Anhaltende Verluste
Fluggesellschaften lagern in großem Stil aus

Europas Fluglinien werden viele Unternehmensbereiche in den nächsten Jahren auslagern, um dem anhaltenden Margenverfall in der Branche Einhalt zu gebieten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Unternehmensberatung Droege & Comp., die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

FRANKFURT. Der Industriezweig stehe vor einer „Neuordnung der gesamten Wertschöpfungskette“, sagte Volker Elders, geschäftsführender Partner von Droege & Comp. Die Untersuchung basiert auf einer Umfrage bei 48 Topmanagern von Fluglinien und Flughäfen aus 18 Ländern. Demnach wollen Airlines künftig insbesondere die Bodenabfertigung der Flugzeuge, IT-Abteilungen sowie Tätigkeiten im Kundenservice (Call-Center) auslagern. Ganz oben auf der Liste der Outsourcing-Prozesse stehen heute bereits Catering-Dienstleistungen sowie das Geschäft mit Kreditkarten.

Zwar hat sich der weltweite Luftverkehr seit dem Terror des 11. September 2001 längst deutlich erholt und ist durch den Boom der Billigflieger zuletzt gar euphorisch gewachsen. Die marktseitige Entspannung schlägt sich aber kaum in verbesserten Ergebnissen nieder. Als Hauptursachen sehen Branchenexperten die drastisch gestiegenen Kerosinkosten sowie hohe Überkapazitäten, die zu einem Preisverfall der Flugtickets geführt haben. „Einträgliche Margen sind für etablierte Gesellschaften fast nur noch auf den Langstrecken realisierbar. Aber auch hier droht perspektivisch Gefahr durch stark wachsende Fluglinien aus dem Nahen Osten“, warnt Droege-Berater Elders.

Zum Hauptkonkurrenten von Lufthansa, British Airways & Co. avanciert allmählich die Dubai-Staatslinie Emirates Airlines, die mehr als 120 Langstreckenjets im Wert von rund 30 Mrd. Dollar bestellt hat und mit Abstand größter Kunde des neuen Riesen-Airbus A380 ist. Nahezu alle Airline-Manager sind deshalb überzeugt, dass eine Bereinigung des überbesetzten Marktes unausweichlich ist. Mit Blick auf die anhaltenden Verluste häuft sich allmählich die Zahl der Wackelkandidaten, wie die jüngsten Turbulenzen bei Austrian Airlines (Aua) oder dem chronisch defizitären Düsseldorfer Ferienflieger LTU zeigen.

Um die Probleme zu lindern und Kostenpositionen zu verbessern, kommt das Thema Outsourcing groß in Mode. Wie das Touristik-Fachmagazin „FVW“ berichtet, prüft die LTU derzeit die Auslagerung ihrer IT-Sparte. Auch bei Lufthansa steht die nächste Sparrunde vor der Tür, um den Kostenabstand zu expandierenden Billigfliegern zu verringern. Im Vorjahr hatte der Konzern bereits mit der Auslagerung der gesamten Passagierabfertigung gedroht, weil die Lufthansa-Mitarbeiter rund ein Drittel teurer operierten als andere Dienstleister. Am Ende der Verhandlungen akzeptierte die Gewerkschaft Verdi ein neues Tarifmodell für rund 12 000 Mitarbeiter, das niedrigere Lohnstufen vorsieht. Im Herbst steht die nächste Runde mit Verdi an: Wie es in Unternehmenskreisen hieß, fordert Lufthansa deutliche Kostensenkungen bei einigen dezentralen Stationen auf kleineren Flughäfen. Zur Diskussion steht auch hier die Ausgliederung des Bodenservice in neue Abfertigungsgesellschaften.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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