Angst vor Umsatzeinbußen
Rauchverbote bringen Brauer in Rage

Massiver Gästeschwund in den Kneipen und leidende Getränkegroßhändler lassen auch die Brauereien um ihre Umsätze fürchten: Beim traditionellen Round-Table-Gespräch von Handelsblatt und Messe Hamburg machten die Brauer ihrem Ärger teilweise drastisch Luft.

HAMBURG. Die Rauchverbote in Deutschland treffen die Wirte hart: Mehr als die Hälfte der Gastronomen in Niedersachsen und Baden-Württemberg, wo Einschränkungen für Raucher bereits seit vergangenem Jahr gelten, beklagen einen Gästeschwund. Über 40 Prozent aller Kneipen und Restaurants melden sogar einen Rückgang von mehr als zehn Prozent, berichtet der niedersächsische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga). Eine große Zahl von Getränkefachgroßhändlern, die vielfach auf die Gastronomie spezialisiert sind, sieht sich zudem in ihrer Existenz bedroht. Das alles bringt die Brauereien, die erhebliche Umsatzeinbußen fürchten, auf die Palme.

Das machten die Teilnehmer am diesjährigen Round-Table-Gespräch, zu dem das Handelsblatt und die Hamburg Messe in die Hansestadt geladen hatten, auf teilweise drastische Art und Weise deutlich. "Das ist doch alles weltfremd. Wir lassen uns im Augenblick von Leuten Gesetze oktroyieren, die mit der Realität der Bevölkerung relativ wenig zu tun haben", kritisiert Wolfgang Burgard, Deutschland-Chef des dänischen Brauriesen Carlsberg, die Anti-Raucher-Gesetzgebung in Bund und Ländern. Die Politik habe seiner Meinung nach den Kontakt zur Wirtschaft nun gänzlich verloren.

Das Round-Table-Gespräch aus Anlass der an diesem Freitag in Hamburg beginnenden Fachmesse "Internorga" stand unter dem Motto "Rauchverbote auch in deutschen Gaststätten - Kein Thema für erfolgreiche Gastronomiekonzepte?." Markus Stodden, Marketing- und Vertriebsvorstand der Kulmbacher Brauerei, argumentiert differenziert: Der Familienvater, der mit seiner Familie nur zum Mittagessen in den Gasthof gehe, freue sich über das rauchfreie Ambiente. "Aber in dem für uns wichtigen Bereich, wo auch sehr viel Bier verkauft wird, da wird es problematisch", sagt der Manager.

In Kulmbach gilt mit dem bayerischen Nichtraucherschutzgesetz die strengste deutsche Variante des Rauchverbots. So gibt es keine Ausnahmen für Bierzelte oder für die Einraumgastronomie, die unlängst in Rheinland-Pfalz durch einen Eilbeschluss des dortigen Verfassungsgerichtshofes prominente Unterstützung erhielt.

"Wir sehen das Riesenproblem bei den Einraumgaststätten unserer Region, da liegen die Absatzeinbrüche schon zwischen fünf und dreißig Prozent", sagt der Kulmbacher Vertriebsvorstand. "In Deutschland leisten wir uns einen Föderalismus, der langsam pervertiert", klagt Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH). So gäbe es in sieben Bundesländern Ausnahmeregelungen für Festzelte, in acht Bundesländern Ausnahmeregelungen für Discotheken und in drei Bundesländern Ausnahmeregelungen für den technischen Nichtraucherschutz mit Hilfe von Trennwänden. Aber nur ein Bundesland, das Saarland, habe per Gesetz Einraumgaststätten von Beschränkungen ausgenommen.

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