Angeschlagene Warenhauskette
Karstadt sieht keinen Spielraum für Lohnerhöhungen

Am Mittwochnachmittag sollen die Gespräche mit der Karstadt-Geschäftsführung beginnen. Arbeitnehmervertreter machten im Vorfeld ihre Forderungen klar: „Wir verhandeln nicht über Filialschließungen.“
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DüsseldorfKurz vor Beginn neuer Gespräche mit der Geschäftsführung des angeschlagenen Warenhauskonzerns Karstadt haben die Arbeitnehmervertreter ihre Erwartungen untermauert. „Wir verhandeln nicht über Filialschließungen, es geht um Standort- und Beschäftigungssicherung und Tarifbindung“, sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft Verdi am Mittwoch.

Die Beschäftigten hätten in der Vergangenheit schon so viel gegeben, es könne nicht sein, dass sie für Managementfehler geradestehen müssten. „Die Mitarbeiter verzichten ja schon“, sagte auch Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt. Jetzt gehe es um die Zukunftssicherung des Konzerns.

Karstadt hatte im vergangenen Mai einen bis 2015 befristeten Ausstieg aus der Tarifbindung verkündet. Der Warenhausriese will sich so Lohnerhöhungen sparen. Personalchef Kai-Uwe Weitz ließ im Vorfeld der Verhandlungen, die am Nachmittag in Hannover starten sollten und auch für Donnerstag angesetzt sind, durchblicken, dass er wenig Verhandlungsspielraum sieht.

Karstadt werde Lohnerhöhungen zahlen, wenn dies möglich sei, hatte er vor einigen Tagen in einem Interview gesagt. „Aber das ist nicht 2014.“ Einen Bestandsschutz für Filialen gebe es zudem nicht. Karstadt kämpft seit Jahren mit Verlusten, im vergangenen Weihnachtsgeschäft hatten die Warenhäuser ein erneutes Umsatzminus verzeichnet.

Verdi sieht das Management in der Pflicht, einen tragfähigen Zukunftsplan auf den Tisch zu legen. Die Gewerkschaft unterstrich auch ihre Kritik an Miteigner Rene Benko, der seine anfängliche Gesprächszusage zurückgezogen habe. Damit werde eine wichtige Forderung von Verdi, mit allen Eigentümern über deren Vorstellungen und Pläne zu sprechen, nicht erfüllt, sagte die Sprecherin. Arbeitnehmervertreter hatten immer wieder die Sorge geäußert, Karstadt könne zerschlagen werden.

Benko kontrolliert mit seiner Signa Holding bereits das operative Geschäft der Luxus-Warenhäuser, zu denen etwa das KaDeWe in Berlin zählt, und hält auch die Mehrheit an den Karstadt-Sporthäusern. In Branchenkreisen hatte es vor einigen Wochen zudem geheißen, der eins als Karstadt-Retter gefeierte Milliardär Nicolas Berggruen habe Benko und dem Signa-Investor Beny Steinmetz auch eine Option auf die Mehrheit am Karstadt-Stammgeschäft eingeräumt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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