Antritt von Lufthansa-Chef Spohr
„Es ist erstaunlich, wie schwach die Marge ist“

Am 1. Mai übernimmt Carsten Spohr den Chefposten bei der Lufthansa. Auf der Hauptversammlung wird Fondsmanager Speich heute nicht mit Kritik am scheidenden Christoph Franz sparen. Wesentliche Probleme seien ungelöst.
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Herr Speich, auf der letzten Hauptversammlung der Lufthansa gab es rund um die Wahl Wolfgang Mayrhubers zum Aufsichtsratschef reichlich Unruhe. Der Österreicher musste zuletzt noch einmal Kritik einstecken: Die Suche nach einem Nachfolger für Vorstandschef Christoph Franz dauerte vielen zu lange – und dann bekam mit Carsten Spohr doch der klare Favorit den Zuschlag.
Herr Franz war nicht von heute auf morgen weg, sondern steht der Lufthansa noch bis Ende April zur Verfügung. Das Unternehmen war nicht führungslos. Der von Wolfgang Mayrhuber angestoßene Nominierungsprozess war deshalb richtig. Sicherlich hätte es etwas schneller gehen können. Die Kritik kann ich teilweise verstehen, aber er musste sich auch externe Kandidaten anschauen. Das ist im Endeffekt das, was wir unter vernünftiger Unternehmensführung verstehen und von den Aufsichtsräten fordern.

Sie sind ganz schön milde mit Mayrhuber. Hat Christoph Franz auf der Hauptversammlung am Dienstag ebenso wenig zu befürchten?
Mit Christoph Franz werden wir kritischer sein. Man muss bei ihm aber trennen: Aus persönlicher Sicht kann man es doch verstehen, dass er das Angebot von Roche angenommen hat. Er hat auch nicht die Lufthansa-DNA wie ein Carsten Spohr. Andererseits kann ich als Vorstandschef nicht einfach zum Aufsichtsrat gehen und sagen: „Ich bin in einem halben Jahr weg“. Damit hat Herr Franz der Lufthansa keinen Gefallen getan, gerade im Restrukturierungsprozess. Die Rolle der Ehrenvorsitzenden sehen wir aber weitaus kritischer.

Mischt Ihnen „Mister Lufthansa“ Jürgen Weber zu viel mit?
Wir finden, dass Ehrenvorsitzende in Aufsichtsräten nicht mehr zeitgemäß sind. Das löst immer Reibung aus und es gibt nach außen Diskussionen darüber, wer den Ton angibt. Gerade bei Herrn Weber, der sehr dominant ist. Das Leben für Herrn Mayrhuber wird durch einen Ehrenvorsitzenden im Aufsichtsrat schwerer.

Zurück zu den operativen Entscheidungsträgern: Wie fällt Ihre Bilanz zur Amtszeit von Christoph Franz aus?
Es wäre schöner gewesen, wenn er das Restrukturierungsprogramm „Score“ zu Ende geführt hätte. Christoph Franz war ein Sanierer, die Einschnitte waren hart und er hat die Lufthansa vor neue Herausforderungen gestellt. Das sieht man auch an den vergleichsweise schwierigen Beziehungen zu den Gewerkschaften. Trotzdem stehen die großen strategischen Würfe noch aus – es ist also schwer, ein qualifiziertes Urteil zu fällen.

Zuletzt machte die Pilotengewerkschaft Cockpit Franz das Leben schwer. Ihr Streik traf die Lufthansa hart. Die Piloten bekamen dafür viel Kritik – war die aus Ihrer Sicht gerechtfertigt?
Definitiv! Das Sanierungsprogramm fordert eben von allen Beteiligten Zugeständnisse und da sind die Piloten nicht außen vor. Da muss auch mal eine Überprüfung der Realität stattfinden.

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„Es ist offen, wie die Lufthansa auf die Golf-Konkurrenten reagiert“

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  • Ich finde das Interview etwas ärgerlich. Diese Äusserung "Andererseits kann ich als Vorstandschef nicht einfach zum Aufsichtsrat gehen und sagen: „Ich bin in einem halben Jahr weg“." ganz besonders.

    Franz' Vorstandsvertrag geht bis zum 30.04.2014. Überlicherweise werden solche Verträge etwa ein Jahr vor Ablauf verlängert. Dass Mayrhuber als AR-Vorsitzender das nicht rechtzeitig in die Gänge gebracht hat, ist ausschliesslich Mayrhubers Verschulden. Möglicherweise war Franz darüber auch etwas verschnupft. Ich könnte es ihm nicht verdenken.

    Auch finde ich Speichs Äusserungen über Jürgen Weber etwas despektierlich. Als Besitzer einer verhältnismässig grossen Tranche LH Aktien beobachte ich das Geschehen recht sorgfältig. Und ich konnte keinerlei Einflussnahme von J. W. auf das LH-Geschäft seit seinem AR-Abgang registrieren. Webers letzte Amtshandlung (und ich fürchte auch: sein grösster Fehler) war die Inthronisierung von Mayrhuber als AR-Vorsitzender.

    Der weitaus überwiegende Teil des Krempels, den Franz aufräumen musste, ist während Mayrhubers Vorstandszeit entstanden. Das spricht wohl auch nicht dafür, dass Franz und M. sich sonderlich nahegstanden haben.

    Dem Aktienkurs jedenfalls hat Franz sehr gut getan. Hoffen wir, dass es mit Spohr noch besser wird.

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