Angebote von Lufthansa und British Airways
Poker um Einstieg bei der Swiss

Sowohl die Deutsche Lufthansa als auch British Airways (BA) haben einem Medienbericht zufolge Angebote für einen Einstieg bei der finanziell schwer angeschlagenen Schweizer Fluglinie Swiss unterbreitet. Die Swiss, deren Liquidität nur noch bis Jahresende sicher gestellt ist, will bis Ende des Monats über eine Überlebensstrategie entscheiden.

Reuters ZÜRICH. Lufthansa wolle die defizitäre Swiss komplett übernehmen, während Europas größte Fluggesellschaft BA lediglich am Kauf eines größeren Anteils interessiert sei, berichtete die Schweizer „SonntagsZeitung“ unter Berufung auf Unternehmenskreise. Zugleich wolle BA der Swiss eine Aufnahme in die Luftfahrt-Allianz „Oneworld“ ermöglichen, was die Swiss seit ihrer Neugründung im April 2002 anstrebt. Allerdings sei das Swiss-Management in den vergangenen Tagen auch zu Gesprächen nach Frankfurt gereist, um über ein komplettes Übernahmeangebot der Lufthansa zu beraten. Ein Lufthansa-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren.

Ein Swiss-Sprecher bezeichnete es am Samstag als unwahrscheinlich, dass sich der Vorstand der Fluglinie schon bei seinem Treffen am Montag auf eine bestimmte Strategie festlegen werde, um das Überleben der Fluggesellschaft zu sichern. Bis zum Monatsende sei jedoch mit einer Entscheidung zu rechnen.

Swiss, die am Dienstag ihre Halbjahreszahlen vorlegt, benötigt nach eigenen Angaben 500 Mill. Franken, um auch 2004 noch am Markt zu sein. Nach Einschätzung von Analysten hat die Fluglinie allerdings nur dann eine Chance auf frisches Geld von Investoren und die dringend nötige Aufnahme in ein Flugbündnis, wenn sie Fortschritte bei der Reduzierung der Kapazitäten und anderen Sparmaßnahmen vorweisen kann. Private und öffentliche Geldgeber, die der Swiss vor gut einem Jahr mit einer Finanzspritze von 2,7 Mrd. Franken zu einem neuen Start verholfen hatten, zeigen bisher keine Bereitschaft zu weiteren Finanzhilfen an die Fluglinie.

Nach einem Bericht des Schweizer „Tages-Anzeiger“ vom Samstag beraten Swiss und Lufthansa über eine Integration der Schweizer Fluglinie in die Lufthansa. Dabei sollten die Marke Swiss und die rot-weiße-Lackierung der Schweizer Flugzeuge erhalten bleiben, Swiss würde eine unabhängige Einheit im Lufthansa-Konzern bilden. Die Swiss würde danach in das weltweit führende Luftfahrt-Bündnis Star Alliance aufgenommen, dem auch die Lufthansa angehört. Dies solle Befürchtungen derjenigen Schweizer ausräumen, die nach dem Zusammenbruch der Swissair zumindest am Nachfolger Swiss als einer Art nationaler Fluglinie festhalten wollten.

Die Spekulationen über einen Einstieg oder eine Zusammenarbeit der Lufthansa mit der ums Überleben kämpfenden Swiss halten sich seit Wochen ebenso hartnäckig, wie sie von deutscher Seite dementiert werden. Experten zufolge hängen die Erfolgsaussichten einer solchen Beteiligung vor allem davon ab, ob die Lufthansa freie Hand für harte Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen bei der ehemaligen Schweizer Nationalfluglinie bekommen würde.

Analysten hatten vor einigen Tagen nach einer Telefonkonferenz mit Lufthansa-Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley gesagt, er habe bestätigt, dass Lufthansa in Gesprächen mit Swiss sei. Auf die Frage nach einer Zusammenarbeit mit Swiss habe Kley gesagt, Lufthansa sei zu jeder Art von Kooperation mit wem auch immer bereit, wenn sie wirtschaftlich Sinn mache.

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