Anschläge in London
Tourismus vom Terror kaum betroffen

So schrecklich die Terroranschläge von London in London auch waren, auf das deutsche Tourismus-Geschäft haben sie sich kaum ausgewirkt.

HB FRANKFURT. Ungeachtet der mehr als 50 Toten und Hunderten von Verletzten verzeichneten die großen Reiseveranstalter Tui und Thomas Cook keinen Rückgang bei der allgemeinen Reiselust. Auch von der Möglichkeit zu Umbuchungen oder Stornierungen von Städtereisen nach London wurde bis Freitagnachmittag nur in geringem Maße Gebrauch gemacht. Als Ursache für das weitgehend unveränderte Verhalten der Urlauber wird in der Branche ein „Gewöhnungseffekt“ gesehen.

Europas größter Reiseveranstalter Tui rechnet nicht mit Auswirkungen auf das Ergebnis, zumal der Anteil von London-Reisen am Gesamtgeschäft sehr gering ist. Nur 0,2 % aller Gäste von Tui Deutschland reisten nach London, sagte Unternehmenssprecher Robin Zimmermann. Von den 270 Gästen, die ursprünglich zum Wochenende die britische Hauptstadt ansteuern wollten, hätten nur 15 % ihre Reise storniert. Darüber hinaus habe es einige Umbuchungen für London-Reisen in der nächsten Woche gegeben. Aber auch hier sei die Zahl „nicht erheblich“.

„Es gab nur Einzelfälle“, sagte Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Fast alle Kunden seien wie geplant gereist. Der größten deutschen Fluggesellschaft seien auch keine Fälle bekannt geworden, in denen Reisende wegen der anhaltenden Behinderungen des öffentlichen Nahverkehrs in London verspätet zum Flughafen gekommen seien. Die Buchungen für London-Reisen seien weiter stabil.

Auch bei dem Reiseveranstalter Thomas Cook, an dem Lufthansa und Karstadt-Quelle je zur Hälfte beteiligt sind, wurde nur eine „sehr verhaltene“ Anfrage bei Umbuchungen und Stornierungen registriert. „Unsere Kunden sind Städteurlauber und London ist im Sommer kein Massenziel“, sagte ein Sprecher. Auch der Reiseveranstalter Dertour berichtete, es habe nur wenige Umbuchungen gegeben. „Die Gelassenheit der Briten wirkt sich auch auf die deutschen Gäste aus“, sagte eine Sprecherin. Am Donnerstag hatten mehrere Veranstalter und Fluglinien kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen von Reisen in die britische Metropole angeboten.

Die Tui hat beobachtet, dass die Reaktion der Reisenden nach jedem Terroranschlag nachlässt. Selbst nach den Anschlägen von Madrid im März des vergangenen Jahres habe es keineswegs einen Buchungseinbruch bei wichtigen Zielen gegeben, sagte Zimmermann. Die Reaktion nach den Anschlägen von Djerba im April 2002 sei dagegen noch wesentlich heftiger ausgefallen. „Aber das war ja auch erst der zweite Anschlag nach New York“, fügte er hinzu.

Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) ist laut Zimmermann zu der Einschätzung gekommen, dass die Menschen inzwischen akzeptierten, dass das globale Lebensrisiko größer geworden ist. „Offenbar setzt bei den Reisenden so etwas wie ein Gewöhnungseffekt ein“, sagte der Tui-Sprecher.

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