jedoch kein überzeugender Käufer darunter gewesen. „MEIF II wird sich weiterhin um die Unterstützung des Managements von Techem bemühen und ist sehr daran interessiert, mit Techems derzeitigem Management in Zukunft zusammenzuarbeiten“, sagte Macquarie-Direktor Stanley.

Das Kerngeschäft des Energiedienstleisters – das Erfassen und Abrechnen von Energie- und Wasserverbrauch – bietet nach Ansicht der Bank kein weiteres Kursentwicklungspotenzial, weil die Wachstumsmöglichkeiten ausgeschöpft seien. Die Bank plant aber nach eigenen Angaben keinen Konzernumbau. Auch sei Macquarie nicht darauf aus, Synergien zu heben. Interessant sei der Energiedienstleister wegen seines guten Geschäftsmodells mit langfristig stabilen Cash-flows. Die Marke und der Sitz in Eschborn sollen erhalten bleiben.

Techem erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von gut einer halben Mrd. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag bei etwas über 100 Mill. Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%