Anlieferung
Die Kooperation endet erst im Regal

Zwei Wettbewerber, die ihre Waren im gemeinsamen Lkw ausliefern - das war für viele Manager bis vor kurzem unvorstellbar. Doch die Krise zwingt die Unternehmen, ihre Kosten zu senken. Selbst erbitterte Konkurrenten liefern ihre Waren zusammen aus, um die Ausgaben zu drücken.
  • 0

KÖLN. Ferrero und Mars machen gemeinsame Sache: Die Wettbewerber im Geschäft mit Süßwaren schicken ihre Lkws zusammen auf Tour. Seit einem Jahr steuern Fahrzeuge, die mit Waren beider Unternehmen beladen sind, Händler wie Rewe, Aldi oder Lidl an. Mehr als zwei Drittel aller Lieferpunkte in Nordrhein-Westfalen wurden gebündelt. "Unsere Produkte konkurrieren nicht auf dem Lkw, sondern im Regal", sagt Romald Heuvelmans, Leiter Kundenlogistik bei Mars. Das Modell hat Erfolg: Die Frachtkosten liegen heute zehn bis 15 Prozent niedriger. "Wenn jeder allein für sich die Lieferkette optimiert, könnte er höchstens einen Kostenvorteil von drei Prozent erzielen", sagt Heuvelmans.

Dass sich zwei Wettbewerber zusammenraufen, die mit ähnlichen Produkten die gleichen Kunden beliefern, war bis vor kurzem für viele Manager unvorstellbar. Doch die Krise bricht die Fronten auf. Derzeit streben internationale Handelsunternehmen nach der Kontrolle über die Lieferkette. "Das Thema gewinnt an Brisanz", sagt Andreas Otto, Betriebswirtschaftsprofessor an der Universität Regensburg. Der Handel wolle die Logistik übernehmen - was für die Hersteller höhere Kosten bedeuten würde. "Kooperationen bieten einen Ausweg: Wenn die Hersteller die Logistik günstiger organisieren, können es sich die Händler nicht leisten, in diesen Bereich zu investieren."

Der Zeitpunkt ist günstig für die Hersteller - denn viele Logistik-Dienstleister, die für sie arbeiten, sind derzeit in einer schwachen Verhandlungsposition: "In den aktuellen Krisenzeiten mit Überkapazitäten, billigem Diesel und fallenden Preisen auf dem Transport- und Logistikmarkt nutzen viele Verlader die Gelegenheit, um durch Ausschreibungen günstigere Einkaufskonditionen zu realisieren", sagt Tobias Hirsch, Inhaber der Logistikberatung Dr. Hirsch Consulting. "Die Dienstleister werden derzeit überhäuft mit Ausschreibungen und sind oft zu erheblichen Zugeständnissen bereit" - auch in puncto Kooperationen.

Viel professioneller gehen die Hersteller heute an das Thema Lieferkette heran. In vielen Firmen sind die Logistik-Experten in die oberste Führungsetage aufgerückt. So sitzt beispielsweise seit Anfang des Jahres Frank Wiemer im Vorstand des Kölner Handelskonzerns Rewe. Zuvor war er Logistik-Chef beim Konkurrenten Metro. "Früher konnten sich die Logistik-Verantwortlichen in vielen Unternehmen nicht durchsetzen. Jetzt sind sei vielerorts selbst an der Spitze und bestimmen die Richtung", sagt Wissenschaftler Otto.

Mit Interesse verfolgt die Transportbranche nun das gemeinsame Projekt der beiden Rivalen Mars und Ferrero. Gerade bei kleinen Warenmengen bringt die Kooperation spürbare Vorteile. Wenn beispielsweise ein Händler früher nur eine Palette eines Produktes bestellte, musste der Hersteller einen Spediteur mit der Lieferung beauftragen - die dann recht teuer wurde. Kann der Transportdienstleister allerdings die Aufträge verschiedener Hersteller zusammenfassen, lastet er sein Fahrzeug besser aus - für alle Auftraggeber sinkt der Preis.

Seite 1:

Die Kooperation endet erst im Regal

Seite 2:

Kommentare zu " Anlieferung: Die Kooperation endet erst im Regal"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%