Angeschlagene Porzellanfabrik Goebel
Insolvenzverwalter sieht gute Chancen für Hummel-Figuren

Die weltberühmten Sammelobjekte Hummel-Figuren wird es trotz der Insolvenz des Herstellers auch im kommenden Weihnachtsgeschäft zu kaufen geben. Am Montag teilte Insolvenzverwalter Siegfried Beck mit, dass der Geschäftsbetrieb des Hummel-Produzenten Goebel zunächst einmal sicher gestellt sei.

jojo MÜNCHEN. Grundlage dafür sei ein Massekredit von Merrill Lynch.

Die fränkische Traditionsfirma Goebel hat Anfang Juli wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz angemeldet. Die Firma ist in Schwierigkeiten geraten, weil sie immer weniger ihrer Figuren verkauft hat.

Jetzt hat Merrill Lynch mit einem Massekredit den Weg frei gemacht, um die Lieferanten zu bezahlen. Damit kann Goebel für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft produzieren. Ein Massekredit ist ein Darlehen, das an insolvente Firmen vergeben wird. Sollte die Firma diesen Kredit nicht zurückzahlen können, so wird der Kreditgeber aus der Insolvenzmasse heraus vorrangig vor allen anderen Forderungen bedient.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Beck zeigte sich gestern zuversichtlich, dass Goebel überlebt. „Wenn der in Arbeit befindliche Insolvenzplan angenommen wird, könnte Goebel noch vor Weihnachten formal aus der Insolvenz entlassen werden“, sagte der Jurist. Mit Hilfe des Insolvenzplans will die Firma aus Rödental bei Coburg die Produktionsprozesse straffen und neue Märkte in Osteuropa und Asien erschließen.

Neben Goebel kämpft in der Kleinstadt Rödental auch der Puppenproduzent Zapf Creation um den Anschluss. Das börsennotierte Unternehmen plant nach einem hohen Verlust im vergangenen Jahr für den Herbst eine Kapitalerhöhung, um wieder auf die Beine zu kommen. Zapf stellt Kinderpuppen unter Marken wie „Baby Born“ oder „Chou Chou“ her.

Die Produkte von Hummel dagegen richten sich vor allem an erwachsene Sammler. Das 1871 gegründete Unternehmen beschäftigt etwa 550 Mitarbeiter, 1998 waren es noch 1 450. Wie viele in den nächsten Monaten gehen müssen ist noch offen. 1935 entdeckten Franz Goebel und Eugen Stocke die Kinderzeichnungen der oberbayerischen Franziskanerschwester Maria Innocentia Hummel. Ein Jahr später kommen die ersten Hummel-Figuren erfolgreich auf den Markt.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 lief allerdings vor allem das Geschäft im wichtigen US-Markt schlecht. Auch in Deutschland hielten sich die Kunden zurück. Mit neuen Konzepten soll der Verkauf jetzt wieder angekurbelt werden. Merrill Lynch werde dabei weiter an Bord bleiben, hieß es gestern in einer Mitteilung.

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