Ansturm auf Fernverkehr: Rekordgewinn für die Deutsche Bahn

Ansturm auf Fernverkehr
Rekordgewinn für die Deutsche Bahn

Mehr als eine Woche vor der Bilanzvorstellung sind Gewinnzahlen der Deutschen Bahn für 2012 nach außen gedrungen. Im Fernverkehr befördert der Konzern deutlich mehr Passagiere und erzielt einen Rekordgewinn.
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BerlinDank eines neuen Passagier-Rekords hat die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn ihrer Geschichte eingefahren. Die schwächere Wirtschaft 2012 lastete aber auf dem Güterverkehr, so dass die selbst gesteckten Ziele nach Reuters am Mittwoch vorliegenden Konzernunterlagen dennoch verfehlt wurden.

Der Konzern verbuchte demnach ein Betriebsergebnis von 2,7 Milliarden Euro und damit rund 400 Millionen mehr als 2011. Während der Güterverkehr sowohl auf Schiene und Straße unter der abflauenden Konjunktur litt, trieben die hohen Benzinpreise die Menschen in die Züge: 131 Millionen Passagiere waren allein im Fernverkehr unterwegs, rund fünf Prozent mehr als 2011. Der Sparten-Gewinn schnellte um mehr als das Doppelte auf 364 Millionen Euro und lag so auch weit über den Erwartungen des Managements. Zweiter Rekord-Garant war das mit staatlichen Milliarden-Zuschüssen subventionierte Schienennetz. Erstmals in der Bahn-Geschichte war es mit fast 900 Millionen Euro größter Gewinnlieferant.

Trotz der Milliarden-Kosten für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 soll die Rekordjagd weitergehen. In diesem Jahr wird ein Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 2,9 Milliarden Euro angepeilt, der bis 2017 auf vier Milliarden Euro wachsen soll.

Die schwächere Wirtschaft machte sich 2012 besonders beim Umsatz bemerkbar. Dieser lag zwar mit 39,3 Milliarden Euro über dem Vorjahr. Er lieb damit aber noch deutlich unter den im Sommer nach unten korrigierten Planungen. Besonders bemerkbar machte sich die Flaute bei der seit Jahren kriselnden Güterbahn. Deren Erlöse blieben sogar unter dem Vorjahreswert und weit unter den Planungen.

Immerhin konnte die Güterbahn in Deutschland wieder ein kleinen Gewinn einfahren, was vor allem auf ein radikales Sparprogramm mit der Verschrottung von Tausenden Güterwaggons zurückzuführen ist. Die internationale Logistik (Flugzeug, Schiff, Lkw) blieb mit einem Gewinn von 400 Millionen Euro unter den Erwartungen.

Umso wichtiger war für die Bahn erneut das Geschäft in Deutschland. Die Verkehrsleistung im Personenverkehr, also Passagiere kombiniert mit gefahrenen Kilometern, stieg um vier Prozent auf einen neuen Rekord. Ein wichtiger Faktor waren dabei die 2012 sehr hohen Spritpreise, die immer mehr Menschen zum Umstieg auf die Bahn bewegten. Sie wurden so offenbar auch nicht von den Ticket-Preisen abgeschreckt, die 2011 um knapp vier Prozent erhöht wurden.

Da den besser ausgelasteten Zügen kaum zusätzliche Kosten gegenüber stehen, schlägt sich das Passagierwachstum voll im Gewinn nieder. Seit Jahren hat die Bahn auch kaum neue Fernzüge gekauft hat, teils wegen Lieferschwierigkeiten der Industrie. Dadurch wurde das Ergebnis-Plus auch nicht durch Abschreibungen gebremst.

Der Regionalverkehr mit den Pendlerzügen als traditionell wichtigster Gewinnlieferant wurde 2012 durch das Schienennetz abgelöst. Ein Drittel des Ergebnisses steuerte allein diese Sparte bei, die der Steuerzahler jährlich mit 2,5 Milliarden Euro subventioniert. Die Einnahmen kommen aus den Gebühren zur Nutzung des Netzes unter anderem von Konkurrenten.

Die EU-Kommission dringt seit längerem auf eine stärkere Trennung des subventionierten Netzes vom Konzern, denn derzeit fließen die Gewinne in die allgemeine Bahnkasse, ohne direkt wieder in die Schiene investiert werden zu müssen. Die Kommission fürchtet auch, dass Wettbewerber der Bahn über Gebühren und Zuteilung von Trassen benachteiligt werden könnten. Die Bahn kämpft mit Unterstützung von Verkehrsminister Peter Ramsauer gegen die EU-Pläne.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • "Tolle" (Ironie) Strategie: Wenig investieren in Strecken, Züge, Service, Sauberkeit. Trotzdem regelmäßig die Preise anheben. Aufgrund der noch weitverbreiteten Monopolstellung, der staatlichen Förderung des bundeseigenen Unternehmens sowie der Trassenentgelte wieder mal einen neuen Rekordgewinn "eingefahren". In weiten Teilen eine kurzfristige Strategie zulasten der Bahnkunden und des Steuerzahlers, der später sehr viel mehr in Ausbau und Sanierung des Streckennetzes investieren muss als nun Gewinn in den Bundeshaushalt eingehen wird.
    Nun, bei diesem (Pro-forma-)Ergebnis wird es dann wohl auch wieder "schöne Boni" für den DB-Vorstand geben ... leider ... Trotz der Debakel beim Immobilien- und Bauwirtschaftsprojekt Stuttgart 21 [kein besserer Bahnhof], bei der Berliner und der Hamburger S-Bahn etc. etc. ...

  • "Im Fernverkehr erhöhte ..."

    Mich jetzt übrigens nicht mehr! Ich habe meine Preise jetzt nämlich entfernungsabhängig gestaffelt, so dass ich was davon habe, wenn ich weiter weh´g muss. Seither sieht man mich als zu teuer an, wenn es weiter weg als 150km ist. Gut so!

  • Kulturbürgerliche Widersetzlichkeit. So hat ein namhafre Autor einmal die Geisteshaltung der Anhänger eines gewissen A.H. treffend beschrieben.

    Die selbe Geisteshaltung, das rückwärts gerichtete Denken findet sich heute wieder in weiten Kreisen der Anhängerschaft von Grünen, SPD und Linken. Abwehrgesten einer angeblich intelektuellen Bevölkerungsschicht gegen eine angeblich poesielose moderne Welt.
    Mag diesen Menschen auch der eine oder andere Politiker nach dem Motto: " Es ist nicht wichtig, ob der Gedanke die Wahrheit zum Inhalt hat. Nein ob wir ihn als Waffe gegen unsere Gegener verwenden können!"

    Es ist auf einer Seite gut, dass solch fehlgeleiteten Geister die gegen S21 auf die Straße rennen wie die bolschewistischen Horden gegen die Weimarer Republik, zahlenmäßig recht klein sind. Schlecht ist, dass diese Gruppe in den Medien einen starken Widerhall findet, nur um Auflage und Quote zu steigern.

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