Angestellte sollen innerhalb von 20 Tagen neuen Arbeitsverträgen zustimmen, um einen Konkurs abzuwenden
Alitalia-Chef stellt Belegschaft Ultimatum

Der seit Mai amtierende Alitalia-Chef Giancarlo Cimoli setzt den widerspenstigen Gewerkschaften die Pistole auf die Brust: Sollten die Arbeitnehmervertreter nicht die geplanten Einschnitte beim Personal sowie eine Verlängerung der Arbeitszeit und weniger Urlaub akzeptieren, werde die mehrheitlich staatliche Fluggesellschaft in 20 Tagen Insolvenz beantragen.

MAILAND. Ohne eine grundsätzliche Einigung werde er den bereits von der italienischen Regierung und der EU-Kommission genehmigten Überbrückungskredit in Höhe von 400 Mill. Euro nicht beantragen, drohte Cimoli. Mit diesem Ultimatum haben gestern die Verhandlungen zwischen der Unternehmensspitze und den Arbeitnehmervertretern über die Rettung der schwer angeschlagenen Alitalia begonnen.

Um die Schwere der Situation zu dokumentieren, ließ Cimoli wissen, dass das Unternehmen im Juli und August 17 Mill. Euro weniger erlöst habe als budgetiert. Das ist gravierend, da in den Sommermonaten dank des Urlaubsverkehrs traditionell die besten Geschäfte gemacht werden. Angesichts eines Kassenbestandes von schätzungsweise 80 Mill. Euro und eines monatlichen Mittelverbrauchs von 70 Mill. Euro sei die Zahlung der Löhne nur noch bis September garantiert, heißt aus unternehmensnahen Kreisen.

Im ersten Halbjahr hat Alitalia einen Nettoverlust von 330 Mill. Euro ausgewiesen. Für den Fehlbetrag gibt es eine Reihe von Gründen: den Verlust von Marktanteilen durch die Konkurrenz der Billigflieger, eine Häufung von Streiks und ein hoher Krankenstand (11,5 Prozent gegenüber zwei Prozent bei Lufthansa) sowie eine generell hohe Kostenbasis. So sitzen die Piloten mit 477 Stunden ein Viertel weniger im Cockpit als ihre Kollegen bei Lufthansa oder British Airways – bei gleichem Verdienst. Ein Überhang besteht vor allem beim Bodenpersonal. „Zu viele Mitarbeiter sitzen in den Büros, zu viele bürokratische Prozeduren verteuern die Produktion. Viele Bereiche hätten zudem längst ausgelagert werden müssen, doch Gewerkschaften und Politiker sind bei derlei Plänen stets auf die Barrikaden gegangen“, analysiert Professor Carlo Maria Guerci.

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