Ansicht von Verbraucherschützern wirkt der öffentliche Druck
Gasversorger zögern mit Preiserhöhungen Nach

Die zum ersten April erwartete neue Welle an Gaspreiserhöhungen fällt offenbar niedriger aus als zunächst befürchtet. Trotz deutlich gestiegener Importpreise sehen zahlreiche Gasversorger von einer weiteren Erhöhung der Tarife für Privatkunden ab.

DÜSSELDORF. Nach Einschätzung von Verbraucherschützern reagieren sie damit auf den wachsenden Widerstand der Kunden und der Kartellbehörden. „Die Versorger verkneifen sich weitere Erhöhungen“, sagt Aribert Peters, Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher, „viele geben diesesmal nicht mal die Preissteigerungen der Vorlieferanten weiter.“

Zum ersten Oktober und zum ersten Januar hatte die deutsche Gaswirtschaft ihre Tarife für Privatkunden noch flächendeckend und zum Teil drastisch erhöht. Preisschritte von über zehn Prozent waren auf harsche Kritik gestoßen. Das Bundeskartellamt leitete daraufhin mehrere Missbrauchsverfahren ein und auch die Landesbehörden nahmen Ermittlungen auf. Sie verdächtigen die Versorger, ihre Tarife stärker angehoben zu haben, als dies durch höhere Bezugspreise gerechtfertigt sei. Verbraucherschützer legten den Kunden sogar nahe, höhere Rechnungen vorerst nicht zu bezahlen. Dem Aufruf seien schon 200 000 Kunden gefolgt, sagt Peters.

Allein in Hessen haben nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 19 Gasversorger, gegen die die Behörde ermittelt, nun zugesagt, ihre Preise zum ersten April nicht zu erhöhen. Dabei seien die Einkaufskosten für die Unternehmen im ersten Quartal um durchschnittlich 0,3 Cent je Kilowattstunde (KWh) gestiegen – bei Endkundentarifen von 4 bis 4,5 Cent, hieß es. In Niedersachsen verzichten nach Angaben der Landeskartellbehörde sechs Versorger auf geplante Erhöhungen. Einer werde sogar seine Preise senken.

Auch der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) relativiert seine Prognose. „Es ist schwierig, eine Tendenz auszumachen“, sagte ein Sprecher. Die Situation sei bei den 730 Gasversorgern sehr unterschiedlich. Im Januar hatte Verbandspräsident Uwe Steckert noch gesagt, er rechne für April mit weiter steigenden Preisen.

Bislang haben sich nur wenige Stadtwerke zu einem Preisschritt entschlossen. Als einer der ersten Versorger teilte gestern die Kölner GEW Rhein-Energie AG mit, sie erhöhe ihre Tarife um rund elf Prozent. Sie gebe aber nur die eigenen Kosten weiter, betonte ein Sprecher.

Die Gaswirtschaft rechtfertigt die höheren Tarife mit der Ölpreisbindung. Traditionell sind in den Verträgen, die die Importeure mit den Produzenten und die Importeure mit den Stadtwerken schließen, die Gaspreise an die Vorgaben des Ölmarktes gekoppelt. Da sich die Lage am Ölmarkt nach einer kurzzeitigen Entspannung wieder zuspitzt, wäre grundsätzlich mit einer neuen Gaspreisrunde zum ersten April zu rechnen. Auf der Großhandelsebene werden die Preise auch steigen, wie Deutschlands größter Importeur, Eon Ruhrgas, schon angekündigt hat. Eine konkrete Zahl will das Unternehmen aber nicht nennen. Dies habe in der Vergangenheit zu Missverständnissen geführt, weil die Verträge mit den Stadtwerken sehr unterschiedlich seien, heißt es.

Eine Erhebung des Hamburger Fachmagazins „Energie Informationsdienst“ relativiert indes die Kritik an den deutschen Versorgern. Danach liegen die deutschen Gastarife europaweit im Mittelfeld. Mit einem Durchschnittspreis von 4,89 Cent je KWh müssen die deutschen Verbraucher deutlich weniger bezahlen als beispielsweise Schweden und Dänen.

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