Angeschlagenes Reise- und Handelsunternehmen
Arcandor stellt offenbar Mietzahlungen ein

Für Arcandor wird die Luft offenbar immer dünner: Das Reise- und Handelsunternehmen hat Medienberichten zu Folge nicht einmal mehr das Geld, um die Miete für seine Kaufhäuser zu zahlen. Unterdessen treten neue Interessenten für einzelne Unternehmensteile auf den Plan, darunter der Versandhandelskonzern Otto.

HB ESSEN. Der schwer angeschlagene Reise- und Handelskonzern Arcandor hat laut Medienberichten die Mietzahlungen für seine Karstadt-Warenhäuser eingestellt. Das habe das Unternehmen bei einem Krisentreffen im Wirtschaftsministerium mit Vertretern von Gläubigerbanken, Aktionären und Immobilieneigentümern eingeräumt, berichten die „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) und die „Bild am Sonntag“. Dem „Spiegel“ zufolge muss Arcandor jeden Monat 23 Mio. Euro an die Eigentümer der Immobilien zahlen. Arcandor ist seit dem Verkauf aller Karstadt-Häuser vor zwei Jahren nur noch Mieter der Filialen.

Ein Arcandor-Sprecher wollte sich zu den Berichten am Samstag nicht äußern. „Das sind Details zu Geschäftsbeziehungen, die wir nicht kommentieren“, sagte er auf dpa-Anfrage.

Der ins Trudeln geratene Konzern hat einen Notkredit über 437 Mio. Euro beantragt. Ihm droht nach eigenen Angaben die Insolvenz, wenn bis zum 12. Juni keine Finanzierung gelingt. Zu diesem Zeitpunkt läuft ein 650-Millionen-Euro-Kredit aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich unterdessen erneut skeptisch gegenüber Staatshilfen für Arcandor. Zugleich warf sie der Konzernführung Fehler vor. Bei Arcandor habe es „ein erhebliches Missmanagement mit äußerst ungünstigen Vertragsgestaltungen, zum Beispiel bei den Mietverträgen“ gegeben, sagte Merkel der „Bild am Sonntag“. Die Standorte von Karstadt seien attraktiv, so dass für viele eine Fortführung wahrscheinlich sei, wenn die Eigentümer und die Gläubiger einen Beitrag leisteten, so Merkel. „Ich empfinde es aber als Zumutung, wenn Leute nach dem Staat rufen, die selbst etwas tun müssen.“

Den Berichten zufolge teilte Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick beim Krisentreffen im Wirtschaftsministerium mit, dass der Konzern seine Mietzahlungen eingestellt habe. Nach seiner Darstellung setze damit ein 30-tägiges Mahnverfahren ein, an dessen Ende die Vermietungsgesellschaft dazu berechtigt ist, einzelne Karstadt- Filialen zu verkaufen, um ihre Ansprüche zu befriedigen, berichtete die „Bild am Sonntag“.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) machte im Magazin „Der Spiegel“ deutlich, dass Arcandor kaum mit der beantragten staatlichen Bürgschaft aus dem Deutschlandfonds rechnen kann. „Aber es bleibt die Möglichkeit, dem Unternehmen mit einer Rettungsbeihilfe unter die Arme zu greifen“, sagte Guttenberg. Dies müsse jedoch von der EU-Kommission genehmigt werden. „Darüber verhandeln wir derzeit intensiv mit Brüssel.“

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