Angestaubte Verkaufskonzepte und fehlende Top-Marken belasten die Branche
Schuhverkäufer verpassen den Wandel im Handel

Spitz, eckig oder vielleicht doch ein wenig abgerundet? Während viele Unternehmenschefs vorige Woche auf der Düsseldorfer Schuhmesse GDS darüber stritten, wie die Fußbekleidung der kommenden Wintersaison auszusehen hat, kämpft die Branche mit weitaus gravierenderen Problemen: Viele Schuhunternehmen stehen vor dem Aus.

DÜSSELDORF. Den Wandel im Handel hat die Branche vollends verschlafen. Den Schuhverkäufern fehlen nicht nur attraktive Marken, das Vertriebskonzept der meisten Firmen hat sich seit den Zeiten des Wirtschaftswunders zudem kaum verändert. Geordert wird zwei Mal im Jahr auf der Düsseldorfer Schuhmesse. Wer als Einzelhändler kommende Trends falsch einschätzt, bleibt später auf der Ware sitzen. „Die Zusammenarbeit zwischen Handel und Industrie funktioniert nicht mehr“, sagen Schuhhersteller wie der österreichische Högl-Geschäftsführer Gerhard Bachmaier.

Die Lage ist verfahren. Seit 1996 sinken die Einzelhandelsumsätze der Branche kontinuierlich, unterbrochen nur durch eine kleine Verschnaufpause im Jahr 2000. Um 2,4 % ging es auch 2003 bergab – auf nunmehr 5,7 Mrd. Euro. Mit einer Trendwende rechnen Marktforscher wie Michael Weck von der Kölner Unternehmensberatung BBE auch in diesem Jahr nicht. „1992 hatten wir mehr Schuhumsatz in Westdeutschland als jetzt in Gesamtdeutschland“, heißt es beim Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie (HDS).

Kein Wunder, dass dabei zahlreiche Schuhfirmen auf der Strecke bleiben. Von den rund 10 000 Fachgeschäften im Jahre 1999 existieren heute nur noch 7 000. Die Zahl könnte sogar auf 5 000 sinken, glauben Experten. Nicht besser ergeht es den deutschen Herstellern. 127 Betriebe gab es noch vor zwei Jahren, heute sind es nur noch 109.

Die Misere ist größtenteils hausgemacht. Kaum ein deutscher Produzent hat es geschafft, preisstabile Marken ins Verkaufsregal zu bringen. Selbst Lloyd und Gabor gelten längst noch nicht als krisenfest. Schlimmer noch: Ausgerechnet von Branchenfremden wie Puma oder Adidas müssen sich die Schuhfirmen vorführen lassen, was sie selbst nicht zu Stande bringen: die Verwandlung vermeintlich langweiliger Treter in begehrte Kultobjekte.

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